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Müllsammeln ist sexy - Beach Clean up auf Koh Lanta

Ihr Lieben, das war es mit 2018.

Für uns war dieses Jahr wohl das spannendste und aufregendste Jahr bisher. Wir haben ziemlich viel gelernt, tolle Bekanntschaften gemacht und viele Momente erlebt, die wir nie vergessen werden. Wir waren konfrontiert mit Dingen, die wir so sonst nicht auf dem Schirm gehabt hätten, sei es die Apartheid, der 2. Welt- oder Vietnamkrieg. 

Danke, dass ihr mit uns reist. Danke, dass ihr euch genauso für die Geschichten und Hintergründe einer Kultur und eines Landes interessiert, wie wir. 

Seitdem wir wieder in Südostasien sind, überlegen wir, wie wir das Thema Müll aufgreifen können. 

Das Südostasien ein Müllproblem hat, ist nicht neu. Länder wie Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam oder Indonesien ersticken teilweise im Müll. 

Wir befassen uns mit diesem Themen, versuchen bewusst zu reisen, aber wir machen bei weitem nicht alles richtig. Wir kratzen nur minimal an der Oberfläche des Umweltbewusstseins und der Nachhaltigkeit. Deswegen waren wir bisher etwas zurückhaltend große Reden zu schwingen und Ratschläge zu verteilen. 

Motiviert durch das Beach Clean up, organisiert von Trash Heros Koh Lanta, haben wir versucht einige Hintergrundinformationen zum Müllproblem in Südostasien und vor allem in Thailand rauszufinden. Das Thema ist sehr komplex, unfassbar vielfältig und frustrierend.

Dieser Bericht ist also absolut nicht vollständig und spiegelt lediglich unsere Erfahrungen und Meinungen wieder. Wir wollen keinem auf den Schlips treten, die Einheimischen oder Touristen beschuldigen oder uns als Super-Duper-Umweltaktivisten darstellen. Wir wollen euch lediglich einen Eindruck verschaffen und erklären, wie wir versuchen bewusst zu reisen. Vielleicht geben wir dem einen oder anderen sogar einen Denkanstoss oder einen anderen Blick auf die Dinge. 

Unschöne Fakten

Die Gründe für das Müllproblem in Südostasien sind also ziemlich vielfältig. Man kann nicht nur einer Gruppe den schwarzen Peter zuschieben und behaupten die Einheimischen seien so rücksichtslos oder die Touristen produzieren so viel Müll.  Das Problem ist viel komplexer. 

Die schlechte Aufklärung führt dazu, dass bei der Bevölkerung häufig zu wenig Umweltbewusstsein vorhanden ist. Die meisten Einheimischen wissen es oft einfach nicht besser. 

Die mangelnde Unterstützung seitens der Politik erschwert vielen Ländern einen bewussten Umgang mit Müll. Oft fehlt Geld oder auch das Bewusstsein für die Wichtigkeit dieses Themas. 

Es gibt nach wie vor wenig Recycling Möglichkeiten und teilweise gar keine Müllabfuhr auf den Dörfern. 

Die vielen Touristen, die Südostasien bereisen, produzieren noch mehr Müll, der nicht verwertet oder abtransportiert werden kann. 

Kein Einkauf ist ohne Plastikmüll möglich. Alles ist dreimal verpackt und im Supermarkt gibt es die obligatorische Plastiktüte schon beim kleinsten Einkauf gratis. 

Wegen fehlender Kläranlagen wird das Abwasser teilweise ins Meer gepumpt. 

Ein absoluter Teufelskreis. 

Fest steht: Ändert sich nichts, werden Touristen bald nicht mehr an schönen Stränden liegen, sondern ihre Strandmatte auf einer Mülldeponie nieder legen. Sie baden dann nicht mehr im Meer, sondern in einer Kloake. 

Schon in 35 Jahren könnte dreimal mehr Plastik im Meer schwimmen, als Fische. 

