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Sonnenaufgang in Chichén Itzá

Chichén Itzá, eines der neuen sieben Weltwunder. Mit einer Fläche von über 1500 Hektar ist diese Maya-Stätte einer der größten Fundorte in der Geschichte. Von 900 bis 1250 nach Christus war Chichén Itzá die bedeutendste Stätte in ganz Yucatan. Hier wurden Geschäfte abgewickelt, politische Entscheidungen getroffen und unzählige Rituale abgehalten.

Die ersten Ausgrabungen begannen im Jahr 1904. Der amerikanische Diplomat Edward Thompson kaufte die komplette Anlage damals für umgerechnet 60€. Thompson begann mit Restaurierungsmaßnahmen, unternahm Tauchexpeditionen in der Cenote Sagrado und fand allerlei Schätze und Relikte, die historisch von allerhöchstem Wert waren. Später wurde ihm vorgeworfen, viele wertvolle Objekte außer Landes gebracht zu haben. Dies konnte ihm allerdings nicht nachgewiesen werden.

Mittlerweile sind acht Gebäude für die Öffentlichkeit zugänglich, das sind grade mal 20% des gesamten Geländes. Viele weitere Ruinen befinden sich noch verborgen im Dschungel. Chichén Itzá ist bei Touristen Wahnsinnig beliebt. Täglich strömen knapp 10.000 Menschen zu den Ruinen. Bereits um 8 Uhr, wenn die Tore geöffnet werden, soll es schon richtig voll sein. Deswegen haben wir lange überlegt, ob und wie wir Chichén Itzá besuchen wollen. Es gibt einige andere Maya-Stätten, die nicht so überlaufen sind und wo man sogar auf die Pyramiden klettern kann. Aber irgendwie wäre es doch eine Schande in Mexiko gewesen zu sein, aber Chichén Itzá nicht gesehen zu haben.

Also durchforstete Daniel das Internet nach möglichen Alternativen. Dabei stieß er auf eine Sunrise Tour, angeboten vom Mayaland Resort. Viele Informationen fanden wir im Internet nicht und so schrieben wir der angegebenen Handynummer mal eine Whats App. 

Es meldete sich Abel, einer der Guides. Schnell und unkompliziert vereinbarten wir für Mittwoch eine Tour. Der Spaß kostete 1500 Pesos (68€) pro Person. Wenn man allerdings bedenkt, dass der normale Eintritt zu Chichén Itzá schon 480 Pesos (22€) pro Person kostet und man sich dann mit Menschenmassen durch die Anlage schiebt, ist der Preis für so eine Exklusivtour echt in Ordnung. 

Sonnenaufgang ist ganz schön früh

Wir haben nicht im Mayaland Resort übernachtet, sondern in Piste. Dieses Örtchen liegt nur ein paar Kilometer von Chichén Itzá entfernt und bietet deutlich günstigere Unterkünfte. Um 4.30 Uhr sitzen wir bereits im Auto und fahren zu unserem Treffpunkt. Als wir im Resort ankommen, erwarten uns schon vier Guides, unter anderem Abel und circa 20 andere Gäste. Nachdem Abel uns vor ein paar Tagen erzählt hat, dass er am Mittwoch Geburtstag hat, gratulieren wir ihm natürlich direkt. Warum ich über diese scheinbar unwichtige Information schreibe, werdet ihr nachher verstehen. 

Unser Guide Rohmy ist selber Maya und spricht sogar Deutsch. Die Tour ist ebenfalls auf Deutsch und unsere Gruppe bestand aus insgesamt acht Personen. Nach einem schnellen Kaffee und ein paar  Keksen starten wir unsere Tour und laufen im Dunkeln Richtung Chichén Itzá. Rohmy erklärt uns super viel über die Kultur der Maya, deren Relikte und Rituale. 

Als sich das erste Mal die berühmte Pyramide „El Castillo“ vor uns auftut, sind wir schwer beeindruckt. So oft haben wir dieses Gebäude schon auf Bildern gesehen und nun stehen wir am Fuße der Pyramide. Während der Himmel sich langsam verfärbt erklärt Rohmy uns die Besonderheiten dieses Gemäuers. Die Maya haben die 30m hohe Pyramide als Kalender genutzt. 4 Seiten = 4 Jahreszeiten. 91 Stufen an jeder Seite, plus die eine obere Stufe ergeben insgesamt 365 Stufen = 365 Tage. Insgesamt finden sich 52 Platten auf der Pyramide = 52 Wochen. Allerdings ist die Pyramide ja schon ein bisschen älter und ist daher bereits einige Male restauriert worden. Deswegen ist es genauso gut möglich, dass die Anzahl der Stufen reine Spekulation ist. Was aber definitiv Fakt ist, ist das ganz besondere Echo, das von der Pyramide wieder gegeben wird.

