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"Pabuk" kreuzt unseren Weg - Planänderung in Thailand

Es ist Dienstag der 01.01.2019, der letzte Abend auf Koh Lanta und einer der letzen Tage in Thailand. Morgen früh fahren wir mit der Fähre auf die kleine, sehr ursprüngliche Insel Koh Jum. Die Insel liegt zwischen Koh Lanta und Krabi und bietet sich wunderbar als Zwischenstopp an. Wir haben einen der typischen, einfachen Holzbungalows gemietet, wie man ihn auf kleineren Inseln noch häufiger findet. Ohne viel Schnick Schnack, keine Klimaanlage, dafür direkt am Meer und sehr offen gebaut. Back to the roots. 

Die Anreise ist spannend. Man fährt mit der Fähre von Koh Lanta Richtung Krabi. Vor Koh Jum stoppt die Fähre kurz und man muss auf dem offenen Meer in kleine Holzboote umsteigen, die von der Unterkunft geschickt werden. Also alles weit entfernt vom Massentourismus. 

Aber jetzt sind wir noch auf Koh Lanta, sitzen in einem kleinen schäbigen Restaurant, direkt an der Straße und genießen unser erstes Thaifood Abendessen im Jahr 2019, diesmal allerdings eine Nummer zu scharf für uns. Dank des vorhandenen WiFi's bekommenen wir eine Nachricht von einem anderen Reisepaar, welches sich grade auf Koh Chang befindet: Sturmwarnung im Süden von Thailand. 

Wir denken uns erstmal nicht viel dabei, essen in Ruhe auf und laufen zurück zu unserer Unterkunft. Dort angekommen checken wir den gesendeten Link und lesen im Internet nach, was wir zu dem Thema finden können. 

Normalerweise treten solche Stürme eher zwischen Mai und Oktober auf. Thailand blieb allerdings meist verschont von schweren Stürmen. Doch der drohende Tropensturm „Pabuk“ wird als einer der schlimmsten Tropenstürme seit Jahrzehnten vorhergesagt.

Es ist die Rede von Meterhohen Wellen, heftige Sturmböen, Überschwemmungen und heftigen Regenfällen. Von Donnerstag bis Samstag soll „Pabuk“ in Thailand wüten. Im Moment befindet er sich noch im Südchinesischen Meer und arbeitet sich in Richtung Golf von Thailand vor. Wir befinden uns auf der anderen Seite, in der Andamanensee. 

Scheiße, was machen wir denn jetzt?

Bei den Vorhersagen klingt die luftige, abgeschiedene Bretterbude direkt am Meer nicht mehr so verlockend. Auch die spannende An- und Abreise mit Bootswechsel auf dem offenen Meer hört sich plötzlich eher lebensmüde an. 

Nennt uns Schisser oder Panikmacher, aber wir haben ein super schlechtes Bauchgefühl bei der Sache. Selbst wenn die Hütte stand hält, kommen wir vielleicht nicht von der Insel weg. Und am Samstag geht unser Flieger von Krabi nach Singapur. 

Also entscheiden wir uns, nicht nach Koh Jum zu fahren, sondern direkt aufs Festland, nach Krabi. 

Die nette Managerin unserer Unterkunft rät uns, morgen früh das Fährticket einfach bis Krabi aufzustocken, ist ja immerhin die selbe Fähre, nur das wir halt nicht vor Koh Jum raus wollen. 

Also sitzen wir geschniegelt und gestriegelt am Mittwoch um 7 Uhr an der Rezeption, sau müde und ohne Frühstück, um auf unseren Transfer zum Pier zu warten. Um 7:45 Uhr fragen wir mal kritisch nach. Die Managerin telefoniert und erklärt uns, dass wir die Fähre doch nicht bis Krabi aufstocken können. Die Gründe verstehen wir nicht so recht. Sie bucht uns stattdessen einen Minivan, der uns auf dem Landweg nach Krabi bringt. Auch gut. Allerdings kommt dieser Minivan erst in zwei Stunden. Wir ärgern uns etwas darüber, dass wir jetzt unnötigerweise so früh aufgestanden sind, aber können jetzt immerhin in Ruhe frühstücken. Mittags kommen wir in Krabi an. Zu unserer Freude bleiben wir, trotz der spontanen Planänderung, auf keinerlei Kosten sitzen. Sowohl das Hotel auf Koh Jum, als auch das Ticket für die Fähre müssen wir nicht zahlen. 