Im Mai verendete ein Wal im Golf von Thailand elendig. Trotz fünf tägiger Rettungsaktion konnte ihm nicht geholfen werden. Bei der Obduktion fand man in seinem Magen 80 Plastiktüten und 8kg Plastikmüll. Dieser Wal ist nur ein trauriges Beispiel für die katastrophale Situation in unseren Meeren. Die Fische und Säugetiere fressen unseren Müll, unseren Dreck. Sie verrecken daran. 

Thailand rechnet 2019 mit 40 Millionen ausländischen Besuchern, was mehr als die Hälfte der Landesbevölkerung entspricht. Heißt auch Müll für über 1,5x Landbevölkerung. 

Auf Koh Lanta fallen täglich 50 Tonnen Müll in der Hauptsaison an, auf Koh Samui sind es sogar 150 Tonnen.

Zahlen und Fakten die uns sprachlos machen. Mitten im Geschehen können wir die Augen nicht verschließen. Wir sind mitten im Problem, mitten im Müll. 

Die erste vorsichtigen Schritte in die richtige Richtung

Ganz leise ist ein Umdenken hörbar. Momentan noch zu leise. Aber die Politik wird aufmerksamer. 

Die berühmte Maya Bay in der Andamanensee, in der schon Leonardo DiCaprio im Film, „The Beach“ geplanscht hat, ist mittlerweile seit einem halben Jahr für Touristen geschlossen. Der Massentourismus hatte zur Folge, dass die Bucht im Müll versank und die Korallen starben. Langsam kommen jetzt die ersten Riffhaie zurück und die Korallen erholen sich mehr und mehr.

Auf den Philippinen schloss die Regierung die Ferieninsel Boracay für mehrere Monate, um dem Ökosystem Zeit zu geben, sich zu erholen. 

Auf Koh Chang fiel uns besonders positiv auf, dass es einige Unterkünfte und Restaurants gab, denen Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein wichtig waren. Vermeidung von Plastikmüll, Wasserauffüllstationen, Recycling und Mülltrennung sind hier keine Fremdwörter. 

Die Organisation Trash Heros hat weltweit den Kampf gegen das wachsende Müllproblem aufgenommen. In Südostasien, Europa, Afrika und den USA unterstützen sie nachhaltige Projekte, investieren in Bildung und Aufklärung und organisieren regelmäßige Clean ups. 

Auch in Thailand engagieren sich viele freiwillige Helfer von Trash Hero, um ein Bewusstsein für die Müllproblematik zu schaffen. 

Auf Koh Chang verpassten wir das Beach Clean up, nahmen aber am 134. und somit letzten Beach Clean up für dieses Jahr auf Koh Lanta teil. 

Müllsammeln ist sexy

Unsere Gruppe bestand aus 35 Personen. Menschen aus verschiedensten Nationen, alt, jung, groß, klein. Alle mit dem Ehrgeiz diesen Strand in zwei Stunden von möglichst viel Müll zu befreien und der Umwelt etwas Gutes zu tun. Nach einer kurzen Einführung konnte es auch schon losgehen. Die Sonne stand zwar um 16 Uhr nicht mehr so hoch am Himmel, trotzdem sammelten nach kurzer Zeit alle den Müll mit hochrotem Kopf und völlig verschwitzt ein.

Plastik- und Glasflaschen, sowie Dosen können recycelt werden und wurden in extra Säcke gepackt. Die Säcke wurden nach dem Clean up Einheimischen mitgegeben, die sie auf dem Festland verkaufen können. Der andere Müll, wurde zu einer Mülldeponie gebracht. Die Freiwilligen der Trash Heros sagen zu Recht, dass es besser sei, wenn der Müll auf einer Deponie lagert, als am Strand. Allerdings verrottet er dann da, oder eben nicht. Wusstet ihr das eine Styroporstück zum Beispiel 100 Jahre braucht, bis es zersetzt ist? 