Vor Jahren haben wir in Costa Rica den seltenen Quetzal Vogel gesehen. Für die Maya galt dieser Vogel als heilig. Als Rohmy uns bittet, vor der Pyramide in die Hände zu klatschen, hören wir ein Echo, dass sich ähnlich anhört wie der Ruf des Quetzals. Völlig abgefahren. Unter der Pyramide befindet sich eine Cenote, die mit anderen Faktoren dazu beiträgt, dass so ein Echo entsteht.

Der Gewinner wird enthauptet

Wir kehren der beeindruckende Pyramide den Rücken und laufen weiter auf das „Pok ta Pok“-Spielfeld. Das „Juego de pelota“ ist das größte Spielfeld in der Mayazeit gewesen. Das Spielfeld ist 168m lang und 38m breit. „Pok ta Pok“ war mehr ein Ritual, als eine Sportart. Zwei Mannschaften mit sieben Spielern mussten versuchen den Ball in das gegnerische Tor zu befördern. Hört sich im ersten Moment an wie Fußball. Allerdings war der Kautschukball, mit dem gespielt wurde, 3-4kg schwer. Die Tore hingen in sieben Metern Höhe und waren eigentlich nur kleine Steinringe. Die Spieler spielten den Ball auch nicht mit den Füßen, sondern mit den Ellenbogen, Hüften und Knien. Diese Spiele fanden nur 1-2 Mal im Jahr statt. Mitunter konnte so ein Spiel sieben Tage dauern und war dann zu Ende, wenn ein Tor gefallen war. Das Spiel wurde unter anderem vom König und anderen wichtigen Oberhäuptern beobachtet. Insgesamt sieben wichtige Maya. 

Ihr merkt die Zahl Sieben spielte eine wichtige Rolle bei den Maya. Warum das allerdings so ist, konnte bisher nicht rausgefunden werden. Generell ist es so, das Forscher mehr Theorien über die Maya haben, als wirkliches Wissen. Immer wieder werden neue Funde von alten Maya-Schätzen oder Massengräbern bekannt. Vor einigen Wochen wurden in der Nähe von Chichén Itzá bei Ausgrabungen viele Tonkrüge und Masken aus Jade entdeckt. Obwohl die Maya ihre Geschichte verschriftlicht haben, gibt es leider aktuell nur noch drei Maya-Bücher. Mit Ankunft der Spanier wurden viele Relikte zerstört und die Bücher wurden verbrannt. Eine dieser Maya-Schriften befindet sich in der Staats- und Universitätsbibliothek in Dresden.

Auf dem Spielfeld führt Rohmy uns wieder ein verrücktes Echo vor. Wir klatschen wieder und ratet mal wie viele Male wir unser Händeklatschen als Echo hören? Sieben Mal! Ist das nicht verrückt? 

Wir laufen weiter ans Ende des Spielfeld und bleiben unter der Tribüne stehen, auf der der König gesessen hat. Wir rufen zur der entgegengesetzten Tribüne rüber, auf der vor vielen, vielen Jahren die anderen sechs wichtigen Maya saßen. Wir hören wieder ein Echo. Tatsächlich ist das Spielfeld und die Tribünen so gebaut worden, dass dieses Echo nur die beiden gegenüberliegenden Tribünen hören können. Die Seitentribünen, auf denen sich das normale Volk das Spiel anschaute, konnten nichts von den Gesprächen hören. 

Wenn dann ein Spieler ein Tor geschossen hatte, wurde ihm die große Ehre zuteil, zu sterben. Er wurde enthauptet und durfte zu den Göttern aufsteigen. Die Mauern des Spielfelds werden von detailreichen Opferszenen, Enthauptungen und spielenden Maya geziert. 

Cenote als Opferstätte

Bei den Maya galten die Cenoten als Tor zur Unterwelt. Hier lebte der Regengott Chaac. Daher waren die Cenoten auch der Ort, an dem die Maya ihre Opfergaben niederlegten. Das konnten Tonkrüge, Jade, Gold oder auch Menschen- und Tieropfer sein. Man muss sich die Maya aber nicht als meuchelndes Volk vorstellen, das den ganzen Tag fröhlich vor sich hinopfert. Für die Maya war es eine Ehre zu sterben und geopfert zu werden. Nur tapferer Krieger, Könige oder Gewinner des „Pok ta Pok“-Spiels waren als Opfergabe gut genug, um den Regengott zufrieden zu stellen. Im Gegenzug schenkte er den Maya reichlich Regen um ihre Ernte gedeihen zu lassen. Die Cenote Sagrado auf dem Gelände von Chichén Itzá ist ein 50m tiefes Kalksteinloch mit ziemlich trübem Wasser. Allerdings stoppen wir hier nur kurz, da wir den Sonnenaufgang an der Pyramide nicht verpassen wollen. Als wir wieder an der Pyramide ankommen, zeigt Rohmy uns noch einige Details, z.B die Schlangenköpfe an der Treppe. Zweimal im Jahr können Besucher an der Pyramide Zeuge eines ganz besonderen Schauspiels werden. Zur Sonnenwende scheint am späten Nachmittag der Tag- und Nachtgleiche der Schatten einer Schlange auf die Treppe. Es scheint als würde die Schlange die Treppe hinunterkriechen. Die beiden Tage im Jahr, an denen der Tag und die Nacht gleich lange dauern, werden Tag-und Nachtgleiche genannt. 