Donnerstag - Die Ruhe vor dem Sturm

Heute trudeln die ersten besorgen Nachrichten aus Deutschland ein. Die Nachricht vom Sturm hat also die deutschen Medien erreicht.

Über Instagram schreiben wir mit vielen anderen Reisenden, die grade auch in Thailand sind. Alle sind nervös, besorgt und etwas ratlos. Einige von ihnen sind nicht rechtzeitig gewarnt worden und sitzen auf den Inseln im Golf von Thailand fest. Der Fährverkehr wurde eingestellt, die meisten Flüge gecancelt, erstmal bis Samstag.

In Krabi ist nach wie vor alles ruhig. Wir verfolgen regelmäßig die Meldungen und sind auf dem neusten Stand. Wir haben das beständige Wetter nochmal genutzt, um uns etwas die nähere Umgebung von Krabi anzusehen. 

Wir sind mit dem Roller zu ein paar Stränden gefahren und haben uns die schöne Landschaft, mit den vielen Karstfelsen angesehen. Aber so richtig war uns auch nicht nach einem tolles Tagesausflug zumute. Laut der Wettervorhersagen trifft „Pabuk“ morgen auf Koh Samui und die umliegenden Inseln und bewegt sich dann weiter Richtung Festland und Andamanensee. Die Idee schon früher nach Singapur zu fliegen, verwerfen wir schnell wieder. Es gibt keine Flüge in den nächsten Tagen mehr, alle ausgebucht. 

Freitag - Warten, hoffen und bangen

Seit heute morgen regnet es. Allerdings nicht sonderlich stark. Wir decken uns noch mit ein paar Lebensmitteln ein und holen Mittags noch eine Pizza zum mitnehmen beim Italiener um die Ecke. 

Wir treffen ein deutsches Pärchen, welches heute morgen auf gut Glück zum Flughafen in Krabi gefahren ist, aber auch da keinen Platz mehr im Flieger ergattern konnten. Also heißt es jetzt auch für die Beiden ausharren und das Beste hoffen. 

Die Mitarbeiter im Hotel sind sehr entspannt und sorgen sich nicht großartig. Auch die Einheimischen bauen ihre Garküchen und Miet-Roller auf, als wäre ein ganz normaler Tag. So gelassen wäre ich jetzt auch grade gerne. Leider ist die Informationsweitergabe vor Ort nicht wirklich gut. So informieren wir uns selber regelmäßig, halten Kontakt  mit anderen Reisenden und verfolgen den Weg von „Pabuk“ im Satellitenbild. 

Zwei Flughäfen in der Region wurden bereits geschlossen. Nach einem Gespräch mit Air Asia wissen wir, dass unser Flug morgen erstmal wie geplant stattfinden soll. 

Wir verfolgen, wie „Pabuk" auf Festland, in der Region Nakhon Si Thammarat und auf die Inseln im Golf von Thailand trifft. Dank Social Media ist man live dabei, kann sich Fotos und kurze Videos anschauen. Fluch und Segen. Es wird erwartet das der Sturm am Abend in unserer Region eintrifft. Wir stellen uns auf eine unruhige Nacht ein. Allerdings sieht es momentan so aus, als wenn der Sturm deutlich nördlich von uns herzieht. 

Abends begeben wir uns nochmal auf die Dachterrasse unseres Hotels und werfen einen letzten prüfenden Blick in die Ferne, bevor es dunkel wird. Eine dunkle Wolkenfront bewegt sich in unsere Richtung. Trotzdem ist nach wie vor, außer Regen und ein wenig Wind, noch nicht viel von „Pabuk“ zu merken. Hoffentlich bleibt es so. Mit einem seltsamen Gefühl gehen wir uns Bett. 

