· 

Von der Westküste an die Nordküste - Ein kleiner Roadtrip

Die Glühwürmchenhöhle in Hokitika, mitsamt der kiffenden Deutschen ließen wir hinter uns und fuhren die Westküste weiter hinauf. Die Strecke ab Hokitika war landschaftlich für uns die Beeindruckendste und der schönste Teil der Westküste. Immer wieder hatten wir einen weiten Blick auf das Meer, lange Strände und das grüne Hinterland. 

In dieser Ecke warteten nicht die riesigen Highlights auf uns. Vom Franz-Josef Gletscher wollten wir langsam in den Norden der Südinsel. Die Strecke ist einfach lang und so machten wir einige relativ unspektakuläre Zwischenübernachtungen, um unser Ziel zu erreichen. In Neuseeland stumpft man leider relativ schnell ab, was die Natur angeht. So schnell bringt uns nach den Wahnsinns Landschaften, die wir schon gesehen haben, nichts mehr aus der Ruhe.

Einen kleinen Stopp legten wir bei den Pancake Rocks ein. Eigentlich erwarteten wir nicht sonderlich viel. Wir hatten schon häufig Bilder gesehen und waren von den Felsen, die aussehen sollen wie geschichtete Pfannkuchen, vorher nicht so angetan. Da wir aber eh an dieser Sehenswürdigkeit vorbei fuhren und die Felsen wohl eines der bekanntesten Fotomotive aus Neuseeland sind, motivierten wir uns trotzdem für den kleinen Spaziergang. Glücklicherweise, denn die Pancake Rocks gefielen uns wirklich gut. Das Gebiet bestand aus vielen Felsen, die mitten im Meer stehen. Die Wellen brechen sich dramatisch an ihnen. Ein kurzweiliges Naturschauspiel und ein entspannter Spaziergang. 

Fiese Long-Drop Toiletten

Weiter ging es nach Westport. Hier übernachteten wir mal wieder auf einem kostenlosen Campingplatz. Das war in den letzten Tagen etwas zu kurz gekommen, da es auf unserer Strecke kaum kostenlose Plätze gab. Die Campsite befand sich direkt am sehr naturbelassenen Strand. Es gab eine Toilette ohne Spülung, die bei unserer Ankunft noch richtig schick war. Ich weiß nicht wie so eine Long-Drop Toilette funktioniert, was da für Chemikalien drin stecken und warum die Teile irgendwann so dermaßen widerlich anfangen zu stinken. Einige Stunden später konnte man diese Räumlichkeit auf jeden Fall kaum noch betreten. Der Mix aus massiv ätzender Chemikalie und ekelhaftesten Uringestank war gar nicht schön. Aber gut, die Campsite ist kostenlos und immerhin gibt es eine Toilette. Also Nase zu und möglichst schnell fertig werden. 

Am nächsten Morgen fuhren wir zum Cape Foulwind. Hier starten wir eine kurze Wanderung entlang der Küste, zu einer Seelöwenkolonie. Aus einiger Entfernung konnten wir einige Babys erkennen. Eigentlich hat Daniel sie eher entdeckt. Ich bin ja doch ein ziemlicher Blindfisch und hab eigentlich nur ein kleine, schwarze Dinge gesehen, die sich bewegen. Angeblich waren es aber Seelöwenbabys. 

Irgendwo im nirgendwo

Von Westport ging es die ziemlich kurvige und öde Straße Richtung Lake Rotoiti entlang. Da wir in Neuseeland festgestellt haben, dass wir große Fans von Seen sind, wollten wir nochmal an einem See übernachten bevor es endgültig an die Nordküste geht. Blöderweise hatten wir den Plan ohne den Waitangi Day gemacht. Der Waitangi Day ist ein Nationalfeiertag in Neuseeland und fällt dieses Jahr auf einen Mittwoch. Wie auch in Deutschland weiß der spitzfindige Kiwi ebenfalls, wie er sich mit Hilfe einiger Urlaubstage eine ganze Woche frei schaufeln kann. Daher war unser Wunschcampingplatz, direkt am See, leider voll. Die anderen Plätze in direkter Umgebung waren ziemlich teuer oder sehr schlecht bewertet. 

Somit war unsere Fahrt für diesen Tag leider noch nicht vorbei, auch wenn wir eigentlich so gar keine Lust mehr auf Autofahren hatten. Aber es nützt ja nix. Also wieder rein in den Camper und auf zum nächsten Spot. Nach 30 Minuten entdeckten wir einen privaten Campingplatz, der auf Spendenbasis arbeitet. Der Besitzer stellt eine freie Fläche hinter seinem Haus zur Verfügung. Wir befanden uns mitten im Wald, umgeben von tausend lärmenden Zikaden. Die Ausstattung war zwar alt, aber sauber und mit uns war nur ein anderer Camper vor Ort. Obwohl die Lage irgendwo im nirgendwo war, fanden wir es hier echt super. Der Sternenhimmel war wieder unglaublich und wir hatten echt unserer Ruhe, spätestens als die Zikaden den Rand hielten. Außerdem war der Besitzer richtig nett. 

