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Tam Coc - Der fehlende Funke

Um 21.30 Uhr fährt der Nachtzug in den Bahnhof von Hue ein. Wir sind Beide ganz schön geschafft, da wir vorher die DMZ Tour gemacht haben und so hoffen wir, im Zug ein wenig schlafen zu können. 

In den Zügen gibt es verschieden Kategorien: Hard Seat, Soft Seat und Schlafabteile mit sechs oder vier Betten. Wir buchen zwei Betten im vierer Schlafabteil. War die erste Zugfahrt von Hoi an nach Hue noch in einem versifften Soft Seat Abteil, sind die Schlafabteile echt in Ordnung. Nur die Toiletten sind wieder der Horror, aber in den deutschen Zügen ist die Toilette ja auch kein Ort zum wohlfühlen. 

Kurz nachdem wir losgefahren sind, kommt der junge Schaffner zu uns und kontrolliert unsere Tickets. Er fragt uns über den Google Translator, ob wir für 11€ mehr das ganze Abteil buchen wollen. Beim nächsten Stopp würden Leute zusteigen, mit denen wir uns das Abteil dann teilen müssten. 

Noch bevor wir zustimmen wissen wir: der Kollege verarscht uns grade. Wahrscheinlich ist der Zug null ausgebucht und es sind gar keine anderen Leute für unser Abteil geplant.

Aber gut, er ist happy und steckt sich die Kohle bestimmt selber ein und wir haben ein Abteil für uns. Win-Win Korruption für beide Seiten quasi. 

Und tatsächlich können wir relativ gut und lange schlafen. Der Zug schaukelt uns sanft in den Schlaf und so kommen wir gar nicht so fertig, wie befürchtet, 12 Stunden später in Ninh Binh an. 

4er Schlafabteil in vietnamesischem Zug
Frau liegt im Schlafabteil eines Zuges. Ein MacBook auf ihren Beinen

Trockene Halong Bucht

Die Provinz Ninh Binh ist geprägt durch schroffe Kalksteinfelsen, Höhlen, Reisfelder und Flüsse. Die Region wird auch als trockene Halong Bucht bezeichnet und befindet sich im Norden Vietnams. 

Wir fahren in das zehn Kilometer entfernte Dorf Tam Coc und beziehen unsere Hütte in einem Homestay. 

Hier wohnt man ganz klassisch mit der Familie auf einem Grundstück. Das Grundstück des Homestays liegt in wundervoller Landschaft, umgeben von riesigen Felsen und Reisfeldern. Die fünf Hütten reihen sich mitten in die Natur ein. 

Unsere Hütte inklusive Terrasse ist richtig schön und so sitzen wir oft einfach nur da. schauen auf die Reisfelder und hören den Enten beim Schnattern zu. 

Die Familie des Homestays ist ganz zauberhaft. Hier helfen alle mit: Oma, Opa, Kinder und Bruder des Besitzerehepaars. 

Der Bruder hat uns vom Bahnhof abgeholt, die Oma bekocht uns wunderbar und die Besitzerin bedient uns im Schlafanzug. Sehr süß und sympathisch. 

Neben der netten Familie flitzen auch einige Hunde über das Grundstück. Besonders der kleine Lockenkopf Coca hat es uns angetan. Ein sehr verschmustes und verspieltes Hündchen. 

Unsere geplanten drei Nächte verlängern wir ziemlich schnell auf fünf Nächte. 

Tam Coc ist ein süßes Städtchen, ohne viel Verkehr. Es kommen viele Tagestouristen aus Hanoi, aber so wirklich fallen die uns gar nicht auf. Wir schlendern ein bisschen durch die Gassen, trinken leckeren Kaffee und erkunden die Umgebung mit Fährrädern und einem Roller. 

Frau mit MacBook auf den Beinen sitzt auf einer Terasse. Im hintergrund Palmen, Reisfelder und Berge

Bich Dong Tempel

Am Vormittag schwingen wir uns auf die Drahtesel und fahren zuerst zum Bich Dong Tempel. Dieser ist teilweise in Felsen hineingebaut und man kann sogar ein Stück durch eine Höhle laufen. 

Bei unserer Erkundungstour durch den Tempel sehen wir das erste Mal Bergziegen. Verrückt, wie die Viecher auf den spitzen Felsen rum klettern und von den Sträuchern mampfen. 

Ziege scheint in dieser Region eine besondere Spezialität zu sein. Vielleicht steht sie aber auch nur überall auf der Speisekarte, weil es hier so viele Ziegen gibt. Bisher haben wir noch kein Ziegenfleisch gegessen und ich glaube, dass belassen wir auch dabei. 

