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Unser Alltag nach der Weltreise - 2 Monate zurück in Deutschland

Nachdenken.

Nachdenken ist im Moment wohl eine unserer Hauptbeschäftigung.

Nachdenken über uns, unser bisheriges Leben, unser zukünftiges Leben, unser Umfeld, unsere Werte, Vorstellungen, Träume, Sorgen, Ängste. Wo stehen wir? Wo wollen wir hin?

Mittlerweile sind wir seit zwei Monaten wieder zurück. Zurück in Münster, zurück auf der Arbeit, zurück im alten Leben, im alten Alltag. 

Eigentlich hat sich nicht viel verändert, aber trotzdem hat sich alles verändert. 

Passt die alte Hülle noch?

Noch auf der Reise fragte eine leise Stimme in uns: „Ob wir noch in das alte Leben passen? Können wir uns wieder einfinden oder haben wir uns zu sehr verändert? Ob sich unser Freiheitsdrang wieder legt?“ Die Stimme und ihre Fragen wurden in den letzten Wochen immer lauter und auch zum jetzigen Zeitpunkt haben wir keine Antworten. Das frustriert uns manchmal. Vielleicht sind wir zu ungeduldig und sollten unseren Köpfen die Zeit und den Raum geben wieder anzukommen. Unsere Hüllen sind wieder voll drin im Alltag, im alten Modus. Der Inhalt hat allerdings seinen Weg in die Hülle noch lange nicht gefunden. 

Manchmal kommen wir uns blöd vor, undankbar und fern ab von der Realität. Wir hatten die unglaubliche Möglichkeit sechs Monate durch die Welt zu reisen ohne ein großes Risiko einzugehen. Wir konnten in unsere alte Stadt, unsere alte Wohnung, unseren alten Job zurückkehren. Nur die wenigsten haben die Möglichkeit sich eine Auszeit von ihrem alltäglichen Leben zu nehmen. 

Wieso fällt uns diese Rückkehr so schwer? Das es nicht einfach wird, war uns klar. Allerdings haben wir unterschätzt, welches Gefühlschaos wir in den Wochen nach unserer Rückkehr erleben. Teilweise fühlten wir uns überflüssig, öfters unverstanden und die meiste Zeit total fehl am Platz. Wir sind in einer anderen Version von uns zurück gekehrt. Quasi Steffi und Daniel 2.0. Und im Moment fühlt es sich so an, als würden wir uns in eine viel zu eng gewordene Jeans quetschen. 

Auf der Reise waren unsere Tage vollgepackt mit neuen Eindrücken, Abenteuern und Begegnungen. Jeden Tag haben wir neues gelernt, über die Welt, die Menschen, über uns. Wir mussten nicht nur einmal unsere Komfortzone verlassen und sind dadurch gewachsen. Unsere Tage waren gefüllt mit Leben, Freiheit, Motivation und Neugier. Wir haben sechs Monate alles organisiert und geplant. Wir waren komplett auf uns gestellt und mussten unsere eigenen Entscheidungen treffen. Auch wenn das Planen der Route, das Buchen von Flügen oder Unterkünften teilweise endlos schien, haben wir es geliebt. 

Wieder in Deutschland hat uns das System und das Hamsterrad schnell wieder. Die Tage sind kurz, oft unbedeutend und wenig fordernd. Die Stunden nach dem Feierabend unmotivierter und kreativloser als vorher gehofft und vorgenommen. 

Talente und Interessen wie das Organisieren, Planen, Fotografieren und Schreiben  müssen erstmal weichen.

Mehr denn je fällt uns auf, welche Menschen uns gut tun und welche nicht. Es gibt die Art Menschen, die dich fördern und fordern, die interessiert, einfühlsam, weltoffen und neugierig sind. Einfach menschlich. Diese Menschen machen das Leben und die Minuten die du mit ihnen verbringst lebenswert. Sie zeigen dir, wie wertvoll du für sie bist. 

Und dann gibt es die Menschen, die dir deine Energie rauben. Kleindenker, vielleicht auch Neider, die versuchen, dich, deine Fähigkeiten und Standpunkte klein zu reden. Jedes Gespräch mit ihnen ist anstrengend, Inhaltslos und ehrlicherweise dadurch wertlos. 

Fernweh

Zu dem ganzen Gefühls- und Gedankenkarussell kommt dieses unbeschreibliche Fernweh. Fernweh so schlimm wie Liebeskummer. Es ist, als wenn ein Teil von dir fehlt. Du fühlst dich unvollständig, rastlos und haltlos. Dein Herz ist schwer, so unglaublich schwer.

Vor der Weltreise habe ich geschrieben:

„Wir haben grade das Bedürfnis für eine Weile aus dem berühmten Hamsterrad auszusteigen. Eine Auszeit zu nehmen. Eine Auszeit vom alt Bekannten, von unserer Komfortzone. Wir wollen mit frischen Perspektiven zurückkehren. Wir wollen uns selbst noch besser kennen lernen. Wir wollen unsere Vorstellungen von anderen Ländern und Kulturen durch Erfahrungen ersetzen. Und wir wollen unser Handeln überdenken, uns selber hinterfragen, einiges verstehen lernen und noch offener gegenüber der Welt zurückkehren.“

Vielleicht dachten wir, wir reisen ein halbes Jahr, haben eine super Zeit und knüpfen mit frischen Sichtweisen und Erfahrungen an unser altes Leben nahtlos an. Stattdessen haben wir gelernt, was unser Anspruch an unser Leben ist. 

Wir wollen mehr Dinge tun, die wir lieben und für die wir brennen. Wir wollen neue Projekte voran bringen, ohne uns zu fragen, was der spätere Nutzen sein könnte. Wir wollen im Jetzt leben und nicht in der Zukunft. Wir wollen die beste Version von uns und unserem Leben erschaffen. Wir wollen Freiheit in unseren Köpfen und Herzen. Wir wollen bewusst Entscheidungen treffen und an die Veränderung glauben, die wir damit bewirken können. 

Wir möchten nichts tun, weil man das eben so macht oder weil es alle machen. Es gibt kein richtig oder falsch. Es ist ja dein Leben, also entscheidest du selber was dein richtig und dein falsch ist. Wir möchten uns weiterhin mit großartigen Menschen, die uns gut tun und viel weniger mit Energieräubern umgeben. 

Und plötzlich kommt in mir die Frage auf, was ist, wenn die Reise nicht nur eine Auszeit vom alt Bekannten oder ein kurzer Stop des Hamsterrads war? Was ist wenn die Reise der erste Schritt war? Der erste Schritt einer Veränderung, eines neuen Wegs? Wir haben alles bekommen was wir wollten und uns vor der Reise gewünscht haben. Nun ist es an uns mit dem Resultat klar zu kommen und etwas daraus zu machen. Wie auch immer das aussehen mag.

"Wir alle haben zwei Leben. Das Zweite beginnt, wenn wir realisieren, dass wir nur Eins haben."

Tom Hiddleston