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Von wütenden Vulkanen und der kleinsten Republik der Welt

Nach unserem Abenteuer im Kiwiland, wartete schon das nächste Naturwunder auf uns. Der Mount Taranaki ist ein perfekt geformter Vulkan, der Mutterseelen allein an der Westküste der Nordinsel steht.

Laut den Maori Legenden stand der 2518m hohe Vulkan aber nicht immer an diesem Platz. Vor langer Zeit befand sich sein Platz im Zentrum der Nordinsel. Dort lebte er mit den drei Berggöttern Tongariro, Ruapehu und Ngaurohoe, die ebenfalls alle Vulkane waren, friedlich zusammen. Taranaki war mit der wunderschönen Ruapehu verheiratet. Als er eines Tages von einer Jagd zurück kam und mit ansehen musste, wie Tongariro sich an seine Frau ranschmiss, entbrannte ein Kampf zwischen den zwei mächtigen Vulkanen. Tongariro ging aus diesem Kampf als Sieger hervor und Taranaki machte sich geschlagen und gedemütigt auf den Weg an die Westküste. Auf seinem Weg hinterließ er tiefe Furchen, die sich mit seinen Tränen füllten. Daraus entstand der Whanganui River.

Also gab es wieder Mal Streß wegen der Weiber. Ist bei Vulkanen also auch nicht anders. 

Die Maoris sind sich sicher, dass Taranaki innerlich immer noch vor Zorn brodelt und irgendwann ins Zentrum der Nordinsel zurückkehren wird, um Tongariro erneut zum Kampf heraus zu fordern. Ob man den Legenden nun Glauben schenken mag, muss jeder selber wissen. Fakt ist aber, dass die Maoris es tunlichst vermeiden, ein Haus zwischen dem Mount Taranaki und dem Mount Tongariro zu bauen oder zu beziehen. Experten denken ebenfalls, dass der Mount Taranaki eine tickende Zeitbombe ist und irgendwann aus seinem Schlaf erwachen und ausbrechen wird. 

Mount Taranaki - das Filmdouble

Der Kegelförmige Vulkan ähnelt sehr stark seinem Kollegen Mount Fuji in Japan. Aus diesem Grund hat der Mount Taranaki im Film „The Last Samurai“ als Filmdouble für den Mount Fuji hergehalten. Da wir schon in Japan ganz begeistert vom Mount Fuji waren, war es natürlich klar, dass wir uns den Doppelgänger in Neuseeland auch mal aus der Nähe anschauen wollten.

Theoretisch ist es sogar möglich bis zum Gipfel des Mount Taranakis zu wandern. Aufgrund des unbeständigen und schnell wechselnden Wetters treten bei dieser Gipfelbesteigung allerdings die meisten Todesfälle auf, die in Neuseeland durch solche Wanderungen geschehen. 

Wir lassen das dann also mal besser sein und begnügen uns mit einem Besuch im Egmont Nationalpark.

Dieser Nationalpark umgibt den Mount Taranaki komplett und hat einige ungefährliche Wanderwege zu bieten. Wir übernachten auf einem kostenlosen Campingplatz an den Dawson Falls, am Fuße des Mount Taranakis und im Herzen des Egmont Nationalparks. Da wir früh dran sind, können wir direkt eine kleine Wanderung zum Stratfort Plateau starten. Der Wanderweg führt uns 6,4km durch dichte Wälder und Landschaften voller Farn und Moos. Teilweise müssen wir uns ganz schön durchs Dickicht schlagen. Beim Stratfort Plateau angekommen, haben wir eine wunderbare Sicht auf den Mount Taranaki. Der Gipfel ist Wolkenverhangen und uns sind immer nur kurze, Wolkenfreie Augenblicke vergönnt. Allerdings haben wir einen super Sicht auf unser nächstes Ziel, den Mount Ngaurohoe.

Auf dem Rückweg nehmen wir direkt noch die Dawson Falls mit. Der 18m hohe Wasserfall ist ebenfalls ein richtiger Hingucker. 

