· 

Hiroshima - Als der Himmel schwarze Tränen weinte

Es ist der 6. August 1945. 

Der zweite Weltkrieg ist in Asien weiterhin im vollem Gange. Japan beherrscht große Teile Asiens und kommt der mehrmaligen Aufforderung der USA, zu kapitulieren, nicht nach. Der Angriff auf Pearl Harbour 1941 traf die USA überraschend. 

Der Himmel über Hiroshima ist klar und wolkenlos. 

Die Menschen bereiteten sich auf einen warmen Sommertag vor. 

Am Morgen ertönen für ein paar Minuten Alarmsirenen. Das japanische Frühwarnsystem hat unbekannte Flugobjekte auf ihrem Radar entdeckt. Allerdings kommt schnell die Entwarnung. Die drei Flugzeuge wurden als Aufklärungsflugzeuge eingestuft. Diese flogen fast täglich über Japan hinweg und wurden, um Flugzeuge, Kraftstoff und Energie zu sparen, nicht mehr abgefangen. 

Uhrmalerei auf der Wand. Sie zeigt 8:15, darunter 1945 8 6

6. August 1945 - 8.15 Uhr

Plötzlich tauchen die besagten B-29 Flugzeuge der USA an Hiroshimas Himmel auf. Ein Flugzeug, die "Enola Gay", benannt nach der Mutter des Piloten, transportiert eine tödliche Fracht. 

Die vier Tonnen schwere Uranbombe „Little Boy“ wird die weltweit erste Atombombe sein, die je in einem Krieg angewandt wurde.

Um 8.15 Uhr öffnet sich die Klappe des Flugzeugs. Es fällt nicht nur die erste Atombombe vom Himmel, sondern auch der Startschuss in eine Welt mit Atomwaffen.

In 600 Metern Höhe, über der Innenstadt von Hiroshima, explodiert die Bombe. Innerhalb einer Sekunde zerstörte die Detonationswelle 80% der Stadt. Der danach folgende Feuersturm vernichtete weitere elf Quadratkilometer in der Umgebung und treibt den Atompilz bis in 13km Höhe. 

80.000 Menschen sterben sofort, sie verdampften. Was von ihnen bleibt, ist ein Schatten, der sich in den Stein gebrannt hat, als der Atomblitz die Stadt erhellte. 

Stunden später, fällt schwarzer Regen. Durch die freigesetzte Energie und enorme Hitze löst sich viele Kilometer im Umkreis, alles in Luft auf. Die dabei entstehende Asche, der hochgewirbelter Staub und der Wasserdampf vermischen sich zu einer radioaktiven Wolke. Beim Aufsteigen kühlt diese ab und es beginnt zu regnen. Dieser hoch radioaktive Regen ist aufgrund der Asche schwarz. 

Der Himmel weint an diesem Tag schwarze Tränen. Sie fallen auf Menschen, Felder und Flüsse nieder. Die zweite Katastrophe innerhalb weniger Stunden. Der Beginn des schleichenden, qualvollen Tod für viele weitere Menschen. 

Hatten manche Einwohner die Druckwelle, Explosion und Hitze überlebt, starben viele von ihnen in den Wochen danach, an der nuklearen Strahlung. 

An diesem Tag ging Hiroshima in die Geschichtsbücher ein und erlangte traurige Berühmtheit als „Opfer“ des ersten Atomwaffeneinsatzes der Welt.

Die Frage nach dem „Warum?“

Der damalige Präsident der USA, Harry Truman, gab den Befehl zum Einsatz der Atombombe. Das Motiv war, Japan möglichst schnell zur Kapitulation zu bewegen. 

Nach diesem Angriff forderte Truman Japan erneut auf, zu kapitulieren. Das japanische Kriegskabinett brauchte allerdings Tage um sich über die Ausmaße in Hiroshima im Klaren zu werden und konnte sich nach wie vor nicht auf eine bedingungslose Kapitulation einigen. 

Japan sollte eigentlich gar nicht das Ziel dieser ersten Atombombe werden, sondern Deutschland. Der Plan wurden letztlich nicht in die Tat umgesetzt, weil die Entwicklung der US-Atomwaffe länger dauerte als geplant und Deutschland bereits vor der Fertigstellung, im Mai 1945, kapituliert hatte.

9. August 1945 - 11.02 Uhr

Drei Tage später wurde über der japanischen Stadt Nagasaki erneut eine Atombombe abgeworfen.

Die Plutoniumbombe „Fat Man“ explodierte in 470 Meter Höhe und verursachte einen Atompilz, der sich 18km in die Atmosphäre erhob. 

