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Vietnamkrieg - Einblicke in einen der häßlichsten Krieg

Von einem Kriegsschauplatz zum nächsten.

Grade noch im Friedenspark von Hiroshima, befinden wir uns jetzt 23 Meter unter vietnamesischer Erde in einem Schutztunnel. Was diese beiden Schauplätze gemeinsam haben? Die USA!

Warum der Vietnamkrieg in Vietnam nur der Amerikakrieg genannt wird, werdet ihr schnell verstehen. 

Vietnam hat eine unglaublich lange und brutale Kriegsgeschichte hinter sich: 

Französische Kolonialherrschaft, zweiter Weltkrieg, Indochinakrieg, Bürgerkrieg und Vietnamkrieg. Ein Land, mit 75 Jahre Kriegsgeschichte. 

Im 19. Jahrhundert stand Vietnam unter französischer Kolonialherrschaft. Genau wie Laos und Kambodscha war das Land Teil von Französisch-Indochina.

Im zweiten Weltkrieg wurden die Franzosen von den Japanern vertrieben und Vietnam wurde von Japan besetzt.

Nach dem zweiten Weltkrieg versuchte Frankreich im 1. Indochina Krieg, von 1946 bis 1954, seine Kolonialherrschaft wieder herzustellen.

Als Folge der Niederlage wurde Vietnam in das kommunistische Nordvietnam, unter Führung von Ho Chi Minh und das von den USA unterstützte Südvietnam geteilt. Vorerst für zwei Jahre, danach sollten die Wiedervereinigung des Landes durch Wahlen ermöglicht werden.

Südvietnam und die USA sorgen sich, dass das kommunistische Nordvietnam auch den Süden einnimmt und sich der Kommunismus auch auf andere Länder ausbreitet. Sie verhindern die Wahlen 1956 und es kommt zum Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südvietnam. 

Kriegseintritt der USA

Am 1. August 1964 kam es zum folgenschweren Tonkin-Zwischenfall, der den Kriegseintritt der USA nach sich zog. Das US-Kriegsschiff Madox wurde vor der Nordküste Vietnams, im Golf von Tonkin von nordvietnamesischen Truppen beschossen, so meldeten es die Amerikaner. 

Der damalige US-Präsident Johnson reagierte schnell auf diesen Vorfall und es dauerte nicht lange bis die ersten Bomben auf Nordvietnam fielen. 

Jahrzehnte später finden Historiker heraus, dass der Zwischenfall von Tonkin so nie stattgefunden hat und von den Amerikanern inszeniert wurde, um ihren Kriegseintritt zu ermöglichen. 

Zu Spitzenzeiten befanden sich über eine halbe Millionen US-Soldaten in Vietnam und kämpften gegen die Vietcong aus Nordvietnam, die deutlich in der Minderheit waren. 

Nordvietnam erhielt jedoch Unterstützung und Waffenlieferungen von der Sowjetunion und China. Die Vietcong waren gut aufgestellt, kannten das Gebiet und konnten durch ihr Kilometerlanges Tunnelsystem immer wieder Überraschungsangriff auf die US-Soldaten starten.

Tour ab Hue

Hue ist ein guter Ausgangspunkt, um sich etwas näher mit der Geschichte des Vietnamkriegs zu befassen.

Wir sind mit dem Zug aus Hoi an angereist, denn von hier aus werden Touren angeboten, die die verschiedenen Schauplätze in der Umgebung anfahren. Wir entscheiden uns für die größere Tour, in der wir die Vinh Moc Tunnel und die Khe Sanh Combat Base sehen können. Bei den kleineren Touren muss man sich für eine Richtung entscheiden. Die Tunnel liegen im Norden und die Combat Base im Westen. Die Wege sind also relativ weit und wir sitzen viele Stunden im Auto, aber wir interessieren uns für beide Schauplätze. 

Wir haben uns für eine private Tour entschieden, die eigentlich ein Kriegsveteran anführe sollte. Leider ist der wohl grade verhindert und so machen wir die Tour mit einer mittelalten Vietnamesin, die gut Bescheid weiß und gut Englisch spricht. 

Khe Sanh Combat Base

Wir fahren in das Hinterland von Vietnam. Vorbei an grünen Bergen, dichtem Dschungel und Flüssen. Hier müssen wir auch schonmal für Ziegen und Kühe bremsen, die auf der Straße ein Nickerchen halten. 

Die Khe Sanh Combat Base befindet sich nur 20km von Laos entfernt und war eine der größten US-Militärstützpunkte im Vietnamkrieg. Von hier aus flogen die amerikanischen Soldaten ihre vielen Angriffe gegen Nordvietnam. 

