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Osaka, die verrückteste Stadt Japans

Es heißt, die geschäftigen Japaner in Tokio haben Manieren und die Japaner in Osaka gute Laune. Manchmal werden die Einheimischen in Tokio auch als Robotermenschen bezeichnet. Die Mentalität der Menschen in Osaka gilt als wilder, lebenslustiger und spontaner. Das wollen wir uns selber ansehen und fahren mit dem Zug von Nara nach Osaka. 

Nach Tokio und Yokohama ist Osaka mit 2,7 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt Japans. Oft haben wir gelesen, dass sich ein Besuch in Osaka nicht unbedingt lohnt. Erst wollten wir die Stadt auch überspringen, aber da unser Bus nach Hiroshima sowieso von Osaka aus fährt, konnten wir uns direkt unser eigenes Bild machen und blieben drei Nächte vor Ort. 

Da wir die Unterkünfte in Nara und Osaka relativ spontan gebucht haben, hatten wir nicht mehr so viel bezahlbare Auswahl. Zum Glück haben wir auch in Osaka ein super zentrales und tolles Hostel gefunden. Wir wohnen im Amerikanischen Viertel. Es gibt jede Menge Second Hand Geschäfte, schöne Cafés und coole Bars. Aus jedem Geschäft und Restaurant dröhnt eine andere Musik und auf einem Gebäude entdecken wir eine kleine Nachbildung der Freiheitsstatue. In diesem Viertel treffen sich die hippen, jungen Japaner. Verrückte und schrille Outfits sind hier ein Muss. 

Wir übernachten wieder im Mehrbettzimmer und diesmal haben wir sogar noch mehr Platz in unseren Kabinen. Jede Kabine hat sogar einen eigenen Lüfter. Insgesamt gibt es 20 Betten in dem Raum. Die Mitarbeiter sind immer für einen Schnack zu haben und geben super, wertvolle Tipps. Leider waren unsere Mitbewohner in den ersten zwei Nächten nicht ganz so rücksichtsvoll. Um 0.30 Uhr, Tütenraschelnd im Koffer rum räumen, ist nicht so förderlich für den erholsamen Schlaf.

Tipp Schlafen in Osaka

Feel Osaka Yu

Super Lage, nur 10 Minuten zu Fuß bis Namba. Alles sehr sauber und trotz Mehrbettzimmer die totale Privatsphäre. 


Verrückt, verrückter - Osaka

Bereits nach den ersten paar Stunden in Osaka verstehen wir, wie viel Wahrheit in dem Mythos steckt, die Menschen seien hier anders. Wir dachten wir hätten in zwei Wochen Japan schon viel verrücktes gesehen, aber Osaka setzt dem Ganzen nochmal die Krone der Verrücktheit auf. So oft stehen wir in den Menschenmassen und staunen einfach nur mit offenem Mund. 

Die Menschen scheinen hier wirklich ein andere Schlag, als im Rest von Japan, zu sein. Sie rauchen in den nicht gekennzeichneten Bereichen, haben bunte Haare, sind auffällig geschminkt, gehen bei Rot über die Ampel und trinken Alkohol auf der Straße. Die Werbung der Geschäfte ist hier noch schriller. Die Mitarbeiter sind verkleidet, grölen übers Megaphon die Angebote und führen Tänze auf, um Kundschaft anzulocken. 


Namba - Hier werden Sie unterhalten

Namba ist das Entertainmentviertel, quasi das "Akihabara" von Osaka. Das Viertel ist vollgestopft mit Geschäften, Karaoke Bars, Spielhallen, Restaurants und riesigen Werbetafeln. An den Gebäuden befinden sich riesige Sushistücke, Kugelfische, ganze Rinder und Oktopusbällchen aus Plastik, um die Menschen auf das jeweilige Restaurant aufmerksam zu machen. Vor einem Restaurant bleiben wir hängen und schauen einer überdimensionierten Plastik-Krabbe bei ihrem Tanz zu. 

