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Nyepi Day in Ubud

Nach den wundervollen Tagen an der Ostküste und im Norden von Bali machten wir uns auf den Weg nach Ubud. Das balinesische Neujahrsfest stand vor der Tür und wo lässt sich so ein Event besser feiern, als im kulturellen Zentrum von Bali, in Ubud. 

Ubud ist voll, laut und wuselig. Im Kanon wird einem zu gerufen: "Taxi, Taxi, Taxi" oder "Massage, Massage" und alles natürlich "very cheap, I swear". Sobald man aber die Hauptstraßen verlässt und in die Seitengassen geht, wird es schlagartig ruhiger und man trifft auf deutlich weniger Touristen. Wir fanden Ubud schon bei unserem letzten Besuch toll und daran hat sich nichts geändert. Man kann so schnell den Touristenströmen entfliehen und hat unheimlich viele Möglichkeiten seinen Tag zu gestalten. Zudem gibt es in Ubud so viele Möglichkeiten toll zu essen oder seine Zeit in schönen Cafés zu vertrödeln.

Taxifahrer in Ubud halten werbeschild hoch und gucken dabei aufs Handy

Wir haben uns an unserer Unterkunft für einen Tag einen Roller geliehen und sind, vorbei an herrlichen Reisterrassen und Wäldern, zu zwei Tempeln gefahren. Schon bei unserem letzten Besuch waren wir hier, allerdings mit einem Fahrer und im Zuge einer Tagestour, mit mehreren Stopps. Mit dem Roller waren wir flexibel und konnten so lange bleiben, wir wir wollten. Manchmal blieben wir am Wegesrand stehen, um auf unsere Karte zu schauen und es dauerte nie lange, bis ein freundlicher Balinese zur Hilfe eilte, um zu fragen, ob wir Hilfe brauchen.

Tipp Schlafen in Ubud 

The Village Guesthouse

Kleines Guesthouse, abseits der Hauptstraße. Es gibt nur 3 Zimmern und einen schönem Pool. Ein herrlicher Rückzugsort im wuseligen Ubud. 

Ausflug mit dem Roller

Unseren ersten Stop machten wir am Quellheiligtum Tirta Empul. Seit über 1000 Jahren baden die Einheimischen hier im heiligen Wasser, dessen Ursprung wahrscheinlich in einem der Vulkane liegt. Das Wasser soll bei der spirituellen Reinigung und bei Krankheiten helfen. Mittlerweile baden auch Touristen in den Quellen und führen die rituelle Reinigung durch. Der Tirta Empul ein herrlicher Ort ist. Die Anlage ist einer der heiligsten und wichtigsten Tempel auf Bali und gehört zu den neun Staatstempeln. 

In einer wunderschönen Schlucht am Pakrisan Fluss liegt unser zweiter Stop, die Königsgräber Gunung Kawi. 286 Stufen führen in das idyllische, grüne Tal, durch das der Fluss plätschert. An zwei gegenüberliegende Felswände wurden wurden insgesamt zehn riesige Denkmäler errichtet, die in den Stein gehauen sind. Die Anlage versprüht unheimlich viel Ruhe.

Tirtam Empul in Bali. Menschen baden in heiligem Wasser
Gunung Kawi

Der Sonnenaufgang fällt ins Wasser

An einem Morgen machten wir uns bereits um 6 Uhr auf die Socken, um den Sonnenaufgang in den Reisfeldern mitzuerleben. Leider machte uns relativ schnell der Regen einen Strich durch die Rechnung, so dass wir es erst gar nicht bis in die Reisfelder schafften. Wir stellten uns gegenüber vom Markt in Ubud unter. Morgens ist der Markt noch fest in der Hand der Einheimischen. Sie kaufen hier alles ein: Gemüse, Obst, Fleisch, Blumen für die Opfergaben, Räucherstäbchen usw. Ein paar Stunden später ist der Markt nicht wieder zu erkennen. Die unzähligen Souvenirshops versuchen dann Kleidung, Kunst oder anderen Klimbim an die Touristen zu verkaufen. Da unsere Wanderung in die Reisfelder ja nun ins Wasser gefallen war, mischten wir uns unter die Einheimischen und wurden durch die engen und vollen Gassen des Markts geschoben. 