Samstag - Alles überstanden

Die Nacht war relativ ruhig. Es hat weiterhin viel geregnet, aber nur ein bisschen geweht. Trotzdem haben wir nicht sonderlich gut geschlafen. Irgendwie ist man ja doch sehr unruhig, wenn man darauf wartet, dass es einem gleich das Dach vom Haus wegfegt. Aber wir sind wohl mit einem ordentlichen Schreck und 10 Jahre älter davon gekommen. Der Sturm war Gott sei Dank nicht so heftig wie befürchtet. 

Auch die anderen Regionen wurden nicht so schwer getroffen wie vorhergesagt. Es gibt einige Überschwemmungen, Schäden an Häusern, Autos und Stromleitungen. Zwei Fischer sind ertrunken, als sie ihr Boot in den Hafen bringen wollten und ein Tourist ist beim Schwimmen von der starken Strömung aufs Meer gezogen worden und leider ebenfalls ertrunken. Der Sturm forderte seine Opfer und grade die Situation auf dem Meer und an der Küste war wohl nicht zu unterschätzen. 

Wir sind froh auf dem Festland gewesen zu sein, einige Kilometer von der Küste entfernt. 

Ohne Probleme können wir heute zum Flughafen fahren und unseren geplanten Flug nach Singapur pünktlich antreten. 

Unsere drei Wochen in Thailand waren sehr entspannend, abgesehen vielleicht von den letzten Tagen. Thailand geht unserer Meinung nach einfach immer. Es ist so herrlich einfach hier. Die Menschen sind wirklich so nett und freundlich und Thailand trägt völlig zurecht den Namen „Land des Lächelns“. Das war sicherlich nicht unser letzter Besuch, grade Koh Chang hat uns super gut gefallen und den Norden des Landes haben wir noch viel zu wenig entdeckt. 

Wir sagen Tschüss Krabi, Tschüss Thailand, Tschüss Pabuk. Danke, dass Du uns verschont hast. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Doris und Hannes (Sonntag, 06 Januar 2019 09:45)

    Sehr eindrucksvoll schildert ihr "den Abschied von Thailand" und die Gegebenheiten, die euch veranlassten, kurzfristig den Reiseplan zu ändern. "Schisser" hin, "Schisser" her....., ihr habt richtige Entscheidungen getroffen....., denn, "was wäre wenn"(?). Schnell holt uns euer Blog "Müllsammeln ist sexy" wieder ein....., was ist mit unserem Klima los....., hängt nicht das "Eine" mit dem "Anderen" zusammen?
    Wir wünschen euch weiterhin eine gute Reise, in Länder, die es zu entdecken gibt und zu entdecken lohnt, passt gut auf euch auf und vertraut auch weiterhin eurem Bauchgefühl.
    Danke, dass ihr uns mitnehmt zu so tollen Reisezielen, die unsere "Mutter Erde" anbietet.

  • #2

    Hildegard van Lier (Sonntag, 06 Januar 2019 12:00)

    Hallo ihr Lieben, wir hier sind einfach nur froh und dankbar, dass ihr mit einem blauen Auge davon gekommen seid. Wir hatten schon Sorge und haben mächtig mitgefiebert. Wir sind froh dass ihr auf euer Bauchgefühl gehört und eine Planänderung eingeschoben habt. Da seid ihr weder Schisser oder Angsthasen. Im Gegenteil. Ihr verdient unseren Respekt. Wir wissen auch, dass euer Herz Thailand gehört, wie sehr ihr dieses Land liebt und euch deshalb der Abschied schwer fällt. Trotzdem, freut euch jetzt auf eine hoffentlich unbeschwerte Weiterreise und neue Abenteuer. Viel Spaß dabei. WHEL und passt weiterhin so toll auf euch auf.