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Meditationsretreat in Chiang Mai - Wie wir 24 Stunden die Klappe hielten

Da sind wir wieder. 

Im Wat Suan Dok Tempel in Chiang Mai. Genauer gesagt an der Mahachulalongkornrajavidyalaya oder kurz gesagt MCU Buddhist University. 

Am Freitag waren wir bereits hier und haben das 1 Day Meditation Retreat mitgemacht. 

Wir waren, durch unsere Reise in Südostasien, schon immer interessiert am Buddhismus und richtig meditieren wollten wir auch schon immer mal. 

Der sympathische Mönch KK hat uns an diesem Tag viel über Buddhismus und Meditation erklärt. Er hatte dabei immer einen flotten Spruch auf Lager und war somit so ganz anders, als wir uns einen Mönch vorgestellt hatten. 

Wir übten verschiedenen Meditationspraktiken und lernten dabei, dass es gar nicht so einfach ist sein „Monkey Mind“ abzustellen und sich nur auf seine Atmung zu konzentrieren. 

Eigentlich hätten wir gerne direkt das 2 Day Meditation Retreat gemacht. Dieses findet aber nur Dienstags statt und passte nicht so gut in unseren Zeitplan, weil wir Chiang Mai eigentlich Montag verlassen wollten. 

Da wir aber am Freitag so viel gelernt haben, was gut im alltäglichen Leben anwendbar ist und es die Möglichkeit eines 2 Day Retreats nicht so häufig gibt, blieben wir doch länger in Chiang Mai. Die meisten Meditations- und Schweigeretreats dauern 10 bis 30 Tage. Für Anfänger ist das ziemlich lang und das 2 Day Retreat der MCU bietet die Möglichkeit, einfach mal in die Thematik Buddhismus und Meditation hinein zu schnuppern. 

Jetzt sitzen wir also wieder hier und lauschen erneut der Einführung über Buddhismus und Meditation, diesmal von Mönch Son. Auch er ist nicht weniger humorvoll und wirkt genau wie KK sehr entspannt und offen. Die beiden umgibt so eine friedliche und positive Aura. 

Keine Religion - Eine Philosophie

Was uns sehr überrascht hat, dass Buddhismus keine Religion, sondern eine Philosophie ist. Wir waren immer der Meinung, dass die Buddhisten ihren Gott „Buddha“ anbeten. Oft haben wir Mönche gesehen, die sich vor Buddhastatuen verbeugen und ein Gebet sprechen. 

Aber Buddha ist kein Gott und die Buddhisten beten nicht zu ihm. 

Buddha war einst ein Mensch, bevor er mit 35 Jahren erleuchtet wurde. 

Die Sprechgesänge der Buddhisten werden buddhistisches Mantra oder Chanting genannt. Diese Mantras und ebenso das Verbeugen, soll Buddha Respekt erweisen. Inhaltlich handeln die Mantras über Buddhas Lehre. Die Buddhisten nutzen es, um das Gelernte zu vertiefen und zu meditieren. 

Die Geste der Verbeugung ist in Thailand generell sehr verbreitet. Die Thais sind sehr respektvoll und drücken dies durch eine Verbeugung aus. 

KK und Son erklären uns einige der vielen buddhistischen Grundsätze. 

Gutes vollbringen - Schlechtes ver-meiden. Buddhisten glauben an Karma. Was du gibst, kommt auch zu dir zurück. Heißt: Wenn du gutes vollbringst, wird dir auch gutes widerfahren.

Balance zwischen Geist und Körper =

Balance im Leben. Dies gelingt durch Moralische Stärke, Mentale Stärke und Weisheit. Buddha nannte dies den „Noble Eightfold Path“ - den Mittelweg.

Lass es passieren, lass es kommen, lass es gehen. Nichts ist von Dauer. Lebe im Jetzt. Vergiss die Vergangenheit, denke nicht an die Zukunft. Fokussiere den Moment. 


Ruhe bitte

Nach der Einführung wird unsere 44-köpfige Gruppe in das Mediatationszentrum, eine Stunde außerhalb von Chiang Mai, gefahren. Hier werden wir die Nacht verbringen. 

