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Orang-Utan Liebe

In Sepilok, in der Region Sabah, befindet sich das Orang-Utan Rehabilitation Center. Das Center besitzt ein großes Naturreservat und eine Aufzuchtsstation für Orang-Utans. Sie kümmern sich um gerettete Affen, die der Waldrodung aufgrund von Palmölplantagen oder illegalem Handel zum Opfer gefallen sind. Hier lernen sie wieder in freier Wildbahn zu überleben und werden möglichst schnell in das Naturreservat aus gewildert. 

Orang Utan Gene stimmen bis zu 97% mit unseren Genen überein und sie sind somit nach den Schimpansen und Gorillas unsere nächsten Verwandten.

In den Regenwäldern von Sumatra und Borneo gibt es die letzten frei lebenden Orang-Utans. Wahrscheinlich gibt es weniger als 60.000 Tiere und schon in 10-20 Jahren könnten sie ausgestorben sein. 

Scheiß Palmöl

Während unserer Reise durch Malaysia und Borneo haben wir etliche Palmölplantagen gesehen. 

Wir haben uns noch nie Gedanken über Palmöl gemacht. Doch jetzt, wo wir den letzten frei lebenden Orang-Utans der Welt gegenüber stehen und uns fragen, wie es soweit kommen konnte, kommen wir an dem Thema Palmöl nicht vorbei.

Malaysia, Borneo und Indonesien sind die wichtigsten Anbauländer für Ölpalmen. 

Das Problem ist, dass für den Anbau solcher Plantagen Regenwälder abgeholzt werden müssen. Dadurch verlieren viele Tiere, unter anderen die Orang-Utans, ihren natürlichen Lebensraum. Wenn die Orang-Utans wieder auf die Plantagen zurückkehren, sind sie leichte Beute für Jäger. Sie werden entweder getötet oder eingefangen, um sie dann teuer zu verkaufen. 

Palmöl ist in vielen Produkten, wie Waschmittel, Lebensmittel oder Kosmetikartikeln zu finden. Wir kauften Produkte in denen Palmöl enthalten ist, unwissend was am anderen Ende der Welt dafür zerstört wird. Wenn man jetzt mal mit offenen Augen durch den Supermarkt geht, erkennt man das in fast jedem Produkt Palmöl enthalten ist. 

Der weltweite Verbrauch verdoppelte sich in den letzten 10 Jahren. Die Ölpalme ist dreimal so ertragreich wie Raps, daher ist es günstiger in die Produkte das billige Palmöl zu mischen. 

Der einzige natürliche Feind der Orang-Utans ist der Mensch und er ist fröhlich dabei, den natürlichen Lebensraum unwiederbringlich zu zerstören und die Tiere auszurotten.

Schule für die kleinen

Gerade junge Orang-Utans haben ohne ihre Mutter kaum eine Überlebenschance. Die Mütter zeigen ihren Kindern bis zu 10 Jahren, wie sie in der Wildnis überleben: Wie sie klettern, was sie essen dürfen und wie sie sich ihr Nest für die Nacht bauen. Orang-Utans schlafen in den Bäumen und bauen sich jeden Abend ein neues Nest. Somit sind sie die größten, auf Bäumen lebenden, Tiere. 

Wenn ein Junges viel zu früh von seiner Mutter weggenommen wird oder die Mutter stirbt, hat es viele wichtigen Fähigkeiten, um im Regenwald zu überleben, nicht gelernt. 

In der Aufzuchtsstation lernen sie von den Rangern die Dinge, die ihnen sonst ihre Mutter beigebracht hätte. 

So schnell wie möglich, werden sie dann in das Naturreservat aus gewildert.

