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Lasst uns über Apartheid reden!

Wir haben lange überlegt, ob wir zu dem Thema "Apartheid" einen Blogbeitrag schreiben sollen. Wenn man in Südafrika ist, wird man zwangsläufig damit konfrontiert und das ist auch gut so. Dieses Thema gehört einfach zu der Geschichte des Landes und seitdem wir in Kapstadt sind, ist es für uns noch präsenter und realer.  

Wir haben viel über die Apartheid nachgelesen, da unser Wissen doch etwas eingerostet war. Und da wir euch nicht nur von den tollen Dingen berichten wollen, die wir so erleben, sondern auch von den Dingen, die uns beschäftigen und nachdenklich stimmen, haben wir uns dazu entschlossen, das Ganze doch zu thematisieren. 

Bitte habt im Hinterkopf, dass dieser Beitrag keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und wir nicht die komplette Geschichte aufrollen wollen. Wir wollen euch einfach erzählen, was wir in den letzten Wochen gelernt haben und was uns beschäftigt. 

Apartheid & Freedom Tour

In Kapstadt gibt es Geschichte zum Anfassen. Hier ist so viel passiert und es gibt so viele Schauplätze, die wichtig für die ganze Apartheidsgeschichte waren. 

Daher bot es sich an in Kapstadt an einer Free Walking Tour teilzunehmen. Dieses Touren basieren auf Spendenbasis und jeder Gast kann nach der Tour so viel Geld geben wie er mag. Eine super Sache. Unser Guide für die Apartheid & Freedom Tour war der smarte Ken, geboren in Südafrika und mit viel Herzblut bei der Sache. Er hat uns so viel erklärt und konnte hautnah berichten, was die Apartheid für ihn, seine Eltern und Freunde bedeutet hat. 

Strikte Rassentrennung

Apartheid ist eine der schlimmsten Formen von Rassismus und ist geprägt durch die Trennung von Rassen.

1948 gewann die Nationale Partei der Weißen, mit Betrug, die Wahl in Südafrika und konnte so viele Gesetze erlassen, um für die strikte Trennung von farbigen Menschen und den Weißen voran zu treiben. Viele der Weißen hielten sich für etwas besseres und sahen die farbige Bevölkerung als minderwertig an. 

Es folgten viele Einschränkungen, in jeder Lebenslage. 

Farbige Menschen durften nicht im Bus sitzen, wenn ein Weißer einen Platz suchte. Es gab getrennte Toiletten und Bänke. Schwimmbäder und Strände durften nicht mehr von farbigen Menschen besucht werden und schließlich wurden sie komplett aus der Stadt verbannt. Die Sanktionen gegen Missachtung dieser Regeln waren hart. Nicht selten kam es vor, dass Polizisten wahllos in Menschengruppen schossen und so ließen viele Menschen ihr Leben bei dem Versuch, sich gegen diese Ungerechtigkeit zu wehren. 

Adeleine & Dennis

In Oudtshoorn haben wir Adelaine und Dennis kennen gelernt. Die Beiden kommen gebürtig aus Kapstadt, sind aber vor 40 Jahren in die Niederlande gegangen. Zum damaligen Zeitpunkt sahen sie aufgrund ihrer Hautfarbe keine Zukunft in Südafrika und nutzen die Chance fort zu gehen. In Kapstadt haben wir uns erneut mit ihnen getroffen. Sie sind für zwei Monate in Südafrika um ihre Familien zu besuchen. Beide sind 70 Jahre alt und wirklich  herzlich und liebenswert. Wir haben uns viel über die Apartheid, die aktuelle Weltlage und ihre Geschichten unterhalten. Adelaine erzählte uns, dass sie noch genau weiß, wie damals der Brief kam, dass sie ihr Haus verlassen und aus der Stadt ziehen müssen. Damals wohnten sie und ihre Eltern am Fuß des Signal Hill, unweit vom Hafen entfernt. Eine schöne Wohngegend. Das fanden die Weißen auch und beschlossen, sich hier breit zu machen. Das hieß für Adelaine, die damals 14 Jahre alt war und ihre Familie, dass sie ihr Haus verlassen und außerhalb der Stadt wohnen mussten. Sie durfte nicht mehr an den gewohnten Strand gehen sondern nur noch an den Strand, wo die Strömung stark war und viele Haie im Wasser waren.

