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Nara - Urlaub bei den heiligen Rehen

Nara ist vor allem wegen den vielen schönen Tempeln bekannt, aber auch einige prominente Einwohner haben die Stadt besonders interessant und einzigartig gemacht. Insgesamt leben 1300 Sikahirsche und Rehe in Nara und prägen seit Jahrhunderten das Stadtbild. 

Die einstige Hauptstadt Japans wurde damals von der bedeutenden Adelsfamilie Fujiwara angeführt. Diese Familie besaß natürlich einen Schrein für ihre Ahnen­ver­eh­rung. Die Gottheit dieses Schreins, Tekemikazuchi ritt, der Legende nach, auf einem Hirsch und sollte die Stadt beschützen. Daher hatten die Hirsche und Rehe aus dem angrenzenden Wald einen hohen Stellenwert für die Familie Fujiwara. Sie durften nicht gejagt werden und konnten sich so, frei bewegen und vermehren. Irgendwann legten sie ihre natürliche Scheu gegenüber Menschen ab und kamen immer naher an die Stadt heran. 

Nach wie vor werden die Hirsche und Rehe von den Einwohnern als heilig angesehen. 


Heilige Rehe

Es ist ein seltsames Bild und wenn wir dieses Schauspiel nicht selber gesehenen hätten, könnten wir es nicht glauben. Hinter jeder Ecke, an den vielen Tempeln oder auch mitten in der Stadt findet man Hirsche und Rehe. Sie sind neugierig, aufdringlich, verfressen und zuckersüß. Nicht selten zerren sie an Jacken, zwicken die Touristen in die Seite oder checken ganz genau, ob es nicht doch noch etwas zu holen gibt. 

An jeder Ecke gibt es liebevoll gebackene Hirschkekse, Shika-Sembei, zu kaufen. Es dauert meist nicht lange, bis die ersten Tiere erspäht haben, dass da jemand ein Leckerchen hat. Natürlich konnten wir es auch nicht lassen und kauften Kekse für die heiligen Tiere. Man muss ja auch mal was fürs Karma tun. Die kleinen Stände an denen die Kekse verkauft werden, muss man nicht lange suchen. Wo plötzlich viele Hirsche auf einem Haufen sind, kann ein Sembei-Stand nicht weit sein. Diese cleveren Viecher. 

Innerhalb kürzester Zeit versammelte sich eine Traube von Hirschen und Rehen um uns herum. Der ein oder andere Frechdachs zwickte Daniel ordentlich in den Bauch und knabberte meine Jacke an. Die meisten Tiere sind aber sehr lieb. Was wirklich erstaunlich ist, dass viele Hirsche sich verbeugen bevor sie den Keks nehmen. Das ist wirklich abgefahren. Angeblich haben die Tiere sich das von den Japanern abgeschaut und geben dieses Verhalten von Generation zu Generation weiter. Vielleicht ist es aber auch nur eine Konditionierung auf das Futter. Aber fest steht: Selbst die Hirsche und Rehe in Japan sind freundlich und höflich. Interessanterweise reguliert sich die Population selber, ohne das der Mensch eingreift. Die Hirsche werden nicht sterilisiert, trotzdem bleibt die Anzahl der Tiere gleich. Es wird gesagt, dass jährlich ca. 100 Tiere sterben und ca. 100 Tiere neu geboren werden. Vielleicht sind die Rehe wirklich heilig… 


Todaiji-Tempel, ziemlich viel Holz

Nicht nur viele Hirsche befinden sich in der weitläufigen Parkanlage, sondern aich einige Tempel und Schreine.  Nachdem wir uns von den Hirschen losreißen konnten, besuchten wir den Todajii-Tempel.

Die Maße des Gebäudes sind beeindruckend. Mit rund 57 Metern Länge, 50 Metern Breite und 49 Metern Höhe ist der Tempel das größte Holzgebäude der Welt. In der Haupthalle thront eine 16 Meter hohe bronzene Buddha-Statue, die 452 Tonnen wiegt. Im übrigen die größte bronzene Buddha-Statue der Welt. Ein Ort der Superlative, dieser Todaiji-Tempel. Daher gehört er wohl auch mit Recht zum Unesco-Weltkulturerbe. Den Eintritt in den Tempel und somit auch zu der Buddha-Statue sparten wir uns aber, denn auch von außen konnten wir das riesige Holzgebäude gut sehen. 

Kasuga-Schrein, Familienschrein der Fujiwaras

Der Kasuga Shinto Schrein ist der ehemalige Schrein, der Familie Fujiwara. Eine große Hirschstatue thront am Eingang. Der Schrein ist ebenfalls bekannt für die über 1000 Steinlaternen, die den Weg zur Haupthalle säumen. Die Laternen sind mit Moos bewachsen und verfallen langsam. Der Schrein liegt mitten im Wald und es ist herrlich ruhig. 

Im Anschluss erklommen wir den 334 Meter hohen Mount Wakakusa, der eine schöne Aussicht über Nara ermöglicht. Auch hier oben gab es einige Hirsche. Manche von ihnen hatten sogar noch ihr imposantes Geweih. Den Meisten wird das Geweih einmal im Jahr gestutzt, damit es nicht zu Verletzungen bei Mensch oder Tier kommt. 



Erdbebensimulation, ordentlich durchgeschüttelt

Nach den vielen Fotoshootings mit den Hirschen und dem Besuch eines Tempels und Schreins, besuchten wir zum Abschluss des Tages noch das Okumura Commemorative Museum. In diesem Museum dreht sich alles um das Thema Erdbeben. 

Japan liegt, wie z.B. auch Indonesien, auf dem Pazifischen Feuerring. Dieser Ring ist ein Vulkangürtel im Pazifischen Ozean und die geologisch aktivste Zone der Welt. Rund die Hälfte aller aktiven Vulkane weltweit befindet sich in diesem Gebiet. In großen Tiefen stoßen verschiedenste Kontinentalplatten aufeinander. Durch die Plattenverschiebungen entstehen Schwächezonen. Tritt die aufgestaute Energie aus, verursacht das Erdbeben und Vulkanausbrüche. Die unterirdischen Bewegungen sind also der Grund, warum in den Regionen, die entlang des Pazifischen Feuerrings liegen, Erdbeben relativ häufig sind. 

Ein netter Herr führt uns durch das kleine Museum und erläutert uns die Bauweise von neuen japanischen Gebäuden. Diese werden auf "Stoßdämpfern" gebaut, um bei einem Erdbeben die Schwingungen zu dämpfen. An verschiedenen Modellen ist der Unterschied gut zu erkennen. 

Nach der kleinen Tour bittet der Herr mich auf einem Stuhl Platz zu nehmen. 

Dieser Stuhl simuliert drei Erdbeben der Jahre 1995, 2004 und 2011, die in Japan stattgefunden haben. Ich werde ordentlich durchgeschüttelt und bin froh angeschnallt in diesem Stuhl zu sitzen. Kaum vorstellbar, wie furchtbar es sein muss, die Natur mit solch voller Gewalt zu spüren. Die letzte Simulation, das Erdbeben von 2011, dauert lange. Auch das schwere Erdbeben, bei dem ein Tsunami ausgelöst wurde und es zu einem der schwersten atomaren Katastrophen kam, dauerte damals drei unendlich lange Minuten. 

Ein sehr eindrücklicher Besuch in dem Museum mit vielen interessanten Informationen. 

Kommentare: 2
  • #2

    Hildegard van Lier (Sonntag, 18 November 2018 12:01)

    Wow, soviel wissenswertes in einem Bericht, Hut ab und danke!! Liebe Grüße aus dem frostigen Kevelaer :-)

  • #1

    Doris und Hannes (Samstag, 17 November 2018 13:54)

    Wieder eine Lehrstunde für uns..... und wieder was dazu gelernt.
    Die mit viel Hintergrundinformationen verfassten Blogs zeugen von guten Recherchen, aber auch von viel Arbeit..... und das im Urlaub....., uns eure Reiseländer näher zu bringen und unser Interesse zu wecken, über "den Tellerrand" zu gucken.
    Kompliment....., Form schärfste..... und ein herzliches DANKESCHÖN.