· 

09. Weltreise Planung - Kündigung, Sabbatical oder unbezahlter Urlaub?

Weiter geht es in unserer Weltreise-Planungs-Serie. Nachdem Du ja in der letzten Folge Tipps bekommen hast, wie Du für deine Weltreise sparen kannst, wollen wir heute das Thema Job angehen. Für viele ist der Job und Arbeitgeber eine weitere große Hürde. Manchmal vielleicht sogar das K.O.-Kriterium. Um die verschiedene Möglichkeiten beleuchten zu können, Job und Reise unter einem Hut zu bringen oder eben nicht, haben wir uns Verstärkung von Anke und Przemek vom Reiseblog Weltbeats geholt.

Zusammen können wir Dir die Optionen Kündigung, unbezahlter Urlaub und Sabbatical mit unseren eigenen Erfahrungen schildern. Hört mal rein und vielleicht ist die Hürde des Jobs plötzlich gar nicht mehr so schwer zu bewältigen.

Schön, dass ihr dabei seid & danke fürs Zuhören.


Option Kündigung

Anke hat Tourismusmanagement studiert und in Braunschweig Events für Gründer organisiert. Schon vor der Reise war ihr klar, dass sie sich beruflich gerne verändern möchte. Daher hat Anke sich nach einigen Gesprächen mit ihrem Arbeitgeber für die Option der Kündigung entschieden.

Vorteile:

  • Grade wenn Du in Deinem Job unzufrieden bist und Dich sowieso neu orientieren möchtest, kannst Du Deine Reise und Kündigung als Chance nutzen, Dich beruflich zu verändern. 
  • Dein Kopf ist freier und Du musst Dich aktiv mit dem Thema auseinander setzen, was Du eigentlich nach der Reise und im Leben möchtest. Wenn Du nach Deiner Reise in einen sicheren Job zurückkehrst, lässt Du solche Gedanken eventuell gar nicht erst zu. 
  • Du kannst wirklich loslassen und bist jetzt an einem Punkt, an dem Du Dir Dein zukünftiges Leben neu gestalten kannst. 
  • Nach Deiner Reise hast Du durch das Arbeitslosengeld erstmal eine Absicherung, quasi einen Rettungsfallschirm. Während Du Arbeitslosengeld beziehst, zahlt die Arbeitsagentur Deine Sozialabgaben (Krankenversicherung, Rentenversicherung). 

Nachteile:

  • Eine Kündigung ist natürlich erstmal ein Schritt ins Ungewisse. Vielleicht streßt Dich der Gedanke, dass Du Dir nach der Reise einen neuen Job suche musst oder Du nicht weißt wie Dein Leben nach der Reise aussieht.
  • Du musst vor Deiner Reise ein Puffer aufgebaut haben und lebst von Ersparnissen. 
  • Du musst Dich vor Deiner Reise gut über den Ablauf bei der Arbeitsagentur informieren. Das bedeutet leider Bürokratie und Behördengänge.
  • Nach der Reise musst Du Dich ebenfalls relativ schnell mit der Arbeitsagentur und bürokratischen Dingen rumschlagen. 

Fazit von Anke

  • Anke war total froh, dass sie sich für den Schritt der Kündigung entschieden hat. Sie brauchte diesen Cut um sich selber klar zu werden, welche Richtung sie einschlagen will und wo sie nach der Reise beruflich hin möchte. Anke beginnt im August eine Ausbildung zur Mediengestalterin Print und Digital und ist damit super happy.

Arbeitsagentur & Arbeitslosengeld

Wenn Du nach Deiner Reise Arbeitslosengeld in Anspruch nehmen möchtest, musst Du Dich rechtzeitig bei der Arbeitsagentur über die weiteren Schritte informieren. Generell ist es so, dass Du einen Anspruch auf Arbeitslosengeld I hast, wenn Du in den letzten zwei Jahre mindestens 12 Monate sozialversicherungspflichtig gearbeitet hast. Ist dies nicht der Fall, hast du nur einen Anspruch auf Arbeitslosengeld II (Harz IV).

Wenn Du selber gekündigt hast, ist Dein Anspruch auf Arbeitslosengeld für 3 Monate gesperrt. Das Gute ist aber, dass diese Sperrfrist abläuft, während Du unterwegs bist. Solltest Du gekündigt worden sein, gilt diese Sperrfrist nicht. 