Die vielen fleißigen Hände suchten den Strand und die näheren Grünflächen nach Müll ab. Wobei suchen absolut übertrieben ist. Mit Handschuhe bewaffnet sammelten wir Zahnbürsten, Strohhalme, Schuhe, Plastikflaschen, Reifen, Seile, Becher, Plastikbesteck und Feuerzeuge ein. Was die Menschen alles so in die Natur oder ins Meer werfen. Das eine oder andere Teil ist allerdings sicherlich nicht ganz freiwillig abhanden gekommen. Die großen Stücke waren leicht aufzusammeln, aber teilweise lagen kleine Plastikstücke im Sand, die wir gar nicht alle einsammeln konnten. 

Nach zwei Stunden hatte jeder schon seinen zweiten oder dritten Müllsack befüllt. Langsam wurde es dunkel und wir brachten die vielen, vielen Müllsäcke zum Parkplatz, wo sie abgeholt wurden. 

Insgesamt füllten wir 69 Müllsäcke mit unglaublichen 310kg Müll. 

Sicherlich hätten wir noch tagelang weiter Müll aufsammeln können. Es war einfach so viel, überall. Wir ahnten schon, dass es viel Arbeit sein würde, waren aber im Nachhinein doch schockiert, wie vermüllt der Klong Hin Beach war. 

Wir finden es toll das diese Clean ups wöchentlich stattfinden und somit Koh Lanta ein bisschen sauberer machen. Viele interessierte Touristen und auch Locals fragten, was wir denn da so machen. Das nahegelegene Hotel stellte uns Früchte und Wasser kostenlos zur Verfügung. Das Interesse und die Unterstützung ist vorhanden. 

Und jetzt? Welt gerettet?

Machen wir uns nichts vor, nur durch unser kleines Clean up ist die Welt auch noch nicht gerettet. Es scheint ein Fass ohne Boden zu sein. Ist das Kind schon in den Brunnen gefallen, können wir die Welt noch retten oder nur noch Schadensbegrenzung betreiben? 

Ich kann euch diese Frage nicht beantworten.

Allerdings ist nichts Tun auch keine Option. Wenn jeder bei sich anfängt und sein Bestes gibt, dann können wir andere auch zum Umdenken anregen. Es wird sich nichts ändern, wenn Du dich nicht änderst. 

Jeder sollte nach seinen Möglichkeiten versuchen so nachhaltig und umweltbewusst zu leben, wie es geht.

Es gibt kein Schwarz oder Weiß bei dem Thema. Keiner kann alles zu 100% richtig machen, aber wenn jeder ein bisschen richtig macht, ist dem Planeten, der Umwelt und uns schon so sehr geholfen. 

Wir versuchen möglichst bewusst zu reisen, versuchen nur die nötigsten Strecken zu fliegen und kurze Inlandsflüge möglichst zu vermeiden. Wir haben Zeit. Eine 12 stündige Zugfahrt ist also für uns sehr gut machbar, auch wenn der Flug viel  schneller und sogar günstiger gewesen wäre. 

Statt Plastikstrohhalme, Plastiktüten und Plastikflaschen nehmen wir eigene Metallstrohhalme, Jutebeutel und wiederbefüllbare Flaschen. Das Duschgel und Shampoo ist rausgeflogen, dafür nutzen wir den Duschbrocken. Eine Seife ohne Mikroplastik, Palmöl  und Tierversuche. 

Wir versuchen bewusster einzukaufen, legen lieber etwas zurück ins Regal und schauen nach einem Produkt mit weniger Verpackungsmüll. 

Es gibt  nur diesen einen Planeten, er ist unser Zuhause. Seine eigene Wohnung würde niemand so lieblos behandeln und mit Füßen treten. 

Wir wollen auch in 20 Jahren noch im Meer baden und barfuß am Strand laufen. 

Unsere Kinder, Enkel und Urenkel sollen Fische im Meer bestaunen und die Schönheit dieses Planeten erleben können. 

Umweltbewusst und nachhaltig leben hat nichts mit Öko oder Spielverderber zu tun.

