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Woran glauben Japaner?

Kaum ein Land ist so kontrastreich wie Japan. Hier wird die traditionelle Kultur, mit all ihren Bräuchen, direkt neben den Wolkenkratzern und den neusten technischen Errungenschaften gelebt. Der Einklang zwischen Moderne und Tradition ist den Japanern sehr wichtig.

Shintoismus und Buddhismus

Die zwei wichtigsten Religionen in Japan sind der Shintoismus und der Buddhismus. Die meisten Japaner fühlen sich mit beiden Religionen eng verbunden und mittlerweile sind der Shintoismus und der Buddhismus untrennbar miteinander vermischt. Im Shintoismus werden Naturgottheiten, wie z.B. Wind, Regen, Bäume oder Berge geehrt. Insgesamt gibt es über 800 Gottheiten.

Die Götter im Buddhismus waren alle menschliche Wesen, die nach ihrem Tod die Erlösung erlangt haben. Wie die Menschen selber, haben die Götter bestimmte Charaktereigenschaften, wie z.B. Barmherzigkeit oder Hilfsbereitschaft. 

Es gibt also in beiden Religionen nicht nur einen Gott, sondern viele Gottheiten. 

Da die Japaner sehr religiös sind, gibt es dementsprechend viele Tempel und Schreine. 

Der Unterschied zwischen einem Tempel und einem Schrein ist auf den ersten Blick nicht unbedingt zu erkennen. Generell ist es so, dass Tempel zum Buddhismus und Schreine zum Shintoismus gehören. 

Die Japaner heiraten in einem Schrein und werden in einem Tempel beerdigt. Das zeigt, wie eng die Menschen mit beiden Religionen verbunden sind.

Vor den Gräbern stehen "Jizo" Figuren, die die untote Seele in die Unterwelt bringen sollen. Wenn also Jizo Figuren in der Nähe zu sehen sind oder gleich der dazu gehörige Friedhof, ist man in einem Tempel.

Traditionelle Rituale

Bevor ein Schrein oder Tempel betreten wird, gibt es verschiedene Rituale, die von den Gläubigen durchgeführt werden. Vor betreten des Schreins oder des Tempels, verbeugen sich die Gläubigen. An speziellen Wasserstellen werden die Hände gewaschen. Erst die Linke, dann die Rechte. Die Gebete sollen den Gottheiten ja auch im sauberen Zustand vorgetragen werden. Auch das Beten verläuft nach einem festen Schema ab. Zuerst wird eine kleine Spende in die Spendenbox geworfen, im besten Fall eine 5 Yen Münze. Dann verbeugt sich der Gläubige zweimal und klatscht zweimal in die Hände. Das erste Mal soll bedeuten: "Hallo, ich bin es liebe Gottheit, ein Mensch". Das zweite Mal Klatschen bedeutet, dass man sich jetzt einen Schritt nähert. Dann trägt man seinen Wunsch vor und vorbeugt sich zum Abschluss erneut. Sowohl im Schrein, als auch im Tempel wird so gebetet. Der einzige Unterschied ist, dass im Tempel nicht in die Hände geklatscht wird. 

Oft haben wir gesehen, wie Menschen vor dem Eingang Holzschachteln schütteln. In den Schachteln befinden sich Holzstäbchen auf denen Nummern stehen. Die Nummer verrät aus welcher Schublade man sich sein "Omikuji" nehmen darf. Omikuji sind Lotterie-Orakel, auf denen Wahrsagungen stehen. Die Wahrsagungen sind recht originell, z.B. Großes Glück, Halbes Glück, Kleines Pech usw. Sollte man ein schlechtes Omikuji erwischen, muss der Zettel natürlich sofort weg. Er wird an eine dafür vorgesehene Kiefer geknotet, welche, wenn sie voll mit schlechten Omikuji's ist, verbrannt wird. Sinn des Ganzen soll sein, dass das Unglück an der Kiefer verweilt und sich nicht an die Person heftet.

Hat man aber ein gutes Omikuji gezogen, sollte man es behalten und in sein Portemonnaie stecken.

In den Schreinen und Tempeln gibt es verschiedenste Amulette und Glücksbringer zu kaufen. Für jede Lebenslage gibt es den passenden Glücksbringer. Je teurer, desto mehr Glück, versteht sich.

Waschstelle in Form eines Drachens an einem Japanischen Tempel

Narita-san Tempel

Unser erstes Ziel in Japan war Narita, nur 10 Minuten vom Flughafen entfernt. Narita ist ein kleineres Städtchen und bietet den perfekten Start für uns, bevor es am nächsten Tag nach Tokio geht. 

Nach unserer Ankunft fallen wir nur noch ins Bett und schlafen wie Babys in unserem kleinen Guesthouse. Hier bekommen wir einen ersten Eindruck von den freundlichen, hilfsbereiten und zurückhaltenden Japanern. 

Am nächsten Morgen haben wir noch etwas Zeit um Narita zu erkunden. Wir saugen die ersten Eindrücke von diesem Land auf und kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Wirklich ein süßes Städtchen, mit vielen traditionellen Häusern. An der Straße befinden sich einige Lokale, die gebratenen Aal anbieten. Eine Spezialität in Narita, frischer kommt man wohl auch nicht dran. Wir können von der Straße in die Küche schauen und beobachten, wie der Koch aus einem großen Eimer den lebenden Aal fischt. Zack, ist der Kopf ab und der Aal wird fachmännisch und innerhalb kürzester Zeit zerlegt. 