Die Mitarbeiter der Arbeitsagentur rechnen Dir genau aus, wie viel und wie lange Du Arbeitslosengeld I bekommen kannst. 

Da das ganze Thema „Arbeitsamt“ ziemlich verwirrend ist und es einige Dinge zu beachten gibt, haben wir die 3 nötigen Schritte kurz und knapp aufgeschrieben. 

1. Schritt - Arbeitssuchend melden

  • Sobald Du weißt, ab wann Du arbeitslos sein wirst, solltest Du das erste Mal Kontakt zur Arbeitsagentur aufnehmen und Dich arbeitssuchend melden. Das geht persönlich, telefonisch oder online. Der Vorteil eines persönliches Gesprächs ist natürlich, dass Du den Mitarbeitern direkt Deine Situation schildern kannst. Da Langzeitreisen immer beliebter werden, wissen die Mitarbeiter mittlerweile, wie sie mit so einer Situation umgehen müssen und helfen Dir die richtigen Schritten einzuleiten. Ganz wichtig: Du musst Dich allerspätestens 3 Monate vor dem Eintreten der Arbeitslosigkeit bei der Arbeitsagentur melden.

2. Schritt - Arbeitslos melden & Sich bei der Arbeitsagentur abmelden 

  • Beim nächsten Schritt gibt es total widersprüchliche Aussagen. Sprecht hier unbedingt vorher mit den Mitarbeitern der Arbeitsagentur. 
  • Manchmal heißt es, dass Du Dich am ersten Tag Deiner Arbeitslosigkeit bei der Arbeitsagentur offiziell arbeitslos melden musst. Durch diesen Besuch wird Dein Anspruch auf Arbeitslosengeld für 4 Jahre gesichert. 
  • Ein anderes Mal heißt es, dass Du alles direkt bei Deinem ersten Termin in der Arbeitsagentur in die Wege leiten kannst und nicht nochmal extra am ersten Tag Deiner Arbeitslosigkeit zur Arbeitsagentur musst. Auf jeden Fall muss vor Deiner Reise vermerkt werden, dass Du dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehst und quasi bei der Arbeitsagentur abgemeldet bist. Ob das nun direkt beim ersten Gespräch geschieht oder erst, wenn Du Dich am ersten Tag Deiner Arbeitslosigkeit erneut meldest, ist scheinbar unterschiedlich. 
  • Plane Sicherheitshalber einfach ein paar Tage Puffer ein, bevor Du in Dein Abenteuer startest. 

3. Schritt - Arbeitslosengeld beziehen 

  • Wenn Du wieder in Deutschland bist, solltest Du Dich möglichst schnell bei der Arbeitsagentur melden, damit Du Deinen Anspruch auf Arbeitslosengeld geltend machen kannst und Geld bekommst. 

Option unbezahlter Urlaub

Daniel und Steffi sind Beide Gesundheits- und Krankenpfleger und haben unsere Weltreise durch unbezahlten Urlaub ermöglicht. Steffi wollte ihren Job nicht kündigen, da sie vor der Reise recht zufrieden war und auch weiterhin in dem Job arbeiten wollte. Bei Daniel war es lange unklar, ob er unbezahlten Urlaub bekommt oder kündigen muss. Generell war es so, dass Daniel deutlich unzufriedener in seinem Job war, als Steffi und er sich auch vorstellen konnte, sich beruflich nochmal zu verändern. Letztlich ist er dann den einfacheren und sichereren Weg gegangen und hat die Möglichkeit des unbezahlten Urlaub angenommen. 

Vorteile

  • Du gehst kein Risiko ein und weißt genau, dass Du einen Job hast, wenn Du zurück kommst und wieder Geld verdienst. 
  • Wenn Du zufrieden bist, kannst Du Dich nach der Rückkehr auf Dein Team und die Arbeit freuen. 
  • Du musst Dich nicht großartig neu einarbeiten und kennst die Strukturen. So kannst du erstmal in Ruhe ankommen. 
  • Dein Arbeitsvertrag ruht für die Zeit Deiner Reise. Die Kündigungsregelungen bleiben erhalten. 

