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Liebes Tagebuch, heute waren wir auf einem Gletscher!

„Samstag 02.02.2019 

Liebes Tagebuch, 

heute war ein toller Tag. Zuerst sind wir mit einem Hubschrauber über den Franz-Josef Gletscher geflogen. Es wurde aber noch cooler und wir sind sogar auf dem Gletscher gelandet. Ungefähr 10 Minuten konnten wir diese völlig andere, aber wunderschöne Landschaft bestaunen, bevor es wieder in die Vogelperspektive ging. Aber auch von oben ist der Franz-Josef eine echte Schönheit. 

Danach sind wir die wunderschöne Westküste, zu unserer nächsten Campsite, entlang gefahren. Heute Nacht campen wir in Hokitika auf einem Parkplatz, hinter einem Pub. Der Besitzer ist sehr nett und braut sein Bier selber. Schmeckt sehr gut. Der Pub liegt sehr dörflich. Die Leute hier sind etwas seltsam, aber nett. Grade hat ein Mann seinen Hund über den Zaun geworfen. Als es dunkel war, sind wir noch zu einer Glühwürmchenhöhle in der Nähe gelaufen. Eigentlich war der Eingang nur ein Loch in einer Felswand. Nachdem wir uns dadurch gezwängt haben, standen wir mitten auf einer Waldlichtung. In der „Höhle“ trafen wir auf drei kiffende Deutsche. Eine seltsame Begegnung. In Neuseeland ist wohl alles möglich. Jeden Tag aufs Neue.“

 

Würde ich Tagebuch schreiben, sähe mein Eintrag für heute wohl so aus. Ich würde über einen ganz normalen Tag in Neuseeland berichten. Dem Land, in dem alles möglich ist. Manchmal heißt das eben auch Seen, Gletscher, Regenwälder, Meer, Glühwürmchen, Schnee, Eis, bestes Bier, kiffende Deutsche und seltsame Dorfbewohner, alles an einem Tag. 

Ab an die Westküste

Morgens am wunderschönen Lake Wanaka losgefahren und mittags an den Gletschern an der Westküste angekommen. Die beiden Orten trennen nur 260km. Die Westküste Neuseelands bietet eine Natur, wie sie vielfältiger kaum sein könnte. 

Wir fuhren durch dichten Wald, der fast tropisch wirkt. Ähnlich wie im Milford Sound entdecken wir wieder viel Farn und Moos. Ab und an können wir einen Blick aufs Meer und die Küste erhaschen. Nach einigen Stopps erreichen wir unser Ziel für heute, den Fox Gletscher. Das gleichnamige Dorf ist gemütlich und besteht eigentlich nur aus einer Straße. Auf unserem Campingplatz haben wir sogar WLAN. Da stört der verregnete Morgen nicht wirklich. Wir nutzen die Zeit zum recherchieren und groben planen. 

Als der Himmel mittags aufklart, fahren wir erst zum Lake Matheson und starten eine entspannte Wanderung um den schönen See. Eigentlich spiegelt sich in dem See das Bergpanorama. Da es aber zu windig ist, gibt es für uns heute kein Bergpanorama im Wasser. Nicht schlimm. Dafür lernen wir ein nettes Mädel aus Österreich kennen. Wir wandern den Weg zusammen. Sie ist alleine unterwegs und schon zu zweiten Mal in Neuseeland. Daher kann sie uns viele hilfreiche Tipps und Must-Sees nennen. Als sie erzählt, dass sie auch Krankenschwester ist, haben wir natürlich unendlich Gesprächsstoff. 

Vom Lake Matheson fahren wir weiter zum Fox Gletscher. Eine abenteuerliche Wanderung führt uns bis 450 Meter an den Gletscher heran.

Das besondere an den Gletschern in Neuseeland ist die Flora und Fauna in der Umgebung. Der Fox- und Franz-Josef Gletscher sind eine der wenigen, die von Regenwald umgeben sind. Eine weitere Besonderheit ist die Nähe zum Meer. Teilweise liegen nur 14km zwischen den völlig gegensätzlichen Naturgewalten.

Außerdem sind die wenigsten Gletscher auf der Welt so leicht zugänglich. 

Was ist eigentlich ein Gletscher?

Damit ein Gletscher entsteht, braucht es eine höhere gelegene Region mit kalten Temperaturen, ausreichend Schneefall und eine geeignete Hanglage.

Ein Gletscher besteht aus einer großen Masse Eis, die sich durch Schnee gebildet hat. Die unteren Schneeschichten werden von dem Neuschnee zusammengedrückt. So wird das Eis verdichtet. 

Auf dem Fox- und Franz-Josef Gletscher fallen jedes Jahr 30 Meter Neuschnee.