Fresschen für die Menschenaffen

Im Rehabilitation Center gibt es zwei Fütterungszeiten täglich, um 10 Uhr und 15 Uhr. So werden die aus gewilderten Orang-Utans anfangs bei ihrer Futtersuche unterstützt. Irgendwann benötigen Sie diese Hilfe nicht mehr und wandern weiter in den Regenwald hinein. Der Besuch in dem Rehabilitationscenter ist keine Garantie, Orang-Utans zu sehen. Sie leben hier frei in ihrem natürlichen Lebensraum und können die Unterstützung in Anspruch nehmen, oder auch nicht. Allerdings finden sich meistens einige Orang-Utans die sich ein Leckeren bei den Fütterungszeiten abholen. 

Ein Orang Utan  klettert an einem Seil durch den Dschungel

Das Buffet ist eröffnet

Da wir jede Menge Zeit in Sepilok eingeplant hatten, konnten wir beide Fütterungszeiten an dem Tag besuchen. Wir waren pünktlich um 9 Uhr zur Öffnung vor Ort und liefen auf den Wegen in den Regenwald hinein. Wir hörten es immer wieder in den Bäumen rascheln und knacken. Manchmal konnten wir einen Büschel Fell erkennen. 

Zur ersten Fütterung um 10 Uhr ließen sich 5 Menschenaffen das Buffet nicht entgehen, mit dabei war auch ein kleiner Orang Utan.

Als die Fütterung vorbei war, die Orang-Utans wieder in den Bäumen verschwanden und die Touristen gingen, blieben wir noch sitzen. Zu den Fütterungszeiten ist das Center gut besucht, aber dazwischen waren wir teilweise allein auf den Wegen. 

Wir sahen zu, wie sich ein Flughörnchen und ein Orang-Utan an den übrig gelassenen Essensresten bedienten. 

Auf dem Weg zum Ausgang kamen uns sogar zwei Orang-Utans entgegen spaziert. Sie waren relativ unbeeindruckt von uns, schauten mal kurz zu uns hoch und liefen weiter. 

Wahnsinnig imposante Tiere.

Wir konnten uns gar nicht sattsehen, an den Menschenaffen. Als sie uns so anschauten, bekamen wir irgendwie ein schlechtes Gewissen. Unsere Art und Weise zu leben, zerstört den Lebensraum dieser Tiere.

Orang Utan Portrait

Auf Kuschelkurs

Auf den letzten Metern, kurz vorm Ausgang, hatten wir dann noch eine überraschende und verrückte Begegnung. Auf dem Weg saß erneut ein Orang-Utan. Er setzte sich in Bewegung und lief in unsere Richtung, aber anstatt an uns vorbei zu laufen, lief er direkt auf Daniel zu. Er stellte sich vor ihm auf und kletterte an ihm hoch. Ein beherzter Griff in den Nacken und schon hatte Daniel das Tier um den Hals hängen. Als der Orang-Utan dann allerdings begann Daniels Kinn abzuknutschen und ihm Cap und Brille runterzog, war es uns dann doch etwas zu viel Körperkontakt. Daniel hatte Mühe das Tier von sich loszubekommen. Als er es endlich geschafft hatte, den Orang-Utan abzusetzen, konnten wir schnell das Weite suchen. 

Was ein Schrecken auf den letzen Metern. Wir wussten ja nicht, wie der Orang Utan reagiert, ob er beißt oder nur spielen will. Weh tun wollten wir dem Tier natürlich auch nicht. Etwas durcheinander, gingen wir zum nächsten Ranger und erklärten ihm die Situation. 

Er ärgerte sich darüber, dass keiner von ihnen in der Nähe gewesen war, um uns zu helfen. Die Ranger kennen die Affen und er erklärte uns, dass es sich um das Männchen "Kalabatu" gehandelt hat. Er ist wohl sehr verspielt und mag den Kontakt zu Menschen. Wahrscheinlich hat er Daniels Cap, Brille oder Bart interessant gefunden und wollte sich das mal aus der Nähe ansehen, oder er wollte schmusen. Auf dem Foto ist zu erkennen, dass die Liebe eher einseitig ist und von Kalabatu ausgeht. 

orang Utan Portrait
Orang Utan klettert Menschen hoch
Geschockter Mann mit Kappe hat Orang Utan auf dem Arm

Wir hatten einen sehr schönen Tag bei den Orang-Utans. Es war wirklich toll, die Menschenaffen in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten zu können, ohne Zäune und Käfige. 

