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Das Ende einer Weltreise - Und nun?

Pinguine, Elefanten und Löwen in Südafrika

Beheizte Klobrillen, freundliche Menschen und Sterneküche in Japan

Dauerregen, Kaffee und Baguette in Vietnam

Tropensturm, Weihnachten auf der Insel und Meditation in Thailand

Moderne Stadt, alte Traditionen und Kaugummischmuggel in Singapur

Hang Loose, Surferboys und Koalas in Australien

Natur, Camperleben und viele Wow-Momente in Neuseeland

Aloha-Feeling, viel Verkehr und Wale auf Hawaii

Tacos, Maya-Ruinen und Cenoten in Mexiko

Mega Metropole, Skyline und The American Dream in New York

Das waren unsere letzten sechs Monate. Sechs Monate in denen wir neun verschiedene Länder besucht haben. Kein Land vergleichbar mit dem anderen. Jedes einzigartig und besonders. Manche Länder habe uns verändert und zum nachdenken angeregt. In manchen Ländern haben wir Urlaub gemacht, in machen Ländern sind wir gereist und tief in die Kultur eingetaucht. 

Mittlerweile sind wir seit über 2 Wochen wieder in Deutschland. Die erste Arbeitswoche haben wir schon hinter uns gebracht. Eine emotionale, komische und auch schwierige Zeit. Wir haben mit so vielen tollen Menschen gesprochen. Viele sind sehr interessiert und so merken wir, dass wir mit unserem Fernweh gar nicht so alleine sind. In ganz vielen Menschen steckt wohl doch ein kleiner Weltenbummler.

Wir möchten euch anhand von den drei häufigsten gestellten Fragen mit durch unsere letzten zwei Wochen nehmen. Fühlt euch bitte nicht auf den Schlips getreten, wenn auch ihr uns so eine Frage gestellt habt. Die Fragen sind völlig in Ordnung und sind nur als roter Faden gedacht. 

„Wie geht es euch?“

Eigentlich eine simple Frage. Im Moment können wir darauf allerdings nur ganz schwer antworten. Zumindest wenn wir wirklich ehrlich antworten wollen. Dabei geht es uns doch eigentlich gut. Wir und alle unsere Lieben sind gesund. Wir hatten 6 Monate „Urlaub“, sind um die Welt gereist und haben den Winter übersprungen. 

Wir sind super dankbar für das Erlebte, die Möglichkeit und die vielen Erfahrungen. Zufrieden darüber sein, was man hatte. Unzufrieden und traurig darüber sein, dass es vorbei ist. Eine Dauerschleife, aus der wir in der ersten Woche in Deutschland nur schwer ausbrechen konnten. 

Teilweise habe ich mich so geärgert, dass ich es nicht schaffe den positiven Vibe der Reise mitzunehmen. In den letzten Tagen gab es doch einige Momente in denen wir ganz schön verloren und frustriert waren. 

Gerne würde ich euch sagen, dass die Wiedersehensfreude, das Gefühl vom vertrautem Umfeld und die Dankbarkeit über das Erlebte, unsere Rückkehr einfacher gemacht hat. 

Wir freuen uns natürlich wahnsinnig all die lieben Menschen wieder in die Arme schließen zu können. Aber jetzt, nach unserer Rückkehr erleben wir ein absolutes Gefühlschaos und stecken in dieser Gefühlsachterbahn drin. Und im Moment will sie noch nicht stoppen. 

Wir haben in dieser Zeit viel mit neu gewonnenen Freunden gesprochen, die sich zum Teil ebenfalls auf Weltreise befinden. Kathrin und Wojtek ermunterten uns und machten uns bewusst, dass es vollkommen ok ist, durcheinander zu sein und das auch die negativen Gefühle ihren Platz brauchen. Unterdrücken macht da wohl weniger Sinn. So leben wir einfach von Tag zu Tag mit unserem kleinen Gefühlschaos und versuchen das Beste daraus zu machen. Wir schwelgen in Erinnerungen, lachen uns über erlebte Situationen am anderen Ende der Welt schlapp und sind glücklich über all diese Erlebnisse. Aber genauso heulen wir, wenn wir ein Lied hören, welches auf unserem Roadtrip in Neuseeland rauf und runter lief, unsere Herzen sind schwer, die Köpfe voller Fernweh und wir sind todtraurig, dass die Reise vorbei ist. Ok, eigentlich heule nur ich… 

„Habt ihr euch wieder eingelebt?“

Ebenfalls eine schwierige und zugleich komische Frage. 

Wo drin eingelebt? In den Alltag? In alte Verhaltensmuster, die wir vor der Reise hatten? Wollen wir das überhaupt? Wir hatten die Chance so viel zu erfahren und zu lernen. Wäre es da nicht verrückt genauso weiter zu machen wie zuvor? 

Und wieso verbindet wir das Wort „Alltag“ eigentlich direkt mit etwas negativem. Jeder kann sich seinen Alltag doch so gestalten wie es ihm gefällt. Und wenn die Tage mit glücklichen Momenten gefüllt sind, dann ist der Alltag doch eigentlich absolut positiv. 

