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Luxus-Busfahrt nach Kyoto

Ich fahre nicht sonderlich gerne mit dem Bus, vor allem keine langen Strecken. 

Meist wird mir nach kürzester Zeit übel, die Klos sind ekelig und das überteuerte Fast-Food Essen an den Raststätten lässt mich hungern. Die oft ruppige Fahrweise der Busfahrer trägt auch nicht zum Wohlbefinden bei. Da fahr ich lieber mit dem Zug.  

So war ich etwas skeptisch, als wir in den Bus Richtung Kyoto stiegen. Der Schikansen Schnellzug wäre eine gute Alternative gewesen. Dieser erreicht Kyoto in knapp 3 Stunden, kostet aber auch fast vier Mal so viel. Nun hatte ich 9 Stunden Zeit mich mit dem Busfahren in Japan anzufreunden. 

Tipp Busse in Japan

Willer Express Busse

Sehr komfortabel und leicht vorher übers Internet zu buchen

Die Sitze waren bequem und konnten in verschiedenste Positionen gebracht werden. Komfortabler als im Flugzeug.

Zum ungestörten Schlafkomfort trug eine am Sitz angebrachte Haube bei. Die Haube schützt vor Helligkeit und störenden Blicken vom Nachbarn. 

Die Organisation am vollen Busbahnhof lief einwandfrei und so fuhr der Bus pünktlich auf die Minute ab. 

Frau im Bus

Erst war ich etwas besorgt, weil der Bus keine Toilette hatte. Nach der ersten Pause nach 30 Minuten und der zweiten Pause nach einer weiteren Stunde, war die Sorge allerdings verflogen. Anscheinend haben Japaner auch eine schwache Blase. Nach 4 Stunden hatten wir den 3. Stopp hinter uns, jedes Mal 20 Minuten und so erklärte es sich von selbst, warum wir 9 Stunden bis Kyoto brauchten. Aber so war die Fahrt wirklich sehr entspannt. 

Die Stopps waren aber keineswegs an ranzigen Raststätten mit fiesen Toiletten. Jedes Mal gab es diverse Essensstände, Supermärkte, Restaurants und Shoppingmöglichkeiten. Neben den zahlreichen Essensoptionen waren sogar die Toiletten sehenswert. Eine schöner als die andere. Mal gab es Vogelgezwitscher, mal ein Tablet zur Bedienung der Toilette oder aufwändig dekorierte Waschräume mit Blumen oder Handtuchfiguren. 

Gestärkt nach einem unserer vielen Stopps ging es wieder in den Bus. Abfahrt war natürlich wieder auf die Minute genau. Es gilt ja einen Zeitplan einzuhalten.

Und so futterten wir bestes 2,50€ Sushi aus dem Supermarkt, welches übrigens in Japan hervorragend ist, während die schöne Landschaft an uns vorbei zog. 

Überraschungsgast Mount Fuji

Überraschenderweise tauchte plötzlich der Mount Fuji vor unserer Nase auf. Der höchste Berg Japans versteckt sich häufig hinter Wolken. Wir hatten richtig Glück und konnten ihn in seiner vollen Pracht bewundern. Ein wunderschöner, majestätischer Berg. Mit seiner schneebedeckten Kuppel ist der 3776 Meter hohe Berg eines der beliebtesten Fotomotive. 

So vertrödelten wir die Zeit mit Essen, lesen, aus dem Fenster schauen und Video schneiden. 

Mount Fuji, im vordergrund Autobahn

"Darum spinnen die Japaner"

Im Hostel in Tokio haben wir uns aus dem Bücherregal ein passendes Buch mitnehmen dürfen. Christoph Neumann beschreibt in seinem Buch „Darum spinnen Japaner“ den Alltag und das Leben der Japaner. Die vielen lustigen Anekdoten erklären so manches Verhalten des sonderbaren Völkchens. In seinen Augen ist die Sehenswürdigkeit Nummer eins in Japan, die Japaner selber und das stimmt irgendwie. So albern, strukturiert, verdreht, manchmal festgefahren, traditionell und vor allem liebenswert. 

Die Zeit verging mit so viel Beschäftigung wie im Flug und wir warteten freudig auf die nächste Raststätte.

Ankunft Kyoto

Die lange Fahrt war durch die vielen Pausen sehr entspannt, da wir uns immer wieder die Beine vertreten konnten und zwischendurch ein bisschen Frischluft bekamen. 

Die vielen Stopps fanden wir auch für den Busfahrer sinnvoll. So legt auch er eine regelmäßige Pause ein. Zusätzlich kontrolliert er in jeder Pause die Reifen vom Bus und macht einen Kontrollgang um das Gefährt. Safety first, heißt es in Japan. 

Und so kamen wir 9 Stunden und 5 Stopps später sicher in Kyoto an. Natürlich pünktlich auf die Minute. Wahnsinn! 

Da kann man glatt zum Busfan werden, zumindest in Japan. 

Kommentare: 1
  • #1

    Hildegard van Lier (Montag, 12 November 2018 08:43)

    Huhu, ihr Lieben, eine total entspannte Busfahrt mit Fuji-Sicht und dann noch pünktlich ankommen. Respekt! Alles richtig gemacht. Viel Vergnügen in der Kaiserstadt. Liebe Grüße aus dem verregneten Kevelaer ;-)