Als erstes geht es an die Zimmeraufteilung. Es ist nicht erlaubt, dass Männer und Frauen sich ein Zimmer teilen. Meine Mitbewohnerin ist eine Französin, in meinem Alter, ebenfalls auf Weltreise. Daniel teilt sich das Zimmer mit einem Deutschen, der als digitaler Nomade in Chiang Mai lebt. 

Wir werden gebeten unsere weiße Kleidung anzuziehen, der Balance wegen. 

Kurze Zeit später ertönt der Gong und als wir uns alle versammelt haben, werden wir gebeten, ab jetzt zu schweigen. In den nächsten Stunden wird klar, dass dies nicht nur eine höfliche Bitte war. Es ist nicht erlaubt zu sprechen, darauf machen uns KK und Son immer und immer wieder aufmerksam. Um kurz vorzugreifen: Alle haben sich an diese Regel gehalten. Außer ein Chinese, der hat es irgendwie nicht begriffen und einen öfter von der Seite angequatscht. Auch das Verbot, Handys zu benutzen, ist wohl an ihm vorbei gegangen. 

In unserem ersten Treffen üben wir die Meditation im Sitzen und im Laufen. 

Egal welche Technik angewandt wird, wichtig ist, dass sie langsam und konzentriert ausgeführt wird. Bei der sitzenden Meditation konzentrieren wir uns auf unsere Atmung, bei der Meditation im Laufen, auf die Bewegung. 

Grade bei der sitzenden Meditation ist es nicht einfach konzentriert zu bleiben. Schnell sind die Gedanken bei übermorgen oder beim einschlafenden Bein, anstatt bei der Atmung. 

Da hilft nur eins: Werde Dir der Störung bewusst, verinnerliche sie, lass sie gehen und konzentriere dich wieder auf deine Atmung. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. 

Erste Challenge

Unsere letzte Meditation vorm Abendessen, findet draußen statt. Wir nehmen unser Kissen und stellen uns so vor die Buddhastatuen, wie KK es uns sagt. Als ich zu meinen zugewiesenen Platz laufe, erkenne ich die erste Challenge für heute. Mein Platz soll also inmitten einer Ameisenstraße sein. Die fleißigen Ameisen transportieren einen erlegten Regenwurm ab. Und ich mitten drin. Na gut: Lass es kommen, lass es gehen. Erstaunlicherweise stören die Ameisen meine Meditation nicht. Keine einzige krabbelt über mich. Dafür lass ich mich erneut von meinem eingeschlafenen Bein stören. 

Habt ihr mal 20 Minuten still im Schneidersitz gesessen? 

Nach der Meditation laufen wir schweigend zum Essensraum. Wir sitzen uns an lange Tisch, allerdings nur nebeneinander und das mit genügend Abstand. Wir dürfen uns nicht gegenüber sitzen. Ein bisschen komme ich mir vor wie im Knast.

Bevor wir Essen, sprechen wir zusammen eine Art "Erklärung". In dieser geht es darum, dass nicht aus Lust und Freude gegessen wird, sondern nur um dem Körper zu geben, was er braucht und um keinen Hunger zu leiden. 

Mönche essen aus diesem Grund nur zweimal am Tag. Sie verzichten auf das Abendessen. KK isst sogar nur einmal am Tag. 

Na dann mal guten Appetit. Da schmeckt das Essen ja gleich viel besser. Nicht. 

Aber gut, alles Teil der Erfahrung. 

Stille Nacht, lauter Morgen

Einige Zeit nach dem Abendessen, wird der Gong geläutet und wir finden uns wieder alle zusammen. Es werden erneut verschiedene Meditationstechniken praktiziert. Um 21 Uhr werden wir in die Nachtruhe entlassen. Das Licht in unserem Zimmer wird relativ schnell ausgemacht und so liege ich auf dem ziemlich harten Bett und frage mich, ob ich wohl vom Morgengong wach werde. 

Und ja, ich werde es. Um 5 Uhr gibt einer der Mönche sein Bestes am Gong. Es scheppert mehrmals ordentlich in den Ohren und das ganze wird dreimal wiederholt. Jetzt sollte wohl auch der Letzte wach sein. 