Interessiert beobachten wir die neuste einfallsreiche Masche der Vietnamesen, an Geld zu kommen. Eine Reisegruppe mit ein einigen älteren Damen und Herren ist im Tempel angekommen und wird von einigen Vietnamesinnen belagert. Den älteren Herrschaften wird die Treppen hoch geholfen, es wird Luft zu gewedelt und zwischendurch gibt es eine Massage. Völlig verrückt. Aber auch das ist Südostasien. Es wird versucht aus allem Geld zu machen und aus jedem Touristen möglichst viel davon rauszuholen. 

Leider wird auch mit armen kleinen Hörnchen Geld gemacht. Die werden nämlich eingefangen und eingesperrt. Vor dem Tempel hat man die Möglichkeit, solch ein Hörnchen zu kaufen und es wieder frei zu lassen, für gutes Karma. Wir sind erstaunt, als das junge Paar vor uns so ein Hörnchen kauft und mit dem Mini-Käfig fleißig vor der Kamera posiert. 

Eingang zum Tempel. Vor dem Tor eine kleine Steinbrücke, im Hintergrund riesige Karstfelsen
Ziege im Gesbüsch

Frau steht auf einer Steinbrücke vor einem Eingangstor zum Tempel
Eingang zur Höhle

Lying Dragon Mountain

Weiter geht unsere Fahrradtour durch schöne Reisfelder vorbei an Büffeln und Enten zum Hang Mua Aussichtspunkt auf dem Lying Dragon Mountain. 

500 Stufen müssen wir erklimmen und bei der Luftfeuchtigkeit kommen wir schnell ins Schwitzen.

Der wunderbare Ausblick entschädigt uns aber für die Anstrengung. Was für ein wunderschönes Fleckchen Erde. Wir bleiben bis zum Sonnenuntergang und schauen zu, wie die Felsen, Reisfelder und die Boote im Fluss minütlich in anderes Licht getaucht werden. 

Nach diesem schönen Tag, fahren wir wieder zurück in unser Homestay und werden herzlich von der Familie und den Hunden begrüßt. Oma kocht uns noch was feines, wir geben dem Hund heimlich was davon ab und genießen unser Bier. Danach fallen wir zufrieden ins Bett und schlafen mit Grillengezirpe ein. Wunderbar. 

Sonnenuntergang vom Lying Dragon. Zwischen den Karstfelsen verläuft ein Fluß
Sonnenuntergang vom Lying Dragon. Zwischen den Karstfelsen verläuft ein Fluß
Vögel fliegen in den Sonnenuntergang. An den seiten große Karstfelsen. Die Sonne spiegelt sich im See

Der fehlende Funke

Wir sind jetzt seit über einer Woche in Vietnam und waren bisher zwar angetan, aber nicht so richtig begeistert. Bisher hatten wir noch nichts einzigartiges und besonderes in Vietnam entdeckt, was es nicht auch in den Nachbarländern gibt. Sicher, Hoi an ist schön, aber Luang Prabang in Laos und Georgetown in Malaysia sind ebenfalls schön. Der Regen tat sein übriges dazu und so wollte der Funke zwischen uns und Vietnam nicht so recht über springen. Der viele Verkehr streßte uns und wir hatten den Eindruck, dass die Vietnamesen noch rücksichtsloser Auto und Roller fahren, als in anderen Ländern. Grade in Hue musste man höllisch aufpassen, wenn man bei Grün über die Ampel gelaufen ist. 

Und dann stiegen wir in Tam Coc aus. Herrliche Ruhe, viel Natur, wenig Verkehr. Entengeschnatter statt Hupen und Reisfelder statt 1000 Roller. Balsam für unsere Seelen. Hier können wir mal runterfahren und entspannen. 

Vielleicht ist dieses Örtchen der fehlende Funke, damit uns Vietnam vollends begeistert. Es geht auf jeden Fall in die richtige Richtung, denn diese wunderschöne Landschaft, mit den vielen Karststeinfelsen, haben wir noch nirgendwo anders gesehen. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Magdalena (Mittwoch, 05 Dezember 2018 14:26)

    Hallo ihr beiden,
    Tam Coc scheint ein richtiger toller Ort zu sein! Wenn ich den Bericht so lese, erinnert es mich start an den Phong Nha Nationalpark, der hatte es mir nämlich nach der ganzen Hektik und Trubel und Gehupe in Hanoi so richtig angetan. Ich bin mir sicher, dort hätte es euch auch gefallen.

    Viel Spaß noch in Vietnam und hoffentlich findet ihr noch weitere so tolle Orte!

    Liebe Grüße
    Magdalena

  • #2

    Hannes u.Doris (Mittwoch, 05 Dezember 2018 19:07)

    Hallo ihr Zwei , so ist das richtig.Nun ist Entspannung und Erholung angesagt.Ihr habt soviel erlebt und gesehen, dass ihr mal die Seele baumeln lassen könnt.Die Natur ist wunderschön, traumhaft schöne Bilder. Wir wünschen euch eine entspannte Zeit.