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Stadt, Land, Fjord - Vom Milford Sound nach Queenstown

Das Fiordland auf der Südinsel. Wieder eimal die Bestätigung für das „Vorurteil“, dass landschaftlich die ganze Welt in Neuseeland vereint ist. 

Das beste Beispiel für einen möglichen Tag in Neuseeland. So haben wir ihn tatsächlich erlebt.

Wir sind am wunderschönen, glasklaren Lake Wakatipu. Die Sonne wärmt uns, wir frühstücken gemütlich und nehmen ein erfrischendes Bad. Drei Stunden später stehen wir im Regenwald und laufen einige Kilometer des Kepler Tracks. Die Vegetation ist völlig anders. Überall Moos, Farn und sumpfige Gebiete. Mittendrin der Waiau Fluss, an dem einige Szenen von Herr der Ringe gedreht wurden. Zwei Stunden weiter und wir erreichen unseren Campingplatz für heute Nacht, mitten im Fiordland. Es ist schwül, es regnet, die Wolken hängen unglaublich tief. Wir laufen durch das Dickicht zu einem versteckten Wasserfall, direkt hinter der Campsite. Die Nacht ist kurz und wir fahren früh zum Milford Sound um unser Boot zu bekommen. Zwei Stunden später fahren wir über ein Fjord.

Das alles ist innerhalb von 24 Stunden locker möglich in Neuseeland. Ist das nicht verrückt? 

Milford Sound oder Doubtful Sound? Oder doch ein Fjord?

Im Fiordland regnet es durchschnittlich 180 Tage im Jahr. Dadurch gibt es in diesem Gebiet eine einzigartige und üppige Vegetation. Allleine 700 Pflanzenarten sind nur im Fiordland zu finden, nirgends sonst auf der Welt. Zwei Fjorde sind dem Tourismus zugänglich: Der Milford Sound und der Doubtful Sound. Korrekterweise müsste es Milford Fjord und Doubtful Fjord heißen. Ein Fjord entsteht aus Gletschern. Durch Gletscherbewegung entsteht ein Zugang zum Meer und das Gebiet wird überflutet. Als Sound bezeichnet man ein mit Meerwasser gefühltes Flusstal. 

Schon Zuhause habe ich mich viel mit den beiden Fjorden beschäftigt. Der Doubtful Sound ist schwieriger zu erreichen, dadurch gibt es weniger Touristen vor Ort. Nachteil ist, man kann den Fjord nur im Rahmen einer kompletten Tour besuchen und diese ist sehr teuer. Der Milford Sound gilt als deutlich überlaufener. Allerdings ist es möglich, die landschaftlich sehr reizvolle Strecke selber zu fahren. Am Milford Sound angekommen, kann man dann eine der vielen Bootstouren machen. Klingt schon eher nach unserem Geschmack. Als wir dann noch ein super Angebot über eine Couponseite gefunden haben, war klar: Wir fahren in den Milford Sound. 

Der erste Kontakt mit dem Feind

Nach unserer kleinen Wanderung am Kepler Track fuhren wir zu unserem Campingplatz. Die Campsite befand sich eine Stunde vom Milford Sound entfernt, schon mitten im Fiordland. Das Wetter war direkt anders, viel feuchter und schwüler.

Hier trafen wir auch das erste Mal auf Sandfliegen. Diese Viecher sind echt die Pest. Vorzugsweise leben sie an Gewässern, mögen das feuchte Wetter und treten mit Vorliebe im Schwarm auf. Die kleinen Mistviecher stechen ganz gemein und die Stiche sollen schlimmer jucken als Moskitostiche. So viele Horrorstorys hatte ich schon vorher über Sandfliegen gelesen. Von ganzen Schwärmen im Camper und völlig zerstochenen Beinen war alles dabei. Dementsprechend paranoid war ich auf diese Tiere zu sprechen. Selbst Kapitän Cook sagte einst, "dass Sandfliegen die boshaftesten Tiere sind, die er kennt."