Durch das eigene Gewicht bewegt sich der Gletscher langsam talabwärts. Meist bewegt sich der Gletscher auf diese Art und Weise mehrere Meter pro Jahr. Am unteren Teil der Gletscherzunge fließt das Schmelzwasser ab. Interessanterweise bewegen sich der Fox- und Franz-Josef Gletscher zehnmal schneller als andere Gletscher. Aus dem Schmelzwasser sind eiskalte Flüsse entstanden, die in der Tasman See enden. 

In den Sommermonaten baut der Gletscher an Masse ab. In den Wintermonaten gewinnt er wieder mehr Masse. Durch den Klimawandel und die globale Erwärmung geht der aktuelle Trend dahin, dass die Gletscher im Sommer mehr Masse verlieren, als im Winter dazukommt. 

Seit dem 18. Jahrhundert haben der Fox- und der Franz-Josef Gletscher etwa 20% ihrer Größe eingebüßt und sind und sind somit drei Kilometer geschrumpft. Aktuell ist der Fox Gletscher 13km lang und sein knapp 30km entfernter Bruder Franz-Josef 10km lang. 

Fast drei Viertel des Trinkwassers der gesamten Erde ist in Gletschern gespeichert. Demnach sind Gletscher nach den Ozeanen die größten Wasserspeicher unserer Erde.  Gletscher sind außerdem bedeutende Wasserzulieferer für viele Flüsse und haben einen entscheidenden Einfluss auf unser Weltklima. 

Ready for take off?

Wir wussten schon vorher, dass es die Option gibt, mit einem Helikopter über die Gletscher zu fliegen. 160€ pro Person für 20 Minuten. Ist ja völlig irre. Als wir dann aber im Internet einen Rabattgutschein fanden und so nochmal ordentlich sparen konnten, buchten wir doch einen Rundflug. Nicht zuletzt hat uns die Landung auf dem Gletscher überzeugt. Wann haben wir denn nochmal die Möglichkeit über einen Gletscher zu fliegen und sogar auf ihm zu landen? 

Die Mitarbeiter des Anbieters "Helicopter Line" waren alle sehr freundlich. Es wurde eine ausführliche Sicherheitseinweisung gegeben und spätestens in diesem Moment war ich mir über unsere Entscheidung zum Helikopterflug, gar nicht mehr so sicher. Ich als absolute Flug-Wurst, in so einem kleinen Teil. Eigentlich eine blöde Idee. Allerdings ging dann alles so schnell und ehe ich mich meiner Panik voll und ganz hingeben konnte, saß ich auch schon im Helikopter. Der Anblick unseres lässigen Piloten beruhigte mich schlagartig. „Gut, er sieht jung und fit aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass er also während des Flugs kollabiert oder so, ist demnach als gering einzustufen.“ Bevor ich meinen Gedanken weiter spinnen konnte, ging es auch schon in die Luft. 

Wahnsinn. Wir fliegen. Wie krass. Und Leute, wie auch schon in der Propellermaschine von Vietnam nach Thailand, war dieses Flugerlebnis auch überhaupt nicht schlimm. Warum ich mich immer so einscheiße, weiß ich echt nicht. Aber egal, weiter zum Flug. 

Da fliegen wir also. Unser Pilot erzählt uns über unsere Kopfhörer ein wenig zur Umgebung. Ohne Kopfhörer wäre es ganz schön laut. Der Helikopter ist nicht vollbesetzt. Wir fliegen nur zu fünft. Insgesamt hätten hier sieben Menschen Platz. 

Wir genießen den Ausblick und können unseren Augen gar nicht trauen, als der Gletscher mit seinen Eismassen immer näher kommt. Ein Wahninns Anblick. Aus der Vogelperspektive beobachten wir die bizarren Kunstwerke, die aus Eis und Schnee entstanden sind. Die Gletscherspalten lassen erahnen, dass wir gleich auf einer sich bewegenden Naturgewalt landen werden. Was ein wunderschönes Monstrum. Der Schnee ist so weiß, der Himmel so blau, die Sonne strahlt. Was für ein perfekter Tag. 

Cabin Crew, prepare for landing

Die Landung war sanft und plötzlich bestand unser Untergrund nicht mehr aus Asphalt, sondern aus Schnee und Eis. Der Pilot passte gut auf, dass keiner beim Verlassen des Helikopters einen Fehler macht. Der Rotor erzeugt richtig viel Wind. Vor allem die hinteren Rotorblätter befinden sich auf einer ungünstigen Höhe, so dass schnell Ende im Gelände ist, sollte jemand da rein laufen. Wir laufen also geduckt und nach vorne vom Helikopter weg. 

Und da stehen wir. Mitten auf einem Gletscher. Um uns herum nichts außer Schnee und Eis. Wir fühlen uns so klein. Die Natur ist so groß und mächtig. Der „hochentwickelte“ Mensch hat doch eigentlich nichts zu melden. Der wahre Chef ist und bleibt die Natur. An so einem beeindruckenden Ort wird uns das wieder mal so bewusst. 