Grade wieder ganz aktuell die Diskussion über die unnötige Feinstaubbelastung zu Silvester. Die Raketen und Böller setzen 4500 Tonnen Feinstaub frei, diese Menge entspricht in etwa 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge und das in einer Nacht!  Wie viele sich jetzt darüber aufregen, dass solche Statistiken ihnen ja auch noch den letzten Spaß kaputt machen wollen. Aber das ist ein anderes Thema. 

Aber wo soll man nur anfangen und wo aufhören? Mikroplastik, Feinstaub, Müllproblematik, Palmöl, C02 Fußabdruck… All diese Themen lassen unsere Köpfe qualmen, uns wütend werden und mit so vielen Fragen zurück.

Wir können nicht alles gleichzeitig anpacken und keiner von uns schafft es, die Welt im Alleingang und an einem Tag zu retten, aber jeder von uns kann unseren Planeten ein Stückchen besser machen und auf ihn aufpassen. Jeder kann ein Trash Hero sein.

"Be the change that you wish to see in the world"

Mahatma Gandhi

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Kommentare: 5
  • #1

    Horst van Lier (Montag, 31 Dezember 2018 16:16)

    Wow.

  • #2

    Doris und Hannes (Montag, 31 Dezember 2018 21:00)

    Wie wahr, wie wahr....., "dem asiatischem Volk" kann man, mangels Wissen, nicht unbedingt die Hauptschuld geben. Unter uns zivilisierten Europäern gibt es leider genug Zeitgenossen, denen die Umwelt scheißegal ist, so landet der Restmüll aus der "Imbissbude", aus dem fahrenden Auto hinaus, direkt in der Landschaft. Wieso nicht.....(?), es gibt doch "Doofe", die das entsorgen.
    Wir sollen unsere "eine Welt" für die nachfolgenden Generationen pflegen.....(!), aber was machen sie daraus?
    Wichtig ist, dass dieses Thema immer aktuell bleibt.....und somit...... Kompliment für eure Aktion!

  • #3

    Hildegard van Lier (Dienstag, 01 Januar 2019 13:23)

    Aber Hallo!!! Hut ab vor eurer Aktion und die dazu passenden, sehr eindringlichen Worte. Es ist wahr, wenn wir nicht endlich den Hintern hoch kriegen und endlich anfangen überall Müll zu reduzieren, ersticken wir, erst recht unsere nachfolgenden Generationen, in unsrem eigenen Dreck. Das will doch keiner, oder? Richtig, unsere eigene Wohnung halten wir sauber, aber unsrer Erde bewerfen wir mit Schmutz, Müll und Dreck. Wir treten Mutter Erde mit Füßen. Danke, Ihr Lieben für die wachrüttelnden Worte und die schockierenden Fotos. Wir werden unser Verhalten, sei es beim Einkaufen oder im Alltag, mehr hinterfragen und noch mehr drauf achten. Denn: "Alle beches bate"-frei übersetzt: "Jedes Bisschen(Wenige) hilft"!!!

  • #4

    Claudi (Dienstag, 01 Januar 2019 17:24)

    Danke für euere Worte zu dem Thema. Seit ich zu Hause bin und auch mal Zeit habe, über diese Themen mehr nachzudenken, beschäftigen mich die selben Fragen....

  • #5

    Christoph (Mittwoch, 21 August 2019 08:40)

    Danke, dass du so etwas großartiges tust und dann auch noch teilst :-) Das motiviert und inspiriert nicht nur mich sondern auch noch viele andere Menschen auf der Welt, es auch zu tun. Ich habe hier eine weltweite Karte aufgebaut, wo jeder Urlauber genau sehen kann, wo in seiner Nähe großartige Menschen regelmäßig CleanUps organisieren: https://www.careelite.de/global-cleanups/

    Der saubere Strand gibt einem schlussendlich ein richtig starkes Gefühl :-)

    Viele Grüße aus Berlin,
    Christoph