Zum Abend zeigt sich der Mount Taranaki dann doch noch komplett Wolkenfrei. Wir haben das Glück das dieser Zustand noch bis zum nächsten Morgen anhält und so springt Daniel hochmotiviert zum Sonnenaufgang aus dem warmen Bett. Die Sonne taucht den Vulkan in ein fantastisches Licht. Mir reicht der Anblick vom Bett aus dem Fenster. Es ist noch ziemlich kalt und so schnell kriegt mich nichts unter der Kuscheldecke hervor. 

Zu Gast in Whangamomona

Unser nächstes Ziel ist der Tongariro National Park.

Allerdings nehmen wir nicht den schnellsten Weg, sondern fahren über den "Forgotten World Highway". Diese Straße führt 155km durch verschiedenste Vegetationen, grüne Hügellandschaften, kleine Dörfer und über vier Bergsattel bis nach Taumaruiti. Der Name des Highways resultiert aus der abgelegenen Lage. Passend dazu hatten wir auch auf 155km keinerlei Netzempfang.

Eins unserer Highlights auf der Strecke war definitiv Whangamomona. Dieser kleine Ort sollte nach einer Verwaltungsreform der Regierung in der Hälfte geteilt werden und hätte damit zwei unterschiedlichen Verwaltungsregionen angehört. Da hatte die Verwaltung aber die Rechnung ohne die Bürger von Whangamomona gemacht. 1989 riefen diese nämlich ihre Unabhängigkeit als Protest aus und erklärten sich zu einer Republik. Damit ist Whangamomona die kleinste Republik der Welt. Mittlerweile leben nur noch 30 Einwohner in Whangamomona. Der Dreh- und Angelpunkt ist das Whangamomona Hotel. Auch wir kehren hier ein, trinken ein kleines Bierchen und lassen uns einen Stempel in unseren Reisepass geben. Die Republik nimmt sich allerdings selber nicht so ganz ernst. Als bei den Präsidentschaftswahlen eine Ziege alle Stimmzettel aufgefuttert hat, wurde kurzer Hand die Ziege der neue Präsident von Whangamomona. Diese Ziege wurde immer wieder gewählt und war tatsächlich zehn Jahre im Amt, bis sie eines natürlichen Todes gestorben ist. Bei unserem kleinen Spaziergang durch die Stadt fühlen wir uns wie in einer Westernfilmkulisse. Wir amüsieren uns auf jeden Fall köstlich in dieser kleinen Republik. Ein sehr lohnenswerter, kleiner Stopp. 

 

Obwohl man den Forgotten World Highway problemlos auch an einem Tag fahren könnte, übernachten wir ungefähr auf der Hälfte auf dem Bushlands Campground. Die nette Österreicherin Julia, die wir am Fox-Gletscher kennen gelernt haben, hat uns diese Campsite empfohlen. 

Nach acht Kilometern auf der Schotterpiste erreichen wir diese kleine Ruheoase. Uns begrüßen direkt zwei freilaufende Schafe, ein kleiner Hund und die freundliche Besitzerin. Wir folgen dem Tipp der Besitzerin und laufen den Fluss drei Kilometer entlang, bis wir schließlich an einem Canyon ankommen. Wahnsinn. Rechts dichter Wald, links eine riesige Steinwand, mitten drin der Fluss und grüne Weiden. In der Ferne sehen wir Wildpferden, Schafe und Kühe. Ein völlig verrückter, aber wundervoller Ort. 

Am nächsten Morgen treffen wir lustigerweise Julia auf dem Campingplatz. Ihr hat es hier so gut gefallen, dass sie nochmal für einige Tage wieder gekommen ist. 

Für uns geht es weiter, über den Forgotten World Highway, Richtung Tongariro National Park. Der Highway ist landschaftlich wirklich sehr schön. Es ist nicht viel Verkehr und so lässt sich die kurvige Strecke gut fahren. Mit durchschnittlich 150 Fahrzeugen pro Tag, ist der Forgotten World Highway eine der Straßen mit dem geringsten Verkehrsaufkommen. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Hildegard van Lier (Montag, 18 Februar 2019 07:59)

    Hallo ihr Lieben, wir bekommen Sehnsucht beim Lesen der Texte und beim Anschauen der Fotos.. Was für ein Land. Und eine Ziege als Regierungspräsident. Schelm der Böses dabei denkt ;-). Liebe Grüße aus dem weniger abenteuerlichen Kevelaer.