Nachteile

  • Du musst vor Deiner Reise ein Puffer aufgebaut haben und lebst von den Ersparnissen.
  • Mit neuen Ansichten in einen alten Job zurück zu kehren ist eventuell nicht ganz einfach. Du knüpfst quasi nahtlos an Dein altes Leben wieder an. Vielleicht ist das ok für dich, vielleicht aber auch nicht. 
  • Wahrscheinlich wird Dein Kopf nicht so frei sein und Du wirst Dir nicht so viel Gedanken über dein Leben nach der Reise machen. 
  • Der Arbeitgeber zahlt den 1. Monat weiter Deine Sozialabgaben (Kranken- und Rentenversicherung). Ab dem 2. Monat musst Du selber eine Krankenversicherung abschließen. 

Fazit von Steffi

  • Wären die Bedingungen auf der Arbeit so wie vor der Reise, würde Steffi wieder unbezahlten Urlaub nehmen. Vor der Reise konnte sie sich nicht vorstellen sich beruflich zu verändern. Allerdings hat sich entweder auf der Arbeit einiges gerändert oder Steffi hat sich selber so stark verändert, dass die vorherige Zufriedenheit nicht mehr so stark ausgeprägt ist. Im Moment fühlt es sich an, als ob etwas rundgewordenes in etwas eckiges reingequetscht wird.

Fazit von Daniel

  • Daniel bereut es ein wenig, dass er den unbezahlten Urlaub und nicht den Schritt der Kündigung gewählt hat. Er war vorher nicht zufrieden und ist es natürlich nach der Reise auch nicht. Dadurch, dass er immer im Hinterkopf hatte, dass er einen sicheren Job hat, wenn er zurückkommt, war er nicht in der Pflicht sich Gedanken machen zu müssen. Ganz oberflächlich wurde mal an die beruflichen Zukunft gedacht, aber sein Kopf war nicht frei für Ideen oder Entscheidungen. Denn es war klar, ab April läuft es beruflich so wie gewohnt. Der Alltag ist der selbe wie vor der Reise, nur Daniel ist es nicht mehr. 

Krankenversicherung selber zahlen

In Deutschland besteht eine Versicherungspflicht. Wenn Du in Deutschland gemeldet bist, musst Du also Krankenversichert sein. Solange Du in einem Arbeitsverhältnis stehst, zahlt Dein Arbeitgeber für Dich die Beiträge für die Krankenkasse. Wenn Du unbezahlten Urlaub bekommst, musst Du theoretisch ab dem 2. Monat Deine Krankenkassenbeiträge selber zahlen. Eigentlich ziemlicher Blödsinn, denn Du befindest Dich ja gar nicht in Deutschland. 

Das hat auch der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen erkannt und hat 2009 in einer Konferenz beschlossen, dass die Gesetzlichen Krankenkassen eine gleichwertige Auslandsreisekrankenversicherung anerkennen müssen. 

Wir haben unseren Krankenkassen (DAK / TK) mit dem Nachweis einer abgeschlossenen Auslandsreisekrankenversicherung und dem Flugticket ab Deutschland einen Besuch abgestattet. Der ganze Vorgang lief völlig problemlos ab und unsere Mitgliedschaften wurden pausiert. Deine Krankenkasse ist übrigens verpflichtet Dich nach der Reise wieder aufzunehmen. 

Nach der Rückkehr sind wir erneut zu unseren Krankenkassen gegangen um uns wieder zurück zu melden. Eventuell musst Du für die paar Tage, bevor Du wieder arbeiten gehst noch Beiträge zahlen oder Du machst es so wie wir und planst die letzten Wochen mit bezahlten Urlaub. Dann übernimmt der Arbeitgeber wieder die Krankenkassenbeiträge. 

Rentenversicherung selber zahlen

Wir waren bei der Rentenberatung und haben uns informiert, ob es Sinn macht für den Zeitraum selber in die Rentenkasse einzuzahlen. Diese Beiträge zahlt normalerweise auch der Arbeitgeber für Dich. Der aktuell zu zahlende Mindestbetrag, den wir hätten einzahlen müssen, liegt bei 84€ monatlich. Um gar keine Verluste zu machen, hätten wir allerdings den Arbeitgeberanteil mit zahlen müssen und der ist wirklich utopisch hoch. Wir haben uns dann letztlich gegen eine freiwillige Einzahlung entschieden. Aber informiert euch am besten selber, ob es in eurem Fall Sinn macht oder nicht. 