22.000 Menschen starben sofort, weitere 40.000 Opfer kamen in den darauffolgenden Monaten dazu. Die Opferzahl fiel geringer aus, weil Nagasaki sich in einem Tal befindet und die umliegenden Berge die Druckwelle auf die Umgebung mindern konnten. 

Am 15. August beendete der japanische Kaiser Hirohito, durch die Kapitulation Japans, den Großostasiatischen Krieg und somit den zweiten Weltkrieg. 

20. November 2018 - 16.30 Uhr

Wir fahren mit dem Fahrstuhl auf das Dach des Orizuru Towers in Hiroshima. 

Oben angekommen, erwartet uns eine liebevoll, herbstlich dekorierte Dachterrasse. Es gibt Zelte, die gemütlich ausgestattet sind und zum verweilen einladen. Leise läuft Musik im Hintergrund und es sind einige Feuerstellen aufgebaut. 

Die Sonne geht langsam hinter den Bergen unter und das Licht ist wunderbar. 

Die Dachterrasse ist zu allen Seiten offen und es weht ein frischer Wind. 

Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, dass dies ein sehr schönes Ambiente eines tollen Restaurants ist. 

Wir laufen bis zum Rand des Dachs und blicken auf das, was vor uns liegt, die Atombombenkuppel und den Friedenspark. 

Wir sehen den Sonnenuntergang und ich muss daran denken, dass auch vor 73 Jahren, am 5. August 1945, die Sonne vielleicht so wunderschön hinter den Bergen versunken ist, ohne das jemand ahnte, dass am nächsten Tag nichts mehr so sein wird, wie es einmal war. 

Wir schauen auf das, was die Atombombe übrig gelassen hat und was auch durchaus Deutschland hätte widerfahren können.

Jetzt an diesem Ort zu stehen, die Geschichte hautnah zu spüren und mit eigenen Augen zu sehen, ist bedrückend und sehr ergreifend. 

Wir bleiben lange auf dem Dach, schauen zu wie der Friedenspark in der Dunkelheit verschwindet und die Lichter der Stadt heller werden. Unsere Gedanken kreisen um die aktuelle Weltpolitik. Die mächtigen Herren der verschiedenen Länder sind unberechenbar und das ist angsteinflössend. 

Herbstliche Deko auf dem Dach des Orizuro Towers
A Bomb Dome in Hiroshima von oben. Im hintergrund ein Fluß und der Friedenspark

Eine Welt mit Atomwaffen

Aktuelle Studie haben ergeben, dass knapp 14.500 Atomsprengköpfe im Besitz von neun Ländern sind. 93 Prozent gehören den USA und Russland. Die restlichen Sprengköpfe verteilen sich auf China, Indien, Pakistan, Israel, Großbritannien, Frankreich und Nordkorea.

Die Zahl ist rückläufig, in den 80er Jahren waren es noch 70.000 Sprengköpfe.

Warum keine radikalere Abrüstung der Sprengköpfe bei den Atommächten stattfindet, hat einen einfachen Grund: Nukleare Abschreckung. Der Besitz von Atomwaffen soll davor schützen, selbst mit Massenvernichtungswaffen angegriffen zu werden. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Hannes u.Doris (Donnerstag, 22 November 2018 15:33)

    Ein trauriger und ergreifender Bericht ,der mir die Tränen in die Augen treibt.Gut recherchiert, vieles wußte ich gar nicht mehr.Auch dafür Danke.Es macht mir Angst,wenn ich daran denke ,wieviel Sprengköpfe noch in der Welt "auf Lager"liegen. Eine gute Zeit euch.Liebe Grüße

  • #2

    Hildegard van Lier (Donnerstag, 22 November 2018 17:11)

    Oh mein Gott, was für ein Bericht. Es darf niemals in Vergessenheit geraten, was damals am 6. August 1945 geschehen ist. Niemals. Dieses Elend, diese Trauer. Und es darf niemals wieder geschehen. Hoffentlich haben das auch die Politiker auf der ganzen Welt begriffen. Danke, dass ihr diesem Ort besucht habt und uns daran habt teilhaben lassen. Gott beschütze euch. Wir haben euch lieb. Liebe Grüße, Mama und Papa

  • #3

    Jutta (Donnerstag, 22 November 2018 17:44)

    Danke für diesen ausführlichen,gut recherchierten Bericht! Es macht einen sehr traurig und die Tatsache das die Welt nicht klüger wird, ist mit nichts zu erklären. Ich wünsche euch weiterhin eine gute Zeit....LG

  • #4

    Kathrin & Janine (Samstag, 24 November 2018 09:19)

    Ein wirklich gelungener, emotionaler und ergreifender Beitrag! Danke dafür! Nächstes Reiseziel steht ;)