Auf dem Gelände befindet sich ein kleines, informatives Museum. Anhand der qualitativ hochwertigen Fotos wird klar, wie viel weiter die technischen Möglichkeiten zu der Zeit des Vietnamkriegs schon waren. Dies war der erste Krieg, den die Welt auf ihren Fernsehern zu Hause und in den Zeitungen verfolgen konnte. 

Auf dem Gelände des Militärstützpunktes befinden sich noch alte Panzer, Hubschrauber und große Kampfflugzeuge. 

Da das Gebiet in den Bergen liegt, ist es hier oft nebelig und so ziehen zwischendurch Nebelschwaden über die Anlage. 

Auf dem Weg zurück durch die grüne Landschaft, erzählt uns unser Guide, dass hier noch vor 20 Jahren alles braun und karg war. 

Die Amerikaner erkannten irgendwann ihren Nachteil gegenüber den Vietcong Soldaten. Die Einheimischen kannten den Dschungel und hatten dadurch immer wieder die Möglichkeit, unbemerkbar aus dem Hinterhalt anzugreifen. 

Also beluden die US-Soldaten ihre Flugzeuge mit Agent Orange, ein Entlaubungsmittel für Pflanzen und versprühten das Gift über dem vietnameschen Dschungel. Dabei vernichteten sie Pflanzen, Reisfelder und vergifteten Wasserreservoirs. 

Insgesamt wurden 72 Millionen Liter Pflanzengift über Vietnam versprüht. 

Drei Millionen Menschen leiden weiterhin an Folgeschäden. Schwere Gesundheitsschäden wie Krebs und  Geburtsfehler in den nachfolgenden Generationen, sind häufig. 

Amerikanischer Flieger auf Combat Base in Vietnam
Amerikanischer Panzer in Vietnam

DMZ

Die demilitarisierte Zone in Vietnam ist das Gebiet 5km nördlich und 5km südlich des Ben Hai Flusses. Während des Vietnamkrieges war der Fluss die Grenze zwischen Nord- und Südvietnam. Auf der Nordseite die Vietcong mit Ho Chi Minh, die für den Kommunismus kämpften. Auf der Südseite die amerikanischen und vietnamesischen Soldaten, die Demokratie ins Land bringen wollten.

Dieses Gebiet gilt als eines der hart umkämpftesten Regionen in Vietnam. Es fielen so viele Bomben wie sonst nirgendwo. Vor allem zwischen 1967 und 1972 galt die demilitarisierte Zone als reinster Schlachthof. Ein Ort voller Grauen, Leid und unendlicher Qualen. 

Wir betreten das alte Nordvietnam über die Hien Luong Brücke, die über den Ben Hai Fluss verläuft. Die Brücke wurde in zwei verschiedenen Farben gestrichen. Blau für Nordvietnam und Gelb für Südvietnam. Auf der Brücke befindet sich eine weiße Markierung, die die Grenze zwischen den beiden Gebieten darstellt. Auf der Nordseite des Flusses befindet sich ein großer Flaggenturm, an dem die vietnamesische Flagge im Wind weht. Es gibt außerdem ein kleines Museum, in dem der Weg der Wiedervereinigung beschrieben wird. 

Brücke in Vietnam an der Grenze Nord- Süd Vietnam

Große Vietnam Flagge auf der Südseite Vietnams

Vinh Moc Tunnel

Viele Dörfer in der DMZ wurden zerstört. Die Bewohner hatten nicht die Möglichkeit zu fliehen und waren den Bomben schutzlos ausgeliefert. Ein Ende des Krieges war nicht absehbar war und so gruben die Bewohner Tunnel, um die Zeit bis zum Kriegsende zu überbrücken. 

Wir besuchen die Vinh Moc Tunnel, die von dem gleichnamigen Dorf in knapp 1,5 Jahren fertig gestellt wurden. Insgesamt gibt es diesem Gebiet aber noch sehr viele weitere Tunnelsysteme von anderen Dörfern. 

Das gigantische Tunnelsystem des Vinh Moc Dorfes verläuft mehrere Kilometer unterhalb der Erde auf drei Ebenen. Zuerst wurden die Tunnel 10 Meter tief gegraben. In dieser Tiefe merkten die Bewohner aber schnell, dass der Schutz vor den Bomben nicht ausreichte. Also gruben sie tiefer und schafften weitere Tunnel in 15 und 23 Meter Tiefe. 

Die Bewohner hatten Glück, denn der Erdboden in diesem Gebiet ist aus Lehm. Durch diese Gegebenheit konnten sie relativ einfach, stabile Tunnelsysteme bauen. 