Der Aufstand

1976 starteten Schüler in Soweto einen großen Aufstand gegen das Apartheidsregime. Soweto ist ein großes Township bei Johannesburg. Bei diesem Aufstand gab es sehr viele Tote. Der Grund für die Proteste war allerdings absolut plausibel und nachvollziehbar. 

"Afrikaans" war die Sprache der weißen Bevölkerung. Die farbigen Menschen sprachen Englisch und weigerten sich natürlich, Afrikaans zu lernen, geschweige denn zu sprechen. Die Politik sorgte sich weiterhin vor der farbigen Bevölkerung und erließ das Gesetz, dass an allen Schule ausschließlich in Afrikaans unterrichtet werden sollte. Die englische Sprache sollte komplett in Südafrika ausgerottet werden. 

Dieses Gesetz löste viele Aufstände in ganz Südafrika aus und endlich wurde die Welt auf die herrschende Situation aufmerksam. Die vereinten Nationen merkten, dass in Südafrika seit langer Zeit etwas gehörig schief läuft. 

Um dem Einhalt zu gebieten, folgten Sanktionen, um das Land zu schwächen. Der Import und Export von vielen Gütern wurde deutlich eingeschränkt. 

Die Farbigen gingen noch häufiger auf die Straßen um zu protestieren. Es fanden mehr Aufstände statt und das Volk machte sich laut. Sicherlich eine schwere Situation, wo doch ihr Anführer Nelson Mandela zu dieser Zeit schon lange als politischer Gefangener inhaftiert war. 

Aber langsam begann das Gerüst der Nationalen Partei zu bröckeln. Hinzu kam, dass die Kosten, um die Apartheid aufrecht zu erhalten, nicht mehr zu stemmen waren und der Staat mittlerweile hoch verschuldet war.

Das Ende

1989 kontaktierte der damalige Präsident de Klerk den inhaftieren Mandela. De Klerk glaubte daran, dass Mandela mit ihm zusammen einen Übergang in eine Zeit ohne Apartheid schaffen könnte. 

Nelson Mandela wurde 1990 nach 27 Jahren Haft entlassen.

Mandela und de Klerk erhielten 1993 den Friedensnobelpreis, weil beide gemeinschaftlich die Basis für ein demokratisches Afrika geschaffen hatten. 

Im Jahre 1994 wurde die Apartheid endgültig abgeschafft und Nelson Mandela wurde zum ersten farbigen Präsidenten Südafrikas gewählt. 

Dank Nelson Mandela verlief der Übergang von der Apartheid in ein demokratisches Staatswesen versöhnlich.

Er sagte bei seiner ersten Rede als freier Mann: „Ich habe 27 Jahre im Gefängnis verbracht und meine Kinder nicht aufwachsen gesehen. Ich habe vergeben. Und wenn ich vergeben kann, könnt ihr es auch.“

2013 starb Mandela und somit auch Südafrikas Held. Bis heute wird er als herausragender Vertreter im Freiheitskampf gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit angesehen. 

Ein sehr weiser Mann, der nie vergessen werden darf. 

Wandportrait von Nelson Mandela In Kapstadt

 

 

 

 

 

„Niemand wird mit dem Hass auf andere Menschen, wegen ihrer Hautfarbe, Herkunft oder Religion geboren.

Hass wird gelernt. 

Und wenn man Hass lernen kann, kann man auch lernen zu lieben. 

Denn Liebe ist ein viel natürlicheres Gefühl im Herz eines Menschen als Hass.“

Nelson Mandela 

Diese Geschichte bewegt uns zutiefst. Wir sind an dem Ort wo so viel geschehen ist, wo die Grundsteine für und gegen die Apartheid gelegt wurden. Wir stehen vor Bänken, die klar gekennzeichnet sind, wer sich setzen darf. Und das alles ist keine 30 Jahre her. 

Das ist wieder mal so ein Moment, in dem wir uns fragen, lernt die Menschheit jemals aus solchen kranken Taten? 

Dann gucken wir in den Osten von Deutschland, nach Amerika, in die Türkei, nach Nordkorea oder nach Russland und müssen wohl leider sagen: Nein, die Menschheit begeht die selben Fehler immer und immer wieder. In anderer Form und mit anderen Ausmaßen, aber vom Prinzip her immer gleich. Es werden Unterschiede gemacht. Unterschiede wegen Hautfarben, Herkunft, Religion, Sexualität, Aussehen und so weiter. Und dann drängt sich uns die Frage auf: Wo sind die Mandelas dieser Welt?