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Halbzeit auf Weltreise

Mit Erschrecken haben wir letzte Tage festgestellt, dass wir mittlerweile fast Halbzeit haben. Wir sind jetzt fast 11 Wochen unterwegs und ich weiß noch genau, wie wir in Berlin am Flughafen standen und auf den Flieger gewartet haben, der uns für 6 Monat raus aus dem Alltag bringen sollte. 

Mein Gott, was haben wir in den letzten Wochen alles erlebt. Südafrika, Japan und Vietnam. Drei Länder, die unterschiedlicher nicht sein könnten. 

Am liebsten würde ich mich für immer an jeden einzelnen Momente in diesen Ländern erinnern können. Aber Momente sind flüchtig. So schnell vergehen ein paar Stunden oder ein ganzer Tag. 

Deswegen versuche ich alles aufzusaugen: Die Gerüche, die Umgebung, die Geräusche, aber vor allem das Gefühl. Wie habe ich mich gefühlt, als der Flieger in Berlin abgehoben ist? Was habe ich gedacht, als ich in Südafrika einem Löwen aus nächster Nähe in die Augen schauen konnte? Wie betroffen und sprachlos war ich, als ich in Hiroshima vor der Ruine des A-Bomb Dome stand? Und wie war es, als ich die Vorhänge in unserer Kabine aufzog und auf die Halong Bucht blickte? 

Ich hoffe wir werden uns lange an all diese Gefühle, Emotionen, Moment, seien sie gut oder schlecht, erinnern. 

Wir haben so viel gelacht und gestaunt. Die Landschaften haben uns sprachlos gemacht, das Essen hat uns satt und glücklich werden lassen und die vielen tollen Begegnungen, mit anderen Reisende und Einheimischen, haben uns bereichert. 

Aber genauso haben wir das Wetter verflucht, die teilweise langen Transporte gehasst und die typischen Verhaltensweisen der Einheimischen, die es in jedem Land gibt, entnervt ertragen. 

Südafrika

Unser erstes Land und somit der Start unserer Weltreise. Nicht nur deswegen war Südafrika für uns etwas ganz Besonderes.

Wir waren vorher noch nie in Afrika. Daher brachte uns der Flieger in eine für uns völlig unbekannte Welt. Mit unserem Mietwagen fuhren wir in vier Wochen 2900km entlang der Garden Route, bis hoch zum Addo Elephant Park und wieder zurück nach Kapstadt. 

Wir sind entspannt und flexibel gereist. Hatten unvergessliche Momente zwischen Pinguinen, Walen, Löwen, Elefanten, Warzenschweinen und Mistkäfern. Die Landschaft war einfach nur beeindruckend. Wir kletterten auf den Tafelberg und den Lions Head, waren völlig von Wolken umgeben und fühlten uns wie Könige, als wir die Gipfel erreichten. 

Südafrika war Urlaub für uns. Ein Urlaub der nötig war. Vor der Reise hatten wir wenig frei, organisierten und planten viel. Wir fühlten uns gestreßt, hinzu kamen die Abschiede, die nicht immer einfach waren. In Südafrika konnten wir entspannen und runter kommen. Unsere Gastgeber in den Airbnb Wohnungen waren allesamt großartig. Von den älteren Damen wurden wir liebevoll umsorgt, wie bei den eigenen Großeltern. 

Mit Familie Fritz aus den Niederlanden verbrachten wir einige lustige Stunden. Ihre bewegende Geschichte, warum sie damals Südafrika verlassen haben, hat uns über die Apartheid nachdenken lassen. Vor allem in Kapstadt lernten wir bei einer Apartheid Tour sehr viel dazu und waren geschockt über diese furchtbare Geschichte Südafrikas. 

Südafrika hat uns neugierig auf diesen Kontinent gemacht und wir können uns gut vorstellen, irgendwann in andere Länder, wie zum Beispiel Namibia, zu reisen. 

Japan

Ein ziemlich langer Flug brachte uns in das unfassbar entwickelte, hochtechnisierte und innovative Japan. Schon die ersten Meter auf japanischen Boden und der erste Besuch auf einem japanischen Superklo, zauberten uns ein fettes Grinsen, auf unsere müden Gesichter.

Wir sind in Japan - Wahnsinn!!! 

Eigentlich wollten wir zwei Wochen bleiben, daraus wurden drei Wochen und die Erweiterung der Route um Hiroshima.

Japan ist wirklich super. Das Essen, die unheimlich freundlichen, aber zugleich zurückhaltenden Japaner, die Kultur, einfach alles. So anders, aber so angenehme anders.

Tokio - geordnete Mega-Metropole. Kyoto - kulturelles Zentrum. Nara - absolut entspannte Hauptstadt der Rehe. Osaka - völlig verrückt und durchgedreht. Hiroshima - beeindruckende und tief bewegende Stadt, voller Hoffnung. 