Wir wechselten in Ubud einmal unsere Unterkunft, da wir dem Tipp gefolgt sind uns für das Balinesische Neujahrsfest eine weitläufigere Unterkunft zu suchen, um sich am Silent Day gut vermachen zu können. Der Pool war schön groß und direkt an den Reisfeldern gelegen. Allerdings merkten wir wieder, dass größerer Hotels meistens mit der Freundlichkeit und der persönlichen Betreuung, wie es in kleineren Gästehäusern der Fall ist, einfach nicht mithalten können.

Wir feiern balinesisches Silvester

Die Feierlichkeiten zum balinesischen Neujahrsfest ziehen sich über mehrere Tage und wir konnten auf ganz Bali beobachten, wie die Dorfgemeinschaften fleißig an ihren Ogoh-Ogoh Figuren für die Parade am Silvesterabend arbeiteten oder Musikstücke probten. 

Diese Figuren sollen böse Geister symbolisieren und sehen deswegen so schaurig schön aus, manche hatten sogar spezielle Lichteffekte eingebaut oder konnten Körperteile bewegen. Bei der Parade tragen die Gruppen die Ogoh-Ogoh Figuren unter großem Lärm durch die Straßen. Sinn dieser Zeremonie ist es, die bösen Geister zu erschrecken und so aus dem Dorf zu verbannen.

Wir wollten uns dieses Spektakel natürlich nicht entgehen lassen und stiefelten in Ubud zum Fussballplatz, wo der Umzug starten sollte. Die Stimmung auf dem Platz erinnerte uns ein bisschen an ein Festival oder eine Kirmes. Es gab Stände mit Luftballons, Getränken und indonesischen Köstlichkeiten. Es waren genau so viele Einheimische, wie Touristen da und alle waren voller Spannung und Vorfreude.

Nach und nach wurden die Ogoh-Ogoh Figuren, begleitet von lauter Musik, auf den Fussballplatz gebracht. Auf einer Bambuskonstruktion trugen viele helfende Hände die Figuren zum richtigen Platz. Einige Gruppen hatten Gesänge einstudiert. Die Figuren waren wirklich wahnsinnig detailreich und man sieht wirklich, wie viel Arbeit und Geld die Gruppen investiert haben. Es gibt einen Wettbewerb, bei dem die besten Figuren gekürt werden und so legten sich die Gruppen bei der Vorstellung besonders ins Zeug. 

Ogoh-Ogoh Figur an Nyepi
Ogoh-Ogoh Figur an Nyepi

Nachdem alle Gruppen mit ihren Ogoh-Ogoh eingetroffen waren und es langsam dunkel wurde, setze sich der Umzug langsam in Bewegung.

Ziel war eine große Kreuzung, an der sich zwei Hauptstraßen treffen. Hier sollen sich besonders viele Dämonen aufhalten. Die Figuren wurden unter großen Lärm und mit viel Musik durch die Straßen getragen. Mal liefen wir bei der Parade mit, mal sahen wir uns den Umzug vom Straßenrand aus an. Auf der Kreuzung konnte jede Gruppe nochmal ihr Können unter Beweis stellen. Sie bewegten die Ogoh-Ogoh Figuren, dass es aussah, als würden sie tanzen, sangen aus voller Kehle oder führten Schattenspiele auf. 

Es war wirklich wahnsinnig beeindruckend. Teilweise waren die Figuren so groß, dass sie nicht unter die Stromleitungen her passten. Helfer mit langen Bambusstöcken hoben die Stromleitungen an und so konnten die Figuren drunter her tanzen. 

Man hatte wirklich das Gefühl, dass sich alle Einwohner von Ubud und alle Touristen auf der Straße versammelt hatten, denn es war so dermaßen voll. Teilweise war es schon ein grenzwertiges Gedrängel und als die breiten Bambuskonstruktionen, die Leute wegdrängten, waren wir froh, etwas erhöht zu stehen.

Kurz vor Mitternacht war der Spaß dann vorbei und wir traten völlig geflasht den Rückweg ins Hotel an. So wird also auf Bali Silvester gefeiert. 