Unser Pilot ist in Plauderlaune und macht fleißig Fotos von allen Mitfliegenden. Dieser Mann hat wohl definitiv einen der besten Jobs der Welt. Wie er da so steht - Sonnenbrille, kurze Hose, völlig entspannt und breit grinsend. Man merkt ihm wirklich an, dass er sich sehr freut, uns seine Welt zu zeigen. Er beobachtet uns genau und sein Grinsen wird noch breiter, als er sieht, dass wir vor Glück fast platzen. 

Nach zehn Minuten ist unser Besuch bei Franz-Josef auch schon wieder vorbei. Wir steigen wieder alle vorsichtig in den Helikopter. Kurze Zeit später heben wir ab. Unser Pilot fliegt eine besonders große Extrarunde über den Gletscher. Einen Anblick, den wir nie vergessen werden. 

Auf dem Rückweg werden wir mit einem Panoramablick über die Westküste belohnt. Das Meer ist wirklich ganz nah. Noch völlig geflasht von diesen ganzen Eindrücken, landen wir wieder sicher am Boden. Die nächste Gruppe wartet schon ganz aufgeregt. Sicherlich ist auch hier eine schissige Flug-Wurst dabei. 

Nächstes Ziel: Dorfpub in Hokitika

Nachdem wir uns wieder halbwegs eingekriegt haben und unser Adenalinpegel auf ein Normalmaß gesunken ist, starten wir mit Gandalf auf zu neuen Abenteuern. Wir fahren die Westküste weiter entlang, zu unserem Tagesziel für heute: Hokitika. Unsere Campsite ist der Parkplatz hinter einem Pub, etwas außerhalb von Hokitika. Außer einem Fluß, dem Pub und ein paar Häusern, gibt es hier nicht viel. Ist aber auch besser so, denn eigentlich haben wir ja von überwältigenden Landschaften für heute schon genug. Wir wollen unsere Köpfe ja auch nicht völlig überfordern. 

Die Ausstattung auf der Campsite ist funktional. Toilette, Spüle, Katze, selbst gebrautes Bier vor der Haustür. Also alles was man so braucht. Unseren Vorsatz, uns nun richtig zu betrinken, weil wir es ja gar nicht weit haben, verwerfen wir relativ schnell wieder. 6€ für ein Bier ist uns dann doch etwas zu teuer und somit bleibt es dann auch bei einem Gerstensaft. 

Das Publikum hier in dieser Ecke ist etwas seltsam. Zwar sind alle nett, aber die Gewohnheiten sind doch etwas dörflich. So rülpst die Familie hinter uns fröhlich vor sich hin und auch die Tatsache, dass ein Mann seinen Hund über den Zaun wirft, wundert uns irgendwie nicht. Der Mann klettert danach selber über den Zaun und läuft in den Wald. Wahrscheinlich wohnt er da irgendwo. 

Als es dunkel wird, machen wir uns auf dem Weg zu einer Glühwürmchenhöhle in der Nähe. Nur ein kleines Schild verrät uns den Standort. Wir sehen eigentlich nur ein dunkles, kleines Loch in einer Felswand. Als wir uns hindurch gezwängt haben, stehen wir plötzlich mitten auf einer Lichtung. Vor uns dichter Wald und drei kiffende Deutsche. Eine sehr seltsame Begegnung. Aber irgendwie passend zu diesem verrückten Tag und dieser Gegend. Später lachen wir noch herzhaft über dieses Treffen. Da kommt man durch so ein kleines Loch gekrochen und weiß gar nicht was einen erwartet. Und noch bevor man die ersten Glühwürmchen sieht, trifft man Deutsche, die sich in einer Glühwürmchenhöhle grade einen durchziehen. Schräg. 

Endlich drehen wir uns zu der Felswand um und sind ganz entzückt von diesem Naturschauspiel. Die Wand sieht aus wie ein Weihnachtsbaum. Überall leuchtende Glühwürmchen. Richtig romantisch. 

Nach einiger Zeit machen wir uns wieder auf den Heimweg. Nicht ohne einen langen Blick in den klaren Sternenhimmel zu werfen. Hab ich überhaupt schon von den Sternenklaren Nächten in Neuseeland erzählt? Noch nirgendwo hatten wir bisher einen solchen Sternenhimmel. Einfach unfassbar schön. 

Schnell bauen wir unser Bett um, kuscheln uns ein und versuchen das Erlebte des heutigen Tages irgendwie zu verarbeiten. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Hannes u.Doris (Donnerstag, 07 Februar 2019 15:21)

    Hallo ihr Lieben. Wieder ein toller Bericht mit traumhaften Bilder. Ihr gebt einen Rückblick auf die vergangene Zeit .Ihr habt soviel intensives Miteinander erlebt.Ihr müsst dankbar sein ,dass ihr die Möglichkeit zu dieser Reise habt .Sei es finanziell oder beruflich.Bleibt gesund und geniesst die 45 Tage genauso intensiv wie bisher. Liebe Grüße aus dem sonnigen Hüthum.