Also ab unter die Dusche, rein in die weißen Sachen und rauf aufs Meditationskissen. Nach drei Meditationen im Sitzen gestern, habe ich jetzt auch eine Position gefunden, in der mein linkes Bein erst nach ca. 15 Minuten einschläft. Bleiben noch weitere 15 Minuten um das kribbelnde Gefühl kommen und wieder gehen zu lassen. 

Almosengang der Mönche

Nach der Meditation zeigen KK und Son uns, wie die Mönche jeden Morgen durch die Dörfern ziehen und Essen erhalten. 

Da Mönche kein Geld verdienen und in Thailand ein sehr hohes Ansehen genießen, ist es eine alte Tradition, dass die Dorfbewohner, aus Respekt und für gutes Karma, den Mönchen Essen spenden. Die Dorfbewohner sind in diesem Fall wir. Wir stellen uns in eine Reihe und KK und Son laufen mit ihren Schalen an uns vorbei. Wir spenden Ihnen Reis, manche haben im kleinen Shop noch zusätzlich Milch oder was Süßes gekauft. 

Nach dem Almosengang sprechen KK und Son ihren Dank und ihre Wünsche für uns, zusammen. Wir knien dabei und haben unsere Hände im Thai Style gefaltet.

Eine schöne Atmosphäre. Es ist erst 6:30 Uhr und noch recht kühl. Die Natur erwacht mehr und mehr aus der Nachtruhe und durch die Luft hallen die thailändischen Wünsche. 

Obwohl wir schon etwas Zeit mit den beiden Mönchen verbracht haben und wir KK ja schon von Freitag kennen, bin ich immer noch sehr ehrfürchtig und halte etwas Abstand. In ihren aufwändig gebundenen Roben strahlen sie einfach so etwas Besonderes aus. Außerdem ist es buddhistischen Mönchen nicht erlaubt, eine Frau zu berühren und ich möchte vermeiden, dass ich aus Versehen einen der Beiden anrempele. 

Jeder für sich

Beim Frühstück sitzen wir wieder in einer langen Reihe, keiner guckt den anderen an, alle schweigen. Wir lesen die Erklärung zum Essen erneut. So werden wir es auch beim Mittagessen machen. Das Essen ist übrigens vegetarisch. Mönche töten keine Tiere und leben deswegen vegetarisch. 

Nach dem Frühstück ist Eigenstudium angesagt. Jeder soll zweimal 1 Stunde meditieren. Zweimal 30 Minuten im Sitzen und zweimal 30 Minuten im Laufen. 

Ich suche mir ein Plätzchen im Halbschatten, unter einem Baum. Als ich die Augen irgendwann öffne, entscheide ich anhand der Ameisen und der Raupe, die sich auf mir befinden, dass es Zeit zum Laufen ist. 

Die zweite Runde schwänze ich. Ich suche mir eine ruhige Ecke in der Sonne und tue nichts. Wer hätte gedacht, dass meditieren so anstrengend sein kann. Daniel macht, löblicherweise, alle Übungen für sich. 

Nach dem Mittagessen gibt es noch eine Fragerunde, in der jeder Fragen stellen kann. Das Redeverbot ist somit aufgehoben. 

Einige Zeit später sitzen wir wieder in den roten Songthaews. Wir verlassen das Meditationszentrum und lassen KK und Son zurück.

Was bleibt ist ein unvergessliches Erlebnis, aus dem wir einiges mitnehmen konnten. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Hannes u.Doris (Freitag, 21 Dezember 2018 19:11)

    Hallo ihr Lieben, wir können uns gut vorstellen, dass man beim Meditieren gut abschalten .Vielleicht kann man einiges im Berufsleben bei der Arbeit anwenden. Ich stelle es mir sehr schwer vor ,so lange im Schneidersitz zu verharren. Jetzt habt ihr den Kopf frei und könnt eure Zeit am Strand genießen. Einen schönen vierten Advent aus Hüthum. Liebe Grüße und passt auf euch auf.