Steffi mit maskiertem Mann auf balinesischem Neujahrs Umzug
Ogoh-Ogoh Figur an Nyepi

Frohes neues Jahr 1939

Der erste Tag des Jahres 1939, laut Hindukalender, ist der Silent Day oder Nyepi. Nyepi dauert 24 Stunden und es müssen einige Regeln streng eingehalten werden, diese gelten natürlich auch für Touristen. Die Häuser und Hotels dürfen nicht verlassen werden. Auf den Straßen patrouillieren Religionspolizisten und wer doch auf die Straße geht, muss mit hohen Geldstrafen rechnen. Es darf kein Licht oder Feuer gemacht werden. Keine nationale Radio- oder Fernsehstation sendet. Der Flughafen ist geschlossen, es fahren keinerlei Transporte und ganz Bali kommt heute zum Erliegen. Eine Insel in völliger Ruhe. Die vertriebenen bösen Geister sollen so denken, dass Bali nicht bewohnt ist. Dann lohnt es sich nicht für sie, sich hier nieder zu lassen und sie ziehen weiter. 

Viele Balinesen verbringen diesen Tag in Meditation. So soll es zu einem Neuanfang in möglichst großer Reinheit kommen.

Erst als die Nebengeräusche weg gefallen sind, kein Verkehrslärm oder Baulärm zu hören waren, fiel uns auf, wie laut die Tierwelt sein kann. Es war herrlich den Gesängen zu lauschen und manchmal, wenn die Vögel und Zikaden Pause machten und es ganz still wurde, spürte man, wie einmalig dieser Silent Day eigentlich ist. Manchmal konnten wir sogar die Affen vom nahegelegenen Monkey Forest hören. Wir haben diese besondere Ruhe sehr genossen. 

Es war toll, das wichtigste Fest der Balinesen hautnah mit zu erleben. Oft haben wir Kopfschüttelnd und mit offenem Mund am Straßenrand gestanden, weil wir gar nicht fassen konnten, was vor unseren Augen geschieht. Wir haben mit einigen Touristen gesprochen, die nichts vom Silent Day wussten und deren Weiterreisepläne durchkreuzt wurden. Wir finden es gut, dass Bali mal keine Rücksicht auf den Tourismus nimmt und die Touristen sich zur Abwechslung mal anpassen müssen.

Schon wieder Affen

Nachdem Ubud am nächsten Tag wieder zum Leben erweckt war, schlenderten wir an unserem letzten Tag durch den Monkey Forest. Die Anlage ist unheimlich schön und diente dem Film Dschungelbuch als Vorlage. Mit den teilweise frechen Makaken kann man sich ganz gut arrangieren, wenn man einige Regeln beachtet.

Es gibt erstaunlicherweise genügend Touristen die Bananen kaufen und sich dann wundern, dass sich 10 Affen um und auf ihnen versammeln. Mit Vorliebe schauen sie in Rucksäcke herein und klauen alles was irgendwie greifbar ist. Obwohl wir unsere Regenhülle über den Rucksack gestülpt hatten, konnte ein Affe nicht widerstehen und ist Daniel auf den Rücken gesprungen. Mein erbärmlicher Versuch ihn durch Fauchen zu vertreiben, hat ihn nicht beeindruckt. Stattdessen fauchte er um einiges lauter zurück. Als er aber merkte, dass es nichts zu holen gab, verschwand er genau so schnell, wie er gekommen war.  Anscheinend hat Daniel eine magische Anziehungskraft auf Affen. 

Wir liefen ganz gemütlich durch den Wald und schauten uns die Makaken aus sicherer Entfernung an. Vor allem die Kleinen sind wirklich drollig und ein willkommenes Fotomotiv für Daniel. 

Affenbaby im Arm der Mutter
Affenhände um Affenwald in Ubud

Nach dem Besuch im Affenwald starteten wir dann einen neuen Versuch durch die Reisfelder zu spazieren. Diesmal wurden wir glücklicherweise nicht vom Regen abgehalten. Wir liefen vorbei an saftig grünen Reisfeldern und schauten den Reisbauern bei der Ernte zu. Die Enten watschelten durch die Felder und pickten die losen Reiskörner weg. Und diese ganze ländliche Idylle befindet sich nur eine kleine Gasse von der Hauptstraße in Ubud entfernt.

So langsam neigte sich unsere Zeit auf Bali dem Ende und wir machten uns noch einmal auf den Weg Richtung Meer. 

Tipp Kaffee trinken in Ubud 

Monkey Cave Espresso Ubud

Das kleine, offene Café liegt zwar direkt an der Hauptstraße, überzeugt dafür aber mit sehr gutem Kaffee. 

Reisfelder in Ubud
Steffi steht im Sonnenuntergang vor Reisfeldern
Reisbauer kommt mit Sense in Reisfeldern auf uns zu

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