Option Sabbatical

Przemek hat ein Duales Studium im Bereich Industriekaufmann und Business Administration absolviert. Er arbeitet als Angebotsleiter und Kaufmännischer Projektleiter und ist in seinem Job zufrieden. Sein Unternehmen hat ihm nach mehreren Gesprächen letztlich ein Sabbaticaljahr angeboten. 

Ein Sabbatical ermöglicht Dir eine Auszeit vom Job, ohne das Du kündigen und auf Dein gesamtes Gehalt während dieser Auszeit verzichten musst. 

Du einigst Dich mit Deinem Arbeitgeber auf ein Ansparmodell. Du bekommst zum Beispiel 3 Jahre lang nur 75% Deines Gehalts ausgezahlt, arbeitest aber Vollzeit weiter. Im 4. Jahr startest Du Deine Reise, bekommst aber weiterhin Dein, über die 3 Jahre aufgesparten 75% Gehalt. Du kannst Dir Deine Auszeit aber auch über angesparte Überstunden ermöglichen. Suche einfach das Gespräch mit Deinem Arbeitgeber und schau was möglich ist. 

Vorteile

  • Du bekommst weiter Gehalt und bist finanziell super abgesichert. 
  • Du musst nicht von Deinen Ersparnissen leben. Brauchst also vor Deiner Reise nicht super viel Sparen.
  • Du weißt sicher, dass Du einen Job hast, wenn Du zurück kommst. 
  • Der Arbeitgeber zahlt weiter Deine Sozialabgaben (Kranken- und Rentenversicherungen). So entstehen keine Zahlungslücken bei der Rentenkasse. 

Nachteile

  • Du bekommst die Jahre vorher oder nachher weniger Gehalt. 
  • Deine Weltreise startet eventuell erst in einigen Jahren. Eine kurzfristige Entscheidung ist eher schwierig. 

Fazit Przemek

Damit Przemek zeitnah auf Weltreise gehen konnte, hat er zuerst das freie Sabbaticaljahr gemacht und verzichtet die kommenden Jahre auf Gehalt. Außerdem ist er nun an das Unternehmen gebunden, da dieses ja für ihn in Vorleistung getreten ist. Er zahlt jetzt quasi mit seiner Arbeitskraft seinen Kredit ab. Das ist psychologisch natürlich nicht ganz Optimal. Du bist wahrscheinlich motivierter weniger Gehalt in Kauf zu nehmen, wenn Du auf Deine Reise hinarbeitest und das Sahnebonbon am Ende auf Dich wartet. Allerdings startet Deine Weltreise dann auch erst in en paar Jahren. 

Obwohl Przemek das Sahnebonbon zuerst bekommen hat, würde er wieder ein Sabbatical machen. 

Infos und Links aus dieser Episode

Weltreisende, Backpacker, Foodies, Spontane Abenteurer, Workawayer und Hobby-Blogger-Vlogger-Instagramer - das sind Anke und Przemek von Weltbeats:

Blog WeltBEATS

 

YouTube WeltBEATS

 

Warum haben wir überhaupt eine Weltreise gemacht? Unsere Beweggründe könnt ihr hier nachlesen: 

WeltBEATS: Die Entscheidung

Fernschreiben: Warum wir eine Weltreise machen

 

Eine super Orientierung zur Weltreisevorbereitung gibts hier: 

https://weltbeats.com/plane-deine-weltreise/

 

Beim Arbeitsamt könnt ihr euch online schon ein wenig vorab informieren: 

https://www.arbeitsagentur.de/arbeitslos-arbeit-finden

 

Zwei super Beiträge zum Thema Arbeitsagentur und Arbeitslosengeld findet ihr auch bei Geh Mal Reisen und Spontan um die Welt

https://blog.geh-mal-reisen.de/weltreise-abmeldung-arbeitsamt/

https://spontanumdiewelt.de/job-kuendigen-weltreise-arbeitsamt-arbeitslos-melden/

 

Ergebnis der Konferenz des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen: 

https://www.rausgefahren.de/wp-content/uploads/2018/04/auslandskrankenversicherung.pdf

 

Music by: @dcuttermusic / http://www.davidcuttermusic.com


Danke, dass Du Dir die 54 Minuten Zeit genommen hast!

Wenn Du uns bei iTunes abonniert hast und Dir diese Episode gefallen hat, würden wir uns mega freuen, wenn Du uns eine Bewertung da lassen würdest. (Hier gehts zu iTunes)

Danke Dir und hoffentlich bis zum nächsten Podcast!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0