Mit Insektenspray eingedieselt und fluchtartig das Auto verlassend, trauten wir uns raus und blickten dem Feind ins Auge. Daniel kassierte direkt zwei Stiche, die ehrlicherweise wohl nicht sehr schlimm juckten. Verbesserung: Nach 2 Tagen jucken sie doch ziemlich! Ich wedelte hektisch mit den Armen und schlug die Viecher kurzfristig in die Flucht. Wir trafen am nächsten Tag noch mehrmals auf Sandfliegen, aber bis auf das penetrante und nervige Rumgeschwirre, hatten wir keine größeren Probleme. Abwarten, an der Westküste werden wir wohl nochmal aufeinander treffen. 

Direkt hinter der Campsite begann ein kleiner, versteckter Wanderweg. Das Ziel war ein Wasserfall, mit einem sehr abenteuerlichen Weg. Über Stock und Stein, durch Flüsse und dichtem Wald. Der kleine Wasserfall war sehr schön und befand sich wirklich mitten im Wald. Pitschnass kamen wir wieder am Camper an. Die inkludierte heiße Dusche war daher ein Fest. 

Der frühe Vogel

Da unser Boot direkt um 9 Uhr ablegte, mussten wir relativ früh aufstehen. Wir hatten schließlich noch einige Kilometer vor uns. Die Landschaft wurde immer wilder, je näher wir zum Milford Sound kamen. Einige Stopps hatten wir uns für den Rückweg aufgehoben. 

Um zum Milford Sound zu gelangen, mussten wir durch den Homer Tunnel fahren. Ein 1,2km langer Tunnel, der ursprünglich mal der längste Tunnel mit unbefestigter Straße der Welt war. Als der Tourismus in dieser Region zunahm, baute man den Tunnel aus und asphaltierte die Straße. Die Wände bestehen aber nach wie vor aus unverkleidetem Granit und der Tunnel ist nur einseitig befahrbar. Eine Ampelanlage regelt den Verkehr. Schon die Fahrt durch den Tunnel war ein kleines Abenteurer. Wir hatten Glück, die Ampel war grün und wir konnten direkt fahren. Am anderen Ende des Tunnels wartete eine dichte Nebelwand auf uns. Zwischendurch regnete es immer wieder, dann schien die Sonne, es gab einen Regenbogen. Völlig verrücktes Wetter. Vom Homer Tunnel war es nicht mehr weit bis zum Parkplatz. Unsere gebuchte Tour war die erste an dem Tag und so war weder auf dem Wasser, noch am Terminal viel los. Wir hatten uns für ein kleines Boot des Anbieters "Mitre Peak" entschieden. Mit uns waren nur circa 30 Leute auf dem Boot und so konnten wir die Fahrt ganz entspannt genießen. Außerdem gab es Kaffee umsonst. Eine weitere wichtige Entscheidungshilfe für diesen Anbieter. 

Die Fahrt dauerte zwei Stunden und führte über den kompletten Milford Sound. Der Fjord ist 14km lang und endet in der Tasmanischen See. Ringsherum befinden sich spektakuläre Berge, die einst Gletscher waren. Von den Felsen donnern tosende Wasserfälle herab. Fuhren wir noch im Regen los, klarte der Himmel kurze Zeit später etwas auf und wir konnten die ganze Fahrt an Deck stehen. Die Wolken blieben in den Bergen hängen und gepaart mit dem Nebel, wirkte die Stimmung total mystisch. An manche Wasserfälle fuhr der Kapitän sehr nah dran. Wer die vorherige Warnung „When you want to stay dry, go inside“ ignorierte, wurde komplett geduscht. Wahnsinn, wie viel Wassermassen darunter kommen. 

Wir konnten einige Robben beobachten, die faul auf Felsen rumlagen oder neben unserem Boot schwammen. Es waren sogar einige zuckersüße Babyrobben dabei. Die Fahrt verging wie im Flug und so endeten wir zwei Stunden und einige Kaffe später wieder am Terminal. Es war ein super tolles Erlebnis. Die Landschaft ist wirklich grandios. Sicherlich sieht es in Norwegen oder Kanada ähnlich beeindruckend aus. Zu unserer Zeit war der Milford Sound gar nicht überlaufen. Vielleicht wird es zu späterer Stunde voller. 