Über 200 Dorfbewohner lebten hier sechs Jahre lang während des Vietnamkrieges.

Es gibt verschieden große Höhlen in den Tunneln, je nachdem wie groß die Familie war. 

Wir haben die Möglichkeit, die original erhaltenen Räumlichkeiten zu betreten und sahen den Aufenthaltsraum, die Krankenstation und das Geburtszimmer. 

In die dunkeln und engen Tunnel hinunterzugehen ist ein unglaublich bedrückendes Gefühl. Wir können uns nicht vorstellen, wie hier Menschen so viele Jahre lebten, ihre Kinder zur Welt brachten und sich jeden Tag selbst versorgten. Aber die Tunnel retteten vielen Dorfbewohner das Leben 

Es gibt einige Eingänge zur Meerseite und es war erstaunlich die frische Meeresluft in so vielen Metern unter der Erde zu spüren. In diesen Bereichen der Tunnel war die Luft angenehm, hier befand sich zum Beispiel die Entbindungsstation. In den anderen Abschnitten, ohne Luftzufuhr vom Meer, war die Luft sehr stickig und warm. 

Eingang zum Tunnel in Vietnamesischer DMZ
Unterirdische Krankenstation in Vietnam

Ende des Vietnamkriegs

Irgendwann kippt die Stimmung in den USA und es formiert sich eine Anti-Kriegsbewegung. Es kamen Fotos und Berichte zum Vorschein, die das brutale Vorgehen der US-Soldaten während des Vietnamkriegs zeigen.

Unter anderem wird von einem Vorfall berichtet, in dem 22 US-Soldaten in dem kleinen Dorf My Lai ein furchtbares Blutbad anrichten. Sie vergewaltigten Frauen, erschossen Kinder und alte, wehrlose Menschen. Insgesamt richten diese 22 Soldaten 504 Menschen hin. Das Dorf My Lai ist nur eines von vielen Dörfern gewesen, in dem die US-Soldaten ein solches Massaker angerichtete haben. 

Hunderttausende Amerikaner gehen auf die Straße und wollen das der Vietnamkrieg ein Ende findet. 

Im Jahr 1969 zieht der damalige US-Präsident Nixon die ersten amerikanischen Truppen schrittweise aus Südvietnam zurück. 1973 schloss Nixon mit den Vietcong Waffenstillstand. 

In den kommenden zwei Jahren eroberten die nordvietnamesischen Truppen Südvietnam vollständig und beendeten im Mai 1975 den Vietnamkrieg. Nord-und Südvietnam wurden wieder vereinigt, unter kommunistischer Führung. 

Die Zahl der Opfer während diesen harten Kriegs wird auf drei bis fünf Millionen Menschen geschätzt. 

Durch die vielen zivilen Opfer gilt der Vietnamkrieg als einer der häßlichsten und barbarischen Kriege überhaupt. 

Die USA überzogen Vietnam über die Jahre mit einer Bombenlast, die der von 750 Hiroshima Bomben entspricht. Insgesamt wurden 8 Millionen Tonnen Sprengstoff über Vietnam verteilt. Nicht zu vergessen die vielen Napalm Bomben, insgesamt 400.000 Tonnen. Napalm ist eine Brandwaffe, die schwerste Verbrennungen verursacht und sehr schwer löschbar ist. 

Auch heute noch sterben jährlich circa 1000 Menschen oder werden verstümmelt, weil viele Gebiete völlig zerbombt sind und immer wieder Bomben explodieren. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Doris und Hannes (Sonntag, 02 Dezember 2018 13:00)

    Von Japan nach Vietnam und wieder holt euch der Krieg ein, schrecklich!
    Nach hoffnungsvollen Jahren der Entspannung bewegen wir uns wieder in die falsche Richtung, bedingt durch Sturheit, Egoismus und egozentrischen "Führern".
    Danke, dass ihr uns auf die großen Fehler der Vergangenheit hinweist und uns mitnehmt in Gebiete, die die Erinnerung wach halten.
    Habt weiterhin eine gute Zeit und passt auf euch auf.

  • #2

    Hildegard van Lier (Sonntag, 02 Dezember 2018 16:49)

    Hallo ihr Lieben, wieder so ein Bericht der absolut unter die Haut geht. Vietnam war wohl mit der schlimmste Krieg auf Erden. Unvorstellbare Greueltaten. Irgendwie hatte man auch diese Zeit verdrängt. Aber auch dieser Krieg darf niemals vergessen werden und auch niemals wieder so stattfinden. Danke für diese eindringliche Schilderung. Passt gut auf euch auf.