Zwei Japaner sitzen an einem Holztisch und zerlegen Aal mit einem Messer

Auf unserem kleinen Spaziergang fällt uns der buddhistische Tempel Narita-san auf. Der Tempel liegt in einer wunderschönen Anlage, umgeben von Wäldern und kleinen Seen mit Wasserfällen. 

Das Herzstück des Tempels ist eine Holzfigur der Gottheit "Fudo Myoo", den Beschützer der buddhistischen Lehre. Somit ist der Tempel einer von drei bedeutenden Fudo Myoo Stätten im Land. 

Wir hatten Glück und konnten bei einer Zeremonie zusehen. Die japanischen Gebete und Gesänge klangen toll. In dem Raum stand eine riesige Trommel. Daniel und ich fragten uns beide, was dieses Teil wohl für einen Lärm machen müsste, als plötzlich ein Mönch volle Möhre auf die Trommel schlug. Wir zuckten ordentlich zusammen. So wurden die Gebete und Lieder vom Trommelschlag begleitet. Das Ganze hatte etwas sehr mystisches. 

Auf einmal kam Unruhe und Aufregung in die betende ´Menschenmasse. Die Japaner stürmten mit ihren Taschen zum Altar und gaben sie einem Mönch. Dieser Mönch lief mit den Taschen Richtung Feuer und hielt sie in den Rauch. Er sprach ein Gebet und brachte die Tasche den Besitzern zurück. Seltsamer Anblick. Ein so ehrwürdiger Mönch, behangen mit Handtaschen und Rucksäcken. Anscheinend wurden die Taschen gesegnet. Die Japaner waren danach auf jeden Fall total aus dem Häuschen. 

Putziges Völkchen, wirklich. 

Orangenfarbener Japanischer Tempel
Schild in japanischen Garten

Japanischer Tempel, Treppenaufgang zum Tor

Senso-ji Tempel

Die ersten Nächte in Tokio übernachten wir in dem Viertel Asakusa. Der älteste und bedeutendste Tempel Tokios befindet sich ebenfalls in diesem Viertel und ist somit unser direkter Nachbar, wie praktisch. 

Der buddhistische Senso-ji Tempel ist der Gottheit Kannon, der Göttin der Barmherzigkeit, gewidmet. Der Legende nach, haben zwei Fischer im Jahre 628 eine Statue der Kannon aus dem nahegelegenen Fluss gefischt. Obwohl die Statue mehrmals in den Fluss zurück gegeben wurde, kam sie immer zurück. Aus diesem Grund entscheiden sich die Beiden für diese Statue den Senso-ji Tempel zu errichten. 

Eine Einkaufsstraße mit vielen Geschäften und Restaurants führt zum Tempel. Hier ist schon deutlich mehr los, als in Narita. Trotzdem ist der Senso-ji sehr beeindruckend, nicht zuletzt wegen dem Umzug in den wir hinein geraten. Die Polizei läuft voran und lässt eine Gasse bilden. Mit viel Musik und einigen verkleideten Japanern zieht der Umzug die ganze Straße entlang. Was das nun auf sich hatte, können wir nicht sagen. Aber wir waren mittendrin, zwischen Tradition und Skurrilität. 

Weg zum japanischen Tempel
Eine als Kranich verkleidetet Japanerin
Ein Japaner mit goldenem Hut spielt Blockflötte

Vor dem Tempel sprach uns ein Japaner an. Er wollte einfach seine Englischkenntnisse verbessern. Wir haben ein bisschen Small Talk gehalten und als er hörte, dass wir aus Deutschland kommen, gab er gleich noch ein paar deutsche Wörter zum besten. Teilweise war es gar nicht so einfach, ihn zu verstehen. Der Gute konnte das R gar nicht aussprechen und so blickten wir uns teilweise nur fragend an, als er eifrig immer und immer wieder die selben Wörter sagte. Kein Problem, der Japaner hatte einen deutschen Atlas dabei und zeigte uns auf der Karte, was er meinte: Rhein, Ruhr, Loreley. Ihr müsst zugeben, ohne den Buchstaben R ein schwieriges Rätsel für uns, oder? 

Unser erster Tag in Tokio

Kommentare: 2
  • #2

    Hildegard van Lier (Dienstag, 06 November 2018 08:55)

    Puuh, das ist ja der Wahnsinn und unglaublich. Ich stelle mir gerade vor wie es hier wäre, wenn alle so diszipliniert, im Glauben wie im Alltag, sein würden. Grandiaos. Keine schlecht gelaunten Menschen mehr. Wow. Danke für diesen Bericht und die Fotos. Toll. Viel Spaß noch und liebe Grüße, Hi und Ho

  • #1

    Hannes u.Doris (Montag, 05 November 2018 15:18)

    Soviel Informationen, die man erstmal verstehen muss. Man lässt euch zusehen und auch fotografieren .Dadurch, dass die Japaner so zuvorkommend und freundlich sind ,macht es euch vielleicht etwas leichter ,die Sprache zu verstehen .Schön, dass ihr uns teilhaben lasst. Vielen Dank dafür.