Roadtrip durchs Fiordland

Auf dem Rückweg konnten wir uns richtig Zeit lassen. Wir hielten oft an, bestaunten die unwirkliche Landschaft und Daniel knipste fleißig Fotos. Wir fuhren an Wasserfällen und reißenden Flüssen vorbei, wir durchquerten Täler und hatten traumhafte Ausblicke. Wir waren sehr froh, selber zum Milford Sound fahren zu können. So konnten wir anhalten wo wir wollten, uns die Beine vertreten und den ein oder anderen Spot besuchen. 

Nachdem wir wieder in Te Anau angekommen waren und uns kurz Internet in der Bücherei geschnorrt hatten, fuhren wir wieder zurück zum Lake Wakatipu. Der kostenlose Campingplatz direkt am drittgrößten See Neuseelands, hatte uns so gut gefallen, dass wir hier nochmal eine Übernachtung einschoben. 

Best Burger in Town

Am nächsten Tag fuhren wir in das nur 40km entfernte Queenstown. Diese Stadt gilt als Hochburg für Extremsport und Adrenalinjunkies. Hier ist alles möglich: Bungee Jump, Skydive, Hubschrauberflug, Wassersport. Wir zwei Adrenalinjunkies schlenderten nur ein wenig durch Queenstown, ganz langweilig. Viele mögen die Stadt nicht. Zu voll, seltsames Publikum, usw. Uns gefiel Queenstown allerdings sehr gut. Irgendwie ist es hier gemütlich. Es gibt viele schöne Restaurants und Bars, Unmengen an Outdoorläden und die Lage, direkt am Lake Wakatipu, ist auch toll. 

Das wohl bekannteste Restaurant der Stadt, wenn nicht sogar in ganz Neuseeland ist „Fergburger“. 2001 hatte der Gründer begonnen, Burger in einer kleinen Garage, in Queenstown zu verkaufen. Diese kamen so gut an, dass der Laden mittlerweile in bester Lage im Zentrum zu finden ist und man mitunter schonmal eine Stunde anstehen muss. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und uns selber von den Super-Burgern überzeugen. Wir hatten Glück, die Schlange war nicht sehr lang und nach 25 Minuten hielten wir den berühmten Burger in der Hand. Es gibt viele verschiedene Variationen. Von Rind, Lamm, Reh, Hühnchen über Schwein ist alles dabei. Unsere riesigen Burger schmeckten wirklich super, die Stimmung ist locker und die Musik laut. Dieser Laden wird absolut mit Recht so gehypt. Glücklich und vollgefuttert machten wir uns auf zu unserem nächsten Ziel: Wanaka. 

Was für aufregende und unheimlich abwechslungsreiche Tage in Neuseeland. Wir sind absolut hin und weg von diesem vielfältige Land. 

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Kommentare: 3
  • #1

    Horst van Lier (Donnerstag, 31 Januar 2019 17:08)

    Super Bericht mit tollen Fotos. Neuseeland ist absolute Spitze.Da kommt schon ein wenig Fernweh auf..

  • #2

    Doris und Hannes (Donnerstag, 31 Januar 2019 18:34)

    Das ist für uns "Zaungäste" unvorstellbar, was ihr in diesem tollen Neuseeland zu sehen bekommt und erlebt. Eure Berichte mit samt den Fotos sind so informativ, dass man sich zwangsläufig mit dem Land beschäftigt. Vielen Dank, dass ihr uns mitnehmt, auf eurer Weltreise. Wir wünschen euch weiterhin eine gute Reisezeit mit positiven Eindrücken und Erlebnissen, passt gut aufeinander auf.

  • #3

    Hildegard van Lier (Donnerstag, 31 Januar 2019 19:36)

    Was für Touren. Neuseeland scheint wirklich das Beste von allem zu sein. Genießt es weiterhin!!