 

Richmond war für uns der erste Ort an der Nordküste. Hier ließen wir nochmal Abwasser ab, füllten Frischwasser nach, kauften ein und stibitzen das WLAN in der Bücherei. Wir stellten einen Blogbeitrag online und planten die nächsten Tage ein wenig. Danach fuhren wir weiter zur Golden Bay. 

Die Straßen im Norden der Südinsel sind ziemlich kurvig und eng. Deswegen kamen wir recht müßig voran und waren froh, als wir irgendwann Collingwood erreichten. Das unspektakuläre Städtchen verfügt über einen Campingplatz direkt am Meer und so ergatterten wir einen Stellplatz mit direktem Meerblick. Am Abend spazierten wir den schönen langen Strand entlang. 

Wie wechselhaft das Wetter in Neuseeland sein kann, stellten wir am nächsten Morgen wieder einmal fest. Als wir die Vorhänge aufzogen, war der Himmel mit dicken, grauen Wolken behagen und es regnete. Also zogen wir die Vorhänge wieder zu und vertrödelten den Morgen und Vormittag ganz gemütlich im Camper. 

Ihr merkt also, so richtig viel spannendes ist in den letzten Tagen nicht passiert. Allerdings war das nach den vielen Highlights, wie Milford Sound, Roys Peak und Franz-Josef Gletscher auch nicht so schlimm. So konnten sich unsere Köpfe kurzfristig erholen und auf neue Highlights vorbereiten.

Diese ließen dann auch nicht mehr so lange auf sich warten. 

Willkommen in Mittelerde

Als sich Mittags die Wolken inklusive Regen etwas verzogen hatten, fuhren wir weiter in den Norden zum Wharariki Beach. Wir entschieden uns für die 5km Wanderung zum Strand. Schon nach den ersten Metern waren wir völlig überrascht von dieser Landschaft. Wir hatten uns gar nicht viel von der Wanderung versprochen. Wir hatten eher gedacht, dass der Strand das einzige Highlight ist. Aber diese grüne Hügellandschaft, durch die sich ein kleiner Fluss schlängelt sah aus, als sei sie direkt aus „Der Herr der Ringe“ entsprungen. Es hätte mich also nicht gewundert, wenn Frodo und seine Kumpels an uns vorbei marschiert wären. Die vielen Schafe auf den grünen Wiesen waren der perfekte Farbklecks. Die Wanderung zum Strand war schon ein echter Erfolg. So eine Landschaft kannten wir bisher von Neuseeland noch nicht und so wurden wir wieder einmal sehr positiv von diesem Land überrascht.

Am Strand angekommen, wartete direkt die nächste perfekte Landschaft auf uns. Es war grade Ebbe und so waren diese riesigen Felsen komplett frei gelegt. Unvorstellbar wie lächerlich klein man doch als Mensch eigentlich ist. Wir spazierten entspannt am Strand entlang, schauten uns einige Höhlen aus der Nähe an und entdeckten den ein oder anderen Seelöwen. Angeblich sollte es hier auch Seelöwenbabys geben, die bei Ebbe in den verbliebenen Pfützen planschen. Die waren aber wohl alle ausgeflogen. Trotzdem gehört der Wharariki Beach sicherlich zu einem unserer absoluten Highlight. Ein wunderschönes Fleckchen Erde. 

Wir genießen es total, dass es in Neuseeland so lange hell ist. Da es erst ab circa 21 Uhr dunkel wird, konnten wir also ganz entspannt nach Collingwood zurück fahren und so war der verregnete Start in den Tag gar nicht schlimm. Die Tage scheinen so viel länger zu sein und man hat unheimlich viel Zeit für Aktivitäten. 

Wir sind gespannt, was die Nordküste der Südinsel noch so zu bieten hat. Der Einstieg war auf jeden Fall schon mal ein Kracher. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Hildegard van Lier (Montag, 11 Februar 2019 08:06)

    Hallo Ihr Lieben, das ist echt der Hammer, was ihr für eine Reise durch Neuseeland macht. Das topt doch so ziemlich alles bisher dagewesene. Es erinnert mich oft an Dänemark. Nicht das ich eure Reise damit vergleichen möchte. Aber die Hügellandschaft, lange Sandstrände und vor allem die Ruhe, bergen doch Ähnlchkeiten. Auch da habe ich manchmal das Gefühl Frodo und Co kommen gleich um die Ecke geschneit ;-). Gute Weiterreise und vielleicht begegnet euch ja der ein oder andere Geselle aus dem Reich Mittelerde. Gandalf habt ihr ja schon an eurer Seite. HEL und passt gut auf euch auf.

  • #2

    Hannes u.Doris (Montag, 11 Februar 2019 17:45)

    Ihr Lieben, wir die daheim geblieben sind ,können nur staunen über soviel blauen Himmel und Wasser.Über eine atemberaubende Natur, soviel Sonnenschein. Wir habe so oft grauen Himmel und die Sonne fehlt ganz.Nehmt viele Eindrücke mit und prägt sie euch ein.Liebe Grüße und eine gute Zeit.