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Mit dem Boot durch die trockene Halong Bucht

Unser heutiges Tagesziel ist die weiter entfernte Umgebung von Tam Coc. Da wir unseren Hintern keine 20km auf schrottigen Fahrrädern zumuten wollen, mieten wir uns einen Roller in unserem Homestay. 

Einen leckeren Pancake mit Limette und einen vietnamesischen Eiskaffee später sitzen wir auch schon auf unserem heißen Gefährt. Der Roller ist in einem guten Zustand, die Tankanzeige funktioniert und die Spiegel sind auch noch dran. In Südostasien nicht selbstverständlich. In dieser Ecke ist wenig Verkehr, die Straßen sind breit und in einem guten Zustand. Da macht das Rollerfahren direkt wieder Spaß. 

King Kong in Trang An

Zuerst fuhren wir in das 8km entfernte Dörfchen Trang An. Von hier aus starten wir unsere Bootstour durch die trockene Halong Bucht. Es ist auch möglich eine Bootsfahrt direkt von Tam Coc aus zu machen. Wir haben allerdings gelesen, dass die Bootsfahrt ab Trang An landschaftlich noch beeindruckender sein soll.

In dieser Ecke Vietnams sind auch Teile des Films „Kong - Skull Island“ gedreht worden.

Vor der Bootsfahrt konnten wir zwischen drei verschiedenen Routen wählen. Route 2 und 3 machen Halt bei "Skull Island" und ermöglichen die Besichtigung des Drehorts. Da uns aber eher die schöne Landschaft interessiert, entscheiden wir uns für die längste Route und besichtigen lieber Höhlen und Tempel, statt Filmdörfer. 

In dem kleinen Holzboot schippern wir drei Stunden durch das klare Wasser des Song Sao Khe Flusses, vorbei an hohen Karstfelsen und wunderschönem Naturkino. Wir haben den King Kong Film zwar nicht gesehen, aber diese Landschaft sieht so unwirklich aus, als befände sie sich auf einem anderen Planeten. Wir würden uns daher gar nicht wundern, wenn King Kong auf einmal von einem Felsen zum anderen hüpft. 

Da unser Boot nicht motorisiert ist, paddelt der Bootsführer die ganze Zeit selber. Wir sind schwer beeindruckt von seiner Ausdauer und genießen die Ruhe, ohne Motor. Trotzdem wären wir wahrscheinlich nicht bis zur nächsten Kurve gekommen, hätten wir selbst paddeln müssen.

Der Herr spricht übrigens kein Wort Englisch und die Verständigung fällt daher nicht ganz leicht. Trotz der Sprachbarriere quasselt er uns ab und an von der Seite an und will uns etwas mitteilen. 

Mit uns sind noch zwei vietnamesische Frauen auf dem Boot, die auch kein Englisch sprechen. Sie schauen sich das Spielchen amüsiert an. Nachdem wir unsere Vietnamesischkenntnisse, bestehend aus zwei Wörtern, zum besten gegeben haben, wissen wir immer noch nicht was der Bootsführer uns sagen will, aber immerhin ist die Stimmung an Bord ausgelassen. 

Oft haben wir gehört, dass die Vietnamesen irgendwie unfreundlich sind. So richtig können wir das nicht bestätigen. Die meisten Einheimischen sind sehr nett, lachen uns oft an oder winken uns zu. Die Anderen wirken eher desinteressiert und ein wenig ruppig im Umgang. Unser Bootsführer überschüttete uns jetzt auch nicht mit Freundlichkeit, aber er bietet uns etwas von seinem Tee an. Gastfreundlich sind sie, die Vietnamesen. Unsere Mitfahrerinnen schenken uns noch einen Maiskolben, obwohl wir dankend ablehnten. Wir hassen Mais.

Da sitzen wir also ganz entspannt in dem kleinen Holzboot, mümmeln wiederwillig am Maiskolben und freuen uns über die schöne Landschaft. 

Unsere Route führt uns durch insgesamt neun Höhlen, was teilweise ganz schön spannend ist. Manche Durchfahrten sind so eng und niedrig, dass wir fast auf dem Boot liegen müssen, um uns nicht den Kopf am Fels zu stoßen. 

Der Bootsführer lenkt uns aber geschickt durch die dunklen Höhlen und bringt uns sicher wieder ans Ufer. 

Bai Dinh Tempel

Runter vom Boot, rauf auf den Roller. Weiter geht es zum nächsten Stopp. Wir fahren an herrlichen Reisfeldern, Büffeln, Enten und gebratenen Ziegen vorbei. Moment mal, gebratenen Ziegen? In dieser Region ist Ziegenfleisch eine Spezialität und ein paar Kilometer außerhalb von Tam Coc ist es möglich, eine komplett gebratene Ziege zu kaufen. Seltsamer Anblick. Hinter der Ziege sitzen mittelschwer motivierte Vietnamesen und wedeln ab und an die Fliegen von dem toten Tier. Da fahren wir lieber schnell dran vorbei. 

