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Dampfende Seen in Rotorua und ein überraschendes nächstes Ziel

Tief unter der Nordinsel treffen die australische und die pazifische Platte aufeinander. An dieser Stelle wird enorme Energie freigesetzt, die sich anhand von Erdbeben und vulkanischen Aktivitäten zeigt. Aus diesem Grund wird Neuseeland auch „The Shaky Isles“ genannt. Seitdem die Messungen aufzeichnen, wurden bisher 14.000 Erdbeben gezählt. Die meisten Beben sind glücklicherweise so schwach, dass sie nicht fühlbar sind. Die letzten schweren Erdbeben trafen Neuseeland 2011 und 2016. 

Fest steht also, unter Neuseelands Erde ist ordentlich was los. 

Das Zentrum der Nordinsel ist wahrscheinlich der beste Ort, um dies mit eigenen Augen zu sehen. Die Taupo Volcanic Zone ist 250km lang. Die südliche Begrenzung dieser Zone sind die Vulkane im Tongariro Nationalpark und die nördliche Grenze befindet sich auf der White Island in der Bay of Plenty. Auf der White Island steht ebenfalls ein aktiver Vulkan. Diese vulkanische Zone gehört zu der aktivsten Vulkanregion weltweit. 

17 Elektrizitätswerke in dieser Region nutzen die geothermale Energie, um 15% des gesamten Energieverbrauchs in Neuseeland damit zu decken. 

Vor 250.000 Jahren befand sich 60km von den Vulkanen im Tongariro Nationalpark ein weiterer Vulkan. Irgendwann ist dieser Vulkan aber heftigst ausgebrochen und dabei in sich zusammen gestürzt. Dabei hinterließ er einen riesigen Krater. Dieser Krater füllte sich mit Wasser und ist heute bekannt als Lake Taupo, der größte See Neuseelands. 

60km weiter nördlich, in Rotorua blubbert, dampft und stinkt es ordentlich aus der Erde. Es gibt einige geothermale Parks, in denen sich die verrücktesten Naturspektakel abspielen. Die Auswahl fällt hier gar nicht so einfach. Wir haben uns schlussendlich für den Park mit den meisten Highlights entschieden. 

Wai-o-tapu - Geothermales Wunderland

Wir besuchten den Park erst am Nachmittag, um den chinesischen Reisegruppen aus dem Weg zu gehen. Unser Plan ging wunderbar auf und es war nicht mehr viel los, als wir um 15 Uhr das Schwefelland betreten. Es stank wirklich ordentlich. 

Ein 3km langer Rundweg führte uns an Kratern, dampfenden, bunten Seen, blubbernden Schlammlöchern und Schwefelfeldern vorbei. Ich fühlte mich ein wenig wie im Phantasialand in der Themenwelt Vulkane. Aber das ist alles echt. Völlig verrückt. Der "Champagne Pool" ist die größte heiße Quelle in Neuseeland. 65m im Durchmesser, 62m tief, mit einer Temperatur von 74 Grad. Der komplette See dampft. Ein seltsames Gefühl abwechseln den kühlen Wind und dann wieder den heißen Dampf zu spüren. Der See heißt Champagne Pool, weil durch Kohlenstoffdioxid kleine Perlen im Wasser entstehen, eben wie beim Champagner. 

Ein weiteres Naturschauspiel wartete am Ende des Rundweg auf uns. Plötzlich standen wir vor einem giftgrünen See. Kennt ihr den Film „Flubber“? Der See sieht aus, als sei Flubber hier explodiert. Mit einem PH Wert von 2 steckt man hier wohl besser nicht den dicken Zeh ins Wasser. 

Unsere geothermale Abenteuerreise war aber noch nicht vorbei. Wir hatten uns noch einen ganz besonderen Campingplatz rausgesucht. 

Waikite Valley Thermal Pools

Das Waikite Valley liegt an einem wunderschönen Fluss. Der Fluss fließt nicht nur sehr hübsch durch ein Tal, sondern dampft auch noch ganz dramatisch.

Die "Waikite Valley Thermal Pools" verfügen über sechs Becken, die mit dem heißen Wasser aus dem Fluss gefüllt werden. Das Wasser in den Becken ist um die 40 Grad warm. Es gibt einen kleinen, einfachen Campingplatz direkt an der Anlage. Das großartige ist, wenn man hier campt, darf man die Pools kostenlos mitbenutzen. Da überlegen wir nicht zweimal und schmeißen uns nach unserer Ankunft direkt ins modische Badeoutfit. 

Wir dümpeln ein bisschen im herrlich warmen Wasser herum und genießen die schöne Aussicht auf die grüne Hügellandschaft und den dampfenden Fluss. Das Waikite Valley Thermal Pools öffnet eigentlich erst um 10 Uhr, aber Campinggäste dürfen die Pools schon ab 6 Uhr nutzen. Ein großartiger Deal. 

So startet unser Morgen mit einem wunderbar warmen Bad, in völliger Ruhe. So lässt es sich doch aushalten. Beim Planschen kommt die Frage auf „Wo fahren wir denn als nächstes hin?“ 

Ein unerwartetes nächstes Ziel

In 3 Tagen „müssen“ wir in Hobbiton sein, weil wir eine tolle Evening Banquet Tour gebucht haben. Was macht also Sinn, welche Strecke ist zu weit und was gibt es spannendes in der näheren Umgebung zu entdecken? 

Wasserfälle und Glühwürmchen an der Westküste - klingt cool. Strände und heiße Pools am Mount Maunganui - klingt entspannt. Tongariro Alpine Crossing die 2. - klingt nach einer saudummen, aber geilen Idee. 

Das Tongariro Alpine Crossing hat uns wirklich nachhaltig