Nach den vielen und sehr spannenden Informationen, haben wir nun eine knappe Stunde Freizeit, um uns in Ruhe umzuschauen und das Observatorium zu besuchen. Um kurz vor 8 Uhr, wenn sich die Tore für die Massen an Touristen öffnen, müssen wir wieder verschwunden sein. 

Die Meisten aus unserer Gruppe strömen direkt in Richtung Observatorium. Wir warten noch kurz und machen noch einige Bilder vom Kriegertempel und der Halle der 1000 Säulen, die direkt neben der Pyramide „El Castillo“ liegen. Als wir uns wieder zur Pyramide umdrehen, merken wir, dass wir hier grade komplett alleine sind. Wahnsinn. Wir genießen diesen Moment und die Ruhe, die nur durch Geräusche aus dem Dschungel unterbrochen wird, bevor wir uns auf die Suche nach dem Observatorium begeben. 

Plötzlich Gast auf einer Geburtstagsfeier

Wir stehen vor dem Plan, um das Observatorium auf dem großen Gelände ausfindig zu machen. Auf einmal hören wir Rufe. Es ist Abel, einer der Tourguides, der heute Geburtstag hat. Er winkt uns zu sich und ehe wir uns versehen. stehen wir mit einem Teller voller Tacos und einer Cola in einer Gruppe von 20 Mexikanern und feiern mit Abel seinen Geburtstag. Die deftigen Tacos schmecken uns trotz der frühen Stunde (7 Uhr) sehr gut. Eine zweite Portion lehnen wir dankend ab, immerhin wollen wir unsere freie Zeit in Chichén Itzá ja noch nutzen. Wir freuen uns aber sehr über die Einladung und die Gastfreundschaft. 

Nach einem kurzen Fußmarsch erreichen wir dann auch das Observatorium. Dieses Gebäude mit dem dazugehörige Schneckenturm diente den Maya als Ausblick in den Himmel. Sie beobachteten die Sterne, den Verlauf von Sonne, Mond und allen anderen Planeten. Die Fenster des Schneckenturms sind auf den Verlauf der Venus ausgerichtet. Die Venus galt bei den Maya als Gott des Krieges.

Anhand der Himmelsbeobachtungen erstellten die Maya ihre astronomischen Kalender. Es gab unzählige, sich einander ergänzende Kalender. Der "Tzolkin-Kalender" wurde für Rituale genutzt und umfasste 260 Tage. Der zivile "Haab-Kalender" war ein Sonnenkalender und diente unter anderem zur Berechnungen von Erntezeiten. Er bestand aus 365 Tagen. Der Kalender "Lange Zählung" wurde genutzt um längere Zeiträume erfassen zu können. Dieses System wurde für astronomische Berechnungen und Geschichtsaufzeichnungen genutzt. 

Was für eine umfassende und entwickelte Kultur die Maya doch hatten. Ein sehr spannendes und mystisches Thema, vor allem weil immer noch so vieles unklar ist. 

Adios Mexiko!

So langsam müssen wir uns auf den Rückweg machen und das Gelände verlassen. Wir hatten einen richtig tollen Morgen, haben sehr viel gelernt und sind echt begeistert von den tollen Maya-Bauten. Jetzt wo ihr kleine Maya-Profis seid, können wir uns mit gutem Gewissen aus Mexiko verabschieden. Uns bleiben noch zwei Tage im Land der Maya. Wirklich viel aufregendes wird nicht mehr passieren. Wir werden unseren Mietwagen wieder in Tulum abgeben und am nächsten Tag mit dem Bus nach Cancun fahren. Bereits um 7 Uhr morgens wird uns der Flieger in das nächste, aber auch letzte Land bringen. Die letzte Woche unserer Weltreise ist angebrochen. Ein seltsames Gefühl! 

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Kommentare: 1
  • #1

    Doris und Hannes (Dienstag, 19 März 2019 09:24)

    Wahnsinn, was für tolle und umfassende Informationen über die Kultur der Maya, die ihrer Zeit weit voraus waren. So, nun geht's auf zu neuen Zielen, leider aber auch in die "Endphase" eurer wunderbaren Reise. Uns geht es genauso wie euch, auf der einen Seite freuen wir uns auf euch, auf der anderen Seite stellen wir uns auch die Frage, was ist das für ein Gefühl, nach einer so langen, gemeinsamen und erfolgreichen Zeit wieder "in den Alltag" zurück zukehren? Wir können nur empfehlen, nimmt die vielen Glücksmomente eurer Reise mit "in den Alltag", denn dann ist jeder Tag auch weiterhin ein Besonderer. Vielen Dank, dass wir euch begleiten durften und wir "Stubenhocker" so viel von der Welt gesehen und vor allen Dingen erfahren haben. Weiterhin viel Spaß, eine gute Reise und passt auf euch auf.