Dotonbori ist das Epizentrum vom Namba. Die engen Straße verlaufen direkt am Dotonbori Fluss. Die vielen Werbetafeln, auf engstem Raum, faszinieren uns vor allem im Dunkeln. Überall blinkt und leuchtet es und wir wissen gar nicht in welche Richtung wir zuerst sehen sollen. In Tokio haben uns die Werbetafeln ja schon beeindruckt, aber in Osaka ist alles irgendwie noch vollgestopfter und näher beieinander. 

Die wohl am häufig fotografierteste „Sehenswürdigkeit“ ist die Werbetafel der Süßigkeitenfirma Glinco. Abgebildet ist ein jubelnder Läufer, der grade ins Ziel spurtet. Was jetzt die tiefere Bedeutung des Läufers sein soll, man weiß es nicht. 

Vor der Glinco Werbetafel werden wir von einem älteren japanischen Ehepaar angesprochen. Das ist nichts ungewöhnliches. Wir sind ja schon öfter angesprochen worden. Meist wollen die neugiereigen Japaner einfach ihre Englischkenntnisse etwas aufbessern. Sie sah relativ normal aus, eine liebe alte Dame. Er allerdings war ein schräger, aber liebenswerter Typ. Große Sonnenbrille im Gesicht, Hut auf dem Kopf, schicker Anzug, ziemlich viel Silber im Mund und eine ordentliche Alkoholfarne. Wir quatschten ein bisschen, er fragte uns ein bisschen aus und zum Abschluss gab es ein Foto fürs Album. Skurrile Persönlichkeit, aber irgendwie sehr passend in diesem Viertel, in dieser Stadt.  


Kuromon Market - Von Kugelfisch bis Unterhosen

An letzten Nachmittag schlenderten wir noch über den lokalen Kuromon Markt. Auf dem Markt findet man wirklich alles. Das Unterhosefachgeschäft befindet sich neben dem Fischstand und der Gemüseverkäuferin. Jeder Stand duftet anders und wir schlängeln uns langsam durch das quirlige Markttreiben. 

Eine japanische Spezialität, die auf diesem Markt besonders verbreitete zu sein scheint, ist Kugelfisch. Die richtige Zubereitungsart ist extrem wichtig, denn wenn Teile des Darms oder der Leber verzehrt werden, ist schnell Schicht im Schacht. Daher dürfen nur lizensierte Restaurants und Geschäfte Kugelfisch verkaufen und zubereiten. Die Kunst der Zubereitung liegt darin, gerade noch tolerierbare Giftdosen zu belassen, die neben einem prickelnden Taubheitsgefühl im Mund beim Gast auch rauschhafte Euphorie auslösen sollen. Diese Spezialität ist relativ hochpreisig und gilt daher für die Japaner als Statussymbol. 

Wir sind der Meinung, der Mensch muss ja auch nicht alles essen und dazu gehört unter anderem Kugelfisch. 

Uns haben es hingegen die kleinen Oktopusbällchen, Takoyaki, angetan. Takoyaki ist in Osaka weit verbreitet und an jeder Ecke findet sich ein anderer Stand, der die Bällchen verkauft. Verkaufsstände sind teilweise so erfinderisch, dass sie ihre eigenen Werbelieder komponieren, die den ganzen Tag rauf und runter dudeln. 

An einem bekannten Takoyaki-Stand stehen wir etwas länger in der Schlange und können nachher das Werbelied mitsingen. 

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Hannes u.Doris (Mittwoch, 21 November 2018 16:32)

    Ja ihr beiden Leckerschmecker, den Kugelfisch hätte ich auch nicht probiert.Das bunte Treiben in Osaka ist der krasse Gegensatz zu Nara.Ihr habt den Vergleich, wir jetzt auch.Schöne Bilder und wieder einmal ein sehr anschaulicher Bericht. Liebe Grüße, wir freuen uns auf weitere Abenteuer.