Wir haben so viel gelernt, unsere Köpfe dampften, wir wurden täglich neu herausgefordert und alle unsere Sinne waren scharf gestellt. Sicherlich haben wir nicht immer komfortabel, in 2qm Zimmer mit Etagenbett oder Mehrbettzimmern, gehaust, aber wir haben es geliebt. Jeden einzelnen Tag.

In Japan hatten wir nicht so viel Kontakt mit anderen Reisenden. Es waren viele Chinesen unterwegs und wenig Europäer. Die Chinesen sprechen ja bekanntlich nicht so gut Englisch. In einem Hostel lernten wir aber Felix aus Hamburg kennen. Er war grade auf einem Buddhismus Kongress in Tokio gewesen und machte jetzt noch ein paar Tage Urlaub. Felix war ein sehr interessanter Mensch, mit klasse Ansichten. 

Vietnam

Der Kulturschock kam später, als erwartet. Von dem super sauberen und sehr hygienischen Japan, ging es nach Vietnam.

Endlich wieder Südostasien! Diese Wärme, die hohe Luftfeuchtigkeit, das Essen, das Verkehrschaos. Vietnam ist so anders, als seine Nachbarländer, aber trotzdem so bekannt. 

Hier mussten wir uns erstmal wieder an die hygienischen Gegebenheiten anpassen. Die Toiletten waren eine Katastrophe und die ersten Magen-Darm Probleme ließen nicht lange auf sich warten. Obwohl wir sonst in jedem Land in Südostasien Streetfood gegessen haben, trauten wir uns in Vietnam einfach nicht an die Straßenstände. Alles wirkte noch schmuddeliger, als sowieso schon in Südostasien.

Die Vietnamesen kehrten ihr Innersten nach außen, in dem sie alle paar Minuten laut ihre Rotze hochzogen und in der Gegend umher spuckten. Wir sind echt nicht zimperlich, aber hier hatten wir das andauernde Gefühl, uns desinfizieren zu wollen. 

Das Wetter zeigte sich ebenfalls nicht von seiner besten Seite. Dauerregen und deutlich fallende Temperaturen, je weiter wir in den Norden reisten. 

Hier erlebten wir unser erstes kleines Reisetief. Wir waren müde, geschafft und sehnten uns nach einer Pause. 

Die Tage in unserem süßen Homestay in Tam Coc, das schöne Wetter hier und das entspannte Umfeld, nutzen wir als Pause vom Reisen, vom Planen und vom Organisieren. Tam Coc war für uns das erste wirkliche Highlight in Vietnam. Weiter gint es über Cat Ba, in die Halong Bucht und im Anschluss nach Hanoi. Das Mistwetter hatte uns wieder im Visier und bescherte uns tagelangen Dauerregen und herbstliche Temperaturen. Trotzdem war auch die Übernachtung auf einem Boot, in der Halong Bucht, ein richtig tolles Highlight. 

Hanoi rundete die drei Wochen in Vietnam gut ab. Die Hauptstadt Vietnams gefiel uns, überraschenderweise, sehr gut. 

In Vietnam trafen wir wieder viele andere Reisende. Die Wege treffen sich in Südostasien irgendwie doch immer wieder. Mit unserer super netten Gruppe vom Boot hatten wir eine tolle Zeit. Mit zwei Mädels unternahmen wir nach der Bootsfahrt noch was und mit Uli aus Hamburg gingen wir Abendessen. Uli ist ein super Typ. Mit dem Fahrrad fährt er alleine durch Südostasien und hat unheimlich viele spannende Geschichte erlebt. Wir haben ihm gerne zugehört und Zeit mit ihm verbracht. 

Ehrlicherweise müssen wir aber trotzdem gestehen: Vietnam ist nicht unser Land. Der Funke wollte nicht so recht über springen. 

Woran es genau lag, können wir im Moment noch gar nicht sagen: Am Wetter, an uns...? 

Für uns gilt es jetzt rauszufinden, ob wir uns grade generell in Südostasien nicht so wohl fühlen, oder ob das nur in Vietnam der Fall war.

Wir sind so dankbar, für diese Erfahrungen. Wir haben viel gelernt, sind über uns herausgewachsen, haben unsere Grenzen überwunden und unsere Komfortzone des Öfteren verlassen müssen. Vor allem aber haben wir wieder festgestellt, wie gut wir im Team harmonisieren. Wir ergänzen uns perfekt, dreht der eine mal durch, holt der andere ihn wieder runter. Wir sind so froh, all diese Dinge zu zweit zu erleben. Diese Reise werden wir nie vergessen und die Erinnerungen kann uns keiner mehr nehmen. 

Lasst uns Geschichten schreiben, die für immer unsere sind!