In der ersten Arbeitswoche wird uns allerdings auch wieder klar, wie schnell die Tage fliegen. Morgens aufstehen, arbeiten, was einkaufen, essen und Ruck Zuck ist der Tag vorbei. Aus Tagen werden Wochen, aus Wochen werden Monate und plötzlich wundert man sich, wo das Jahr geblieben ist. 

Mit diesem Gedanken können wir uns im Moment nur sehr schwer wieder anfreunden. Wenn wir zurück blicken und daran denken, was wir an manchen Tagen alles so erlebt haben und wie intensiv wir an jeder Minute teilgenommen haben, ist die Vorstellung von rennenden Tagen und Wochen nicht sehr erstrebenswert. Allerdings können wir nun auch besser verstehen, warum uns so viele ungläubig fragen, ob das halbe Jahr wirklich schon vorbei ist. 

"Seid ihr jetzt Veganer?"

Diese Frage fällt eher unter die Kategorie lustig als schwierig. Die Erzählungen über unsere fleischlose Ernährung hat viele zum nachdenken angeregt und vielleicht auch etwas verunsichert und irritiert. Zuerst wollen wir klar stellen, dass wir weder die Fleischpolizei oder die Plastik-Politessen sind. Wir haben lediglich für uns einige Entscheidungen getroffen, die wir gerne beibehalten wollen. In einem anderen Blogbeitrag habe ich schonmal geschrieben, dass nicht jeder alles machen muss. Das ist völlig ok. Der eine isst kein Fleisch, der andere reduziert seinen Fleischkonsum und der nächste isst jeden Tag Fleisch. Das Thema Nachhaltigkeit ist riesengroß. Da ist für jeden was dabei. Und ich bin mir sicher, dass jeder etwas findet, mit dem er die Welt ein Stückchen besser machen kann. Ob das nun die bewusstere Sicht auf Plastikmüll, das Bahnticket anstatt das Flugticket oder die Einschränkung von manchen Lebensmitteln ist. 

Wir haben uns einige Ansätze rausgesucht, die wir ohne große Probleme oder Umstellungen geändert haben. Dazu gehört auch, dass wir grade kein Fleisch essen. Dazu gehört, dass wir versuchen, unseren Plastikmüll zu reduzieren. Dazu gehört, dass wir uns nach Alternativen zu Milchprodukten umschauen und grade keinen Bock auf Eier haben. All das hat ganz unterschiedliche Gründe. Wir wissen das wir nicht die Welt retten, indem wir keine Milch mehr trinken, unser Obst nicht in Plastiktüte packen oder das Mettbrötchen dankend ablehnen. Aber das wichtigste ist doch, dass wir ein gutes Gefühl bei der Sache haben. Für uns fühlt sich all das grade nicht wie Verzicht an. Uns macht es Spaß, sich mit neuen Themen auseinanderzusetzen und zu beschäftigen. Und mit dieser neuen Sicht auf manche Dinge können wir grade einfach nicht mit guten Gewissen Fleisch essen, den Dosenthunfisch mampfen und Cocktails mit Plastikstrohhalmen schlürfen. 

Deswegen sind wir keine Ökotanten oder Ökoonkel. Wir machen einfach unser Ding und wollen niemanden belehren, verbessern oder verurteilen. Eher solltet ihr unser Gequatsche und Geschreibe als kleinen Denkanstoß sehen. Wir finden es natürlich toll, dass sich so viele für dieses Thema interessieren und wir stehen euch gerne Rede und Antwort, aber um jetzt erstmal die Frage zu beantworten: „Nein, wir sind keine Veganer.“

Und nun?

Diese Frage wurde uns von niemandem gestellt. Wir stellen uns diese Frage allerdings ab und an. Wie gehen wir mit diesem Chaos im Kopf und im Herzen um? Das Gefühl des Verloren seins wird wohl noch etwas bleiben. Ob es je ganz verschwinden wird, weiß ich nicht. Die Neugierde auf fremde Kulturen ist auch nach so vielen Reisen immer noch nicht erloschen. Es gibt so viele gute Dinge auf der Welt, so viele fantastische Menschen, die viel weniger haben und doch so viel geben. Die letzten Monate haben uns geprägt und um ehrlich zu sein, entwickeln wir uns bereits seit unserer 8 wöchigen Südostasienreise 2017 enorm. In diesen zwei Jahren haben wir unsere Ansichten von links nach rechts gedreht, an unseren Prioritäten geschraubt und viele, viele Dinge hinterfragt. Sich aus all diesen Bausteinen einen Alltag aufzubauen ist wohl das nächste spannende Kapitel. 

Obwohl wir so ein Gefühlschaos in uns haben, sind wir auch gleichzeitig motiviert Dinge anzupacken, die uns Spaß machen. Deswegen wird Daniel weiter Videos schneiden und ich werde den Blog weiterhin füttern. Außerdem haben wir schon ein neues Projekt gestartet, an dem wir grade höchst motiviert und kreativ arbeiten. Wir erwecken im Moment unseren eigenen Podcast zum Leben. Hier findet all das Platz, was fürs Video zu lang und für einen Blogbeitrag zu schwierig ist. Seid gespannt, ich glaube das wird lustig.