Wir haben uns vorgenommen zu Hause, bewusster einkaufen zu gehen und so Produkte in denen Palmöl enthalten ist zu identifizieren und nach Alternativen zu schauen.

Update aus Deutschland

Nach einiger Zeit in Deutschland können wir sagen, es ist gar nicht so einfach Produkten mit Palmöl aus dem Weg zu gehen. Trotzdem gehen wir viel bewusster einkaufen und schauen bei vielen Produkten nach Alternativen. Wir können die App „Code Check“ empfehlen. Einfach Barcode scannen und es werden die Inhaltsstoffe angezeigt, die bedenklichen Stoffe sind direkt rot markiert. Die App zeigt auch Alternativprodukte an. Unser Lieblingsaufstrich Nutella ist jetzt endgültig aus dem Rennen, tatsächlich ist es aber auch möglich ohne Nutella zu frühstücken. 

Wir verlassen Borneo

Borneo hat uns einzigartige Naturerlebnisse und unvergessliche Momente beschert. Ob unter Wasser, bei den Orang-Utans oder mitten im Dschungel. Wir sahen tolle Sonnenuntergänge, beobachteten viele Tiere, lernten unheimlich viel und trafen interessante Menschen.

Wir wurden komplett nass geregnet, waren völlig durchgeschwitzt oder/und von Kopf bis Fuß mit Moskitospray eingesprüht. Es war einige Male nicht wirklich komfortabel, anstrengend und auch ekelig. 

Aber wir wurden mit schönen Landschaften und Tieren belohnt, die teilweise nur auf Borneo leben und schon in einigen Jahren ausgestorben sein könnten. Wir werden noch oft an einige Momente zurück denken. 

Borneo hat uns ermöglicht hinter die Kulissen zu blicken und manches Handeln einmal zu überdenken. 

 

Malaysia hat uns mit seinem bunten Multikulti Mix wirklich überzeugt und begeistert. Die Menschen sind wirklich sehr freundlich, interessiert und tolerant. 

Obwohl das Land stark muslimisch geprägt ist, wirkt es nicht festgefahren. 

Man hat das Gefühl, dass hier jeder so leben kann, wie er möchte. Ob mit Kopftuch, Burka oder Bindi auf der Stirn.

Malaysia, du bist ein gutes Beispiel, wie so viele verschiedene Kulturen, friedlich miteinander leben können. 

Jede Kultur bringt seine Eigenheiten mit sich, aber das macht es doch so spannend. 

Nach einer spannenden Zeit flogen wir von Borneo wieder zurück nach Kuala Lumpur. Hier übernachteten wir nur eine Nacht in der Nähe vom Flughafen, bevor es am nächsten Tag weiter gehen sollte, leider in unser letztes Land. 

Tipp Schlafen in Kuala Lumpur 

Rumah Putih Bed&Breakfast 

Wir sind vom Flughafen nur einige Minuten zur KLIA Station Salat Tinggi gefahren. Der nette Besitzer James hat uns an der Station abgeholt. Ein Pool ist vorhanden, alles ist sehr sauber und das Frühstück schmeckte wunderbar. In 5 Minuten ist man zu Fuß im kleinen Dorf, mit Restaurants, Wäschereien und Supermärkten. 

 

Tipp Flughafen Kuala Lumpur 

Wir sind mit Air Asia ins nächste Land geflogen und hatten den Premium Flex Tarif mit mehr Beinfreiheit gebucht. Damit seid ihr berechtigt, die Air Asia Lounge am Flughafen zu besuchen. Es gibt kostenlos Getränke, Snacks, schnelles Internet und gemütliche Sitzgelegenheiten. 

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