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Mit der Leeze durch Kyoto

Kyoto, eine der geschichtlich und kulturell bedeutendsten Städte Japans. Lange Zeit befand sich hier der Sitz des kaiserlichen Hofs, woran der imposante Kaiserpalast noch erinnert. Während des zweiten Weltkriegs wurde die Stadt bewusst von Bombardierungen verschont und ist daher eine der besterhaltenen Städte Japans. 1400 buddhistischen Tempel, 400 Shinto-Schreine, Paläste, Gärten und alte Gebäude sind in der ganzen Stadt zu finden. 

Wir haben eine knappe Woche Zeit, Kyoto zu entdecken. Um einen ersten Überblick zu bekommen, leihen wir uns Fahrräder am Hostel aus. 6 Wochen sind wir nicht mehr mit dem Fahrrad gefahren, da wird der Wahlmünsteraner schon leicht unruhig. 

Goldener Pavillon - ganz schön viel los

Bei bestem Wetter radeln wir zu unserem erstes Ziel. Der buddhistische Kinkaku-ji Tempel ist im oberen Teil mit Blattgold überzogen und wird daher auch Goldener Pavillon genannt. Die Lage am idyllischen See ist wunderbar. Die Bäume ringsherum färben sich langsam rot und es könnte ein so schöner, entspannter Ort sein. Könnte. Wenn da nicht so unglaublich viele Menschen wären. Wir haben gelesen, dass der Tempel sehr voll ist und sind deswegen schon kurz nach der Öffnung vor Ort. Trotzdem schieben sich die Menschenmassen schon so früh, dicht an dicht über die Wege. Vielleicht weil Samstag ist, vielleicht weil dieser Tempel zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Kyoto gehört, wir wissen es nicht. Wir versuchen trotzdem die Schönheit dieses Ortes zu genießen und die anderen Menschen, unter anderem den Deutschen im Schalke Trikot und Schal, auszublenden. 

Bevor wir uns wieder auf die Drahtesel schwingen, gönnen wir uns noch ein Eis. Daniel bekommt ein Matcha-Eis. Ich finde Matcha schmeckt nach Heu und hole mir deswegen ein Sesameis.

Goldener Pavillion Kyoto. Am Rand ein ein Baum, im vordergrund ein See im hintergrund die bergige Landschaft

Gefakte Geishas

Nach der kleinen Stärkung fahren wir weiter ins Gion Viertel. Dieses Viertel gilt als das traditionellste Viertel von Kyoto. Hier sind noch viele alte Holzhäuschen und gepflasterte, enge Gässchen zu finden. Mit etwas Glück trifft man auf eine der letzten Geishas. Leider haben die Geishas Schwierigkeiten Nachwuchs zu finden. Schuld daran ist unteranderem die 5-jährige, harte Ausbildung in Tanz, Gesang, Musik und Lyrik. 

Eine Geisha ist eine Gesellschaftsdame. Mit ihrem elegantem Auftreten und Aussehen begleitet sie Männer zum Dinner oder zu einer Feier. Mit ihr schmückt Mann sich. Der schöne Kimono sitzt stets perfekt, genau wie Haare und Schminke. Vor vielen Jahren war es der Traum vieler Mädchen, Geisha zu werden. Dies war die einzige Möglichkeit der teilweise armen Mädchen, in die Welt der Reichen und Adeligen einzutauchen. Mittlerweile wollen nur noch wenige Mädchen diese harte Ausbildung auf sich nehmen, daher wird es wahre Geishas wohl irgendwann nicht mehr geben. 

Im Gion Viertel haben wir leider keine echte Geisha getroffen, dafür jede Menge Falsche. Es gibt unendlich Shops, die das volle Geisha Programm anbieten: Kimono, Holzschuhe und eine aufwendige Frisur. In den Gassen trifft man daher auch schonmal auf muslimische Geishas mit Kopftuch. 

Platzangst in Kyoto

Auch im traditionellen Viertel von Kyoto ist es voll und so langsam werden wir etwas gefrustet und genervt. Selbst die schönste Ecke ist nur halb so schön mit solchen Menschenmassen. Die Straßen und Sehenswürdigkeiten sind heute einfach massiv überlaufen. In Tokio ist uns das nie unangenehm aufgefallen. Natürlich waren wir auch hier nicht die einzigen Menschen auf der Straße, aber der Verkehr war geordneter und die Gehwege breiter. In Kyoto drängeln sich durch die vollen Gassen auch noch die Autos. Wir hoffen einfach mal, dass dies eine Wochenend-Ausnahmesituation war und es unter der Woche nicht so voll ist. 

In Kyoto kosten die meisten Tempel und Sehenswürdigkeiten Eintritt. Daher beschränken wir uns nur auf einige wenige Tempel, für die wir bereit sind, Geld auszugeben. 

Generell fällt uns auf, dass Kyoto irgendwie teurer ist, als Tokio. In Tokio hatten wir die Qual der Wahl, wo wir Essen gehen wollen. Es gab so viele Restaurants, die gut und günstig waren. In Kyoto sind die meisten Restaurants deutlich teurer. Daher holen wir öfter im Supermarkt ein paar Leckereien. Diese schmecken auch immer hervorragend und schonen unser Budget. 

Blonde Frau drängelt sich durch dichten verkehr

Kodai-ji Tempel - Ein Lichtblick

Passend zur blauen Stunde und damit inklusive bestem Licht standen wir vor dem Kodai-ji Tempel. Wir waren auf das Schlimmste vorbereitete und darauf gefasst uns mit vielen anderen Touristen durch diesen Tempel zu schieben. Aber dieser Ort entpuppte sich als unser Lichtblick für diesen Tag. Obwohl das Licht wirklich wunderschön war und die Sonne langsam hinter den Bergen unterging, waren mit uns nur wenige Menschen in diesem buddhistischen Tempel.

Endlich mal durchatmen.

Wir schlenderten durch den schönen Garten mit moosbewachsenen Hügeln, über uns flogen schreiende Krähen und es herrschte eine mystische Stimmung. Ein fein geharkter Zen Garten offenbarte sich uns hinter der nächsten Ecke. Die Zen Mönche nutzen das Erstellen der geometrischen Muster als Meditation. Dieser Zen Garten war wohl noch nicht ganz fertig, denn in der Mitte befand sich eine nicht geharkte Stelle. Trotzdem irgendwie beruhigend, auf die schön geordneten Kíessteine zu blicken. Am Ende der Parkanlage befand sich ein kleines Stück Bambuswald. Sehr beeindruckend, wie hoch, aber gleichzeitig stabil diese Bambusrohre sind.

Tiefen entspannt, wie wir ja nach unserem Tempelbesuch jetzt waren, machten wir uns wieder auf den Heimweg. 

Ihr merkt es wahrscheinlich schon, dass es zwischen uns und Kyoto noch nicht so recht gefunkt hat. Das Umland ist wunderschön. Die Berge und der Fluss Kamo sind mit den herbstlich verfärbten Bäumen und Sträuchern wirklich schön anzusehen. Aber das Zentrum und der Rest überzeugen uns noch nicht wirklich. Mal sehen, ob sich der erste Eindruck weiter bestätigt oder Kyoto uns doch noch überrascht. 

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