Nach kurzer Fahrt kommen wir am Bai Dinh Tempel an. Dieser Tempel ist der größte buddhistische Tempelkomplex in ganz Vietnam und ist ganz schön weitläufig. Für Buddhisten aus aller Welt ist dieser Ort eine beliebte Pilgerstätte. Das riesige Gelände, mit den Pagoden und vielen Buddhastatuen ist wirklich sehr beeindruckend.

Die Sonne knallt ganz schön und wir kommen ordentlich ins Schwitzen. Eigentlich wollten wir noch einen Kaffee auf dem Weg zum Bai Dinh trinken, haben aber keine vertrauenswürdige Lokalität gefunden. Die Hitze und der Koffeinentzug lassen uns faul werden und so schauen wir uns ehrlicherweise nur den oberen Teil der Tempelanlage an. 

In einem Gang entdecken wir viele kleinere Buddhastatuen, die in die Wand eingelassen sind. Später lesen wir, dass sich in diesem Gang 1000 solcher Statuen befinden. Weiter unten gibt es wohl noch 500 große, steinerne Buddhastatuen. Jede Steinstatue wiegt 2,5 Tonnen. Durch unsere abgespeckte Route sehen wir diese Statuen allerdings nicht. 

Wir schlendern dafür zur „Three Period Hall“, die erst 2008 fertig gestellt wurde. In dieser Halle befinden sich drei sieben Meter große Bronze-Buddhas. Jeder Buddha wiegt 50 Tonnen. Die drei Statuen sollen Buddha in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft darstellen. Daniel knipst heimlich ein paar Bildern von den mächtigen und strahlenden Buddhas, die eigentlich nicht fotografiert werden dürfen. 

Zum Abschluss erklimmen wir noch einen kleinen Berg, auf dem auch eine Buddhastatue thront. Von hier oben haben wir eine tolle Aussicht. Wir bestaunen eine ganze Zeit lang die weite Landschaft, werden dann aber von einigen Moskitos gestört. Wir ergreifen die Flucht und machen uns langsam wieder auf den Rückweg zum Roller und nach Tam Coc.

Ein Abschied, der schwer fällt

Schweren Herzens verlassen wir morgen Tam Coc. Wir hatten wundervoll entspannte Tage und werden die Sonnenuntergänge von unserer Terrasse aus vermissen. So wunderschön ist die Sonne hinten den Felsen untergegangen. Die Enten haben geschnattert, die Grillen gezirpt und die Fledermäuse sind um die Wette geflogen. Dazu ein kaltes Bier, den Ehemann an der Seite und die Frage, ob es grade einen perfekteren Platz auf dieser Erde gibt. Die Familie des Homestays hat uns wirklich beeindruckt. Die Besitzerin hat vor 20 Tagen ein Baby bekommen, huscht trotzdem wie ein Wirbelwind durch die Gegend und liest ihren Gästen jeden Wunsch von den Augen ab. Wir wurden so gastfreundlich empfangen, bekamen immer gratis Früchte, Wasser und einmal sogar selbstgebrannten Schnaps. 

Aber jetzt warten schon wieder neue Abenteuer auf uns und wir fahren weiter Richtung Norden. Wir werden den wunderschönen Ort Tam Coc, das Homestay und die Familie in sehr guter Erinnerung behalten. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Doris und Hannes (Samstag, 08 Dezember 2018 10:24)

    Der Name "Vietnam" war bei uns bisher eher negativ besetzt, bedingt durch den elenden Vietnamkrieg. Durch euren Blog und insbesondere durch euer Video sehen wir Vietnam nun mit anderen Augen, wir sehen die vielen positiven Seiten des Landes. Eine sehr heimelige Atmosphäre, gerade abends, bedingt durch die vielen Lampions. Schön, dass ihr dem Regen trotzt und das Beste daraus macht. Wir wünschen euch weiterhin eine gute Reise und freuen uns, mit euch Vietnam zu entdecken, passt gut auf euch auf.

  • #2

    Hildegard van Lier (Samstag, 08 Dezember 2018 17:50)

    Hallo Ihr Lieben, gut, dass ihr so runterkommen konntet und es dabei auch noch so gut getroffen habt. Ja, was will man dann noch mehr. Jetz habt Ihr wieder Kraft für neue Abenteuer. Viel Spaß dabei. Hier ist es regnerisch, uselig und stürmisch. Dezember halt. Wir haben euch lieb, Mama und Papa.