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Wein auf der Südinsel - Kiwi auf der Nordinsel

Unsere drei Wochen auf der Südinsel neigen sich langsam dem Ende. 

Wir verlassen dieses wunderschöne Fleckchen Erde mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Einerseits freuen wir uns auf die Nordinsel und sind sehr gespannt, ob sich die beiden Inseln stark unterscheiden. Andererseits hat uns die Landschaft auf der Südinsel jeden Tag aufs neue geflasht und wir sind neugierig, ob die Nordinsel da mithalten kann. 

Kann die Südinsel mit den neuseeländischen Alpen, dem höchsten Berg Ozeaniens und dem Fiordland trumpfen, hat die Nordinsel allerdings aktive Vulkane, Geysire und Traumstrände zu bieten.

2800 großartige Kilometer sind wir mit unserem Gandalf durch die abwechslungsreichsten Landschaften der Südinsel gefahren und haben an großartigen Plätzen übernachtet. Wir haben uns so richtig ans Camperleben gewöhnt und können uns kein besseres Fortbewegungsmittel für Neuseeland vorstellen. Daher freuen wir uns auf die nächsten zwei Wochen mit Gandalf und sind gespannt was die Nordinsel so für uns bereit hält. 

Unseren letzten Tag auf der Südinsel verbrachten wir in der Region Marlborough. Genauer gesagt in Renwick. Unser Nachtlager schlugen wir auf dem Parkplatz des hiesigen Sportzentrums auf. Hört sich eigentlich ziemlich öde an, war für uns aber ein richtig cooler Spot. Die Region Marlborough und Das Städtchen Renwick sind nämlich ziemlich bekannt für ihre wunderbaren Weine. Da wir ja schon in Südafrika einen wunderbaren Tag damit verbracht haben, uns in Stellenbosch von einem Weingut zum Nächsten zu schlabbern, wollten wir dies gerne in Neuseeland wiederholen. Der Campingspot am Parkplatz war insofern wunderbar gelegen, da er in Laufnähe zu zwei Weingütern lag. Frei nach dem Motto „Don´t drink and drive“, stiefelten wir bei bestem Weinverkostungswetter, 2,5km zu unserem ersten Stopp. 

Bester Riesling Neuselands

Das "Framingham" Weingut war unsere erste Anlaufstelle. Dieses Weingut hatten wir uns raus gepickt, weil es hier einen sehr guten Riesling geben soll. Wie die Dame bei der Verkostung uns erzählte, soll der Riesling angeblich der Beste in ganz Neuseeland sein. Das schmälerte unsere Erwartungen natürlich nicht sonderlich.

Aber der Reihe nach. Wir betraten das Weingut und liefen durch den wunderschönen Garten zum Ausschankraum. Leider konnten wir das Winetasting nicht im Garten machen, sondern an der Theke. Wir fühlten uns außerdem ziemlich gehetzt. Die Weine wurden schnell nachgeschenkt und wir hatten kaum die Möglichkeit, die Weine gebührend zu genießen. Zudem war die Dame nun wirklich sehr geizig mit den leckeren Tröpfchen. Viel Erklärung gab es auch nicht und so waren wir 15 Minuten später schon durch mit unserem Tasting. Wir probierten sechs Weine, natürlich auch den Riesling. Der schmeckte uns tatsächlich gar nicht so gut. Da beim Kauf einer Flasche Wein keine Kosten für das Tasting berechnet wurden, fiel unsere Wahl auf einen sehr leckeren Pinot Noir. 

Etwas ernüchtert liefen wir weiter zum nächsten Weingut. Wir hofften das wir im "The Forrest" Weingut mit ein bisschen mehr Ruhe die Weine probieren konnten. Auch das The Forrest glänzte mit einer herrlichen Außenanlage. Die nette Dame bat uns in den Sitzsäcken im Garten Platz zu nehmen. Kurze Zeit später wurden uns die sieben Weine gebracht, die wir probieren konnten. Zu jedem Wein wurde viel erklärt und so konnten wir in völlig entspannter Atmosphäre probieren, fachsimpeln und genießen. Das sind doch mal wunderbare Gegebenheiten. Hier fanden wir lustigerweise den richtig guten Riesling, den wir uns im anderen Weingut erhofft hatten. Davon wanderte ebenfalls eine Flasche in unseren Besitz. 

Unser letzter Tag auf der Südinsel war also ein voller Erfolg und so machten wir uns mit Gandalf und zwei leckeren Tröpfchen im Gepäck auf Richtung Nordinsel. 

Auf zu neuen Ufern

Die Nordinsel ist deutlich dichter besiedelt und beherbergt mit Wellington und Auckland zwei ziemlich große Städte. Wellington ist die Hauptstadt Neuseelands. 

Von Picton ging es mit der Autofähre in drei Stunden rüber nach Wellington. Die Fahrt war landschaftlich wieder ein echtes Highlight. Die Strecke verläuft durch den schönen Marlborough Sound und wir genossen die herrliche Aussicht an Deck. Ein letztes Mal blickten wir auf die Südinsel zurück, bevor die Fähre in die Cook Straße einbog. Die Cook Straße ist die Meerenge, die Nord- und Südinsel trennt. Sie zählt zu den stürmischsten Meeresstraßen der Welt. 1770 durchfuhr Kapitän James Cook als erstes Europäer die Seestraße, die nun seinen Namen trägt. 

Wir machten glücklicherweise keine Erfahrungen mit hohen Wellen, starken Winden und rauem Seegang. Unsere Überfahrt verlief sehr entspannt und als ich auf dem Weg zur Toilette sogar Delfine erblickte, konnte der Tag eigentlich kaum besser werden. Schnell flitzte ich zurück zu Daniel, um ihm nur das Wort „Delfine“ entgegen zu schreien. Daniel sprang sofort auf und lief mir schnell hinterher. Allerdings waren die Delfine da schon wieder verschwunden. 

Kurze Zeit später verließen wir die Fähre und fuhren mit Gandalf zu einem kostenlosen Campingplatz im Kaitoke Regional Park. Zufälligerweise entdeckten wir, dass im Park einige Szenen von „Der Herr der Ringe“ gedreht worden sind. Bruchtal, in dem die Elben leben, wurde hier aufgebaut. Nachdem Frodo von einer Morgul-Klinge verletzt wurde, kuriert er seine Verletzung in Bruchtal aus. Hier findet sich ebenfalls die Ringgemeinschaft zusammen, die Frodo auf seinen Weg nach Mordor begleiten will, damit er den einen Ring in den Schicksalsberg werfen und somit vernichten kann. An einigen Informationstafeln sind Bilder der Filmszenen zu finden. Ein Tor wurde belassen und als ich auf dem Bild sehe, wie Frodo und die Gefährten durch dieses Tor gewandert sind, finde auch ich, als kein großer Herr der Ringe Fan, das ziemlich cool. 

Willkommen im Kiwiland

Da unsere Zeit auf der Nordinsel ja etwas begrenzt ist, haben wir uns dazu entschieden, heute mal ein paar Kilometer mehr zu fahren. 330km später kommen wir am "Lake Rotokare Scenic Reserve" an. Wir dachten, dass ein kleiner, kostenloser und hübschen Campingplatz direkt am Lake Rotokare auf uns wartet. Als wir allerdings vor dem riesigen Tor stehen, das uns arg an Jurassic Parc erinnert, sind wir doch kurz irritiert. Jedoch warteten hinter dem Zaun keine Dinos auf uns, sondern Kiwis. Nicht die Frucht oder Neuseeländer, nein der Kiwi Vogel. Dieses flugunfähige Vögelchen, welches zur Gattung der Schnepfenstrauße gehört, ist das Nationalsymbol Neuseelands und hat einen sehr hohen Stellenwert. 

Wir sind tatsächlich ungeplant in einer Kiwi-Schutzzone gelandet. 

Da der Kiwi nachtaktiv und sehr schüchtern ist, ist es wirklich schwierig ihn zu Gesicht zu bekommen. Grade mal 1-2% der Neuseeländer haben das Glück und sehen in ihrem Leben einen Kiwi in freier Wildbahn. Insgesamt leben nur noch 68.000 Kiwis in Neuseeland und damit zählen sie zu den gefährdeten Tierarten. Ihr größter Feind sind Katzen, Hunde, Marder und Ratten. Grade mal 5% der Kiwikinder werden älter als 100 Tage. Aus diesem Grund wird der Artenerhalt und Schutz dieses Vogels sehr ernst genommen. Es werden Schutzzonen und Aufzuchtsstationen errichtet. Außerdem werden viele Fallen aufgestellt, um Marder und Ratten zu eliminieren.

Im Lake Rotokare Scenic Reserve gab es, durch die Einzäunung, seit 2015 keine Ratten oder Marder mehr. Die Kiwis können hier also völlig ungestört leben und sich in Ruhe fortpflanzen. Meist leben Kiwis in Monogamie und pflanzen sich lediglich mit einem Partner fort. Das Kiwiweibchen hat dabei ein schweres Los zu tragen. Bis zu dreimal im Jahr können die Weibchen ein Ei legen, welches bis zu 25% ihres Körpergewichts einnimmt. Zum Ende drückt das Ei so sehr auf die inneren Organe, dass das Weibchen nicht mehr essen kann. 

Nach so vielen spannenden Fakten, sind wir natürlich ganz heiß darauf, einen Kiwi live zu sehen. Also machen wir uns pünktlich zur Dämmerung zu einer kleinen Nachtwanderung um den See auf. Die ersten 1,5 Stunden laufen wir sehr langsam, horchen immer wieder, können allerdings außer Motten, Mücken und Enten nichts entdecken. So richtig wissen wir auch nicht, worauf wir achten müssen. Wir wissen nicht wie groß so ein Kiwi ist oder wie seine Rufe klingen. 

Irgendwann schauen wir mal in unserer Offline Map nach, wie weit wir denn schon gekommen sind. Blöderweise haben wir von unserem 4km Wanderweg grade mal 1km geschafft. Mittlerweile war es 22Uhr und stockdunkel. Da haben wir wohl bei der Kiwisuche etwas getrödelt. Jetzt aber Beine in die Hand genommen und los gehts. So laufen wir einige Zeit relativ zügig durch den Wald. Als wir es im Dickicht neben uns plötzlich relativ laut Rascheln hören, bleiben wir schnell stehen. Wir verfolgen das raschelnde Etwas und tatsächlich huscht plötzlich ein Kiwi über den Weg. Bis wir begreifen, was da grade passiert, war der Kiwi auch schon wieder im Gebüsch verschwunden. Wahnsinn, da haben wir aber richtig Glück gehabt. 

Zweimal hören wir noch einen Kiwi durch das Dickicht spazieren, können ihn aber nicht sehen. Aber gut, eine Kiwisichtung pro Tag soll mal reichen. In der Nacht hören wir ein paar Mal seltsame Laute und wir vermuten, dass auch das Kiwis waren. 

Die Nordinsel versucht uns auf jeden Fall direkt in den ersten Tagen ordentlich zu imponieren.

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Kommentare: 1
  • #1

    Doris und Hannes (Sonntag, 17 Februar 2019 09:13)

    Moin, moin, schön den Tag mit "Bildung" zu beginnen. Dank eurer Reiseberichte, in Schrift- und Bildform, lernen wir Länder und Kulturen kennen, die wir bisher, wenn überhaupt, nur vom Hörensagen kannten. So war uns bisher nicht bewusst, dass Neuseeland aus 2 wunderbaren Inselteilen besteht, die unterschiedlicher nicht sein können. Aber Gott sei Dank dürfen wir euch und Gandalf begleiten und sind somit immer bestens informiert und lernen immer etwas dazu.
    Habt weiterhin eine gute Zeit, mit vielen positiven Begegnungen, der menschlichen aber auch tierischen Art. Genießt diese, gemeinsame und unvergessliche Zeit, die ihr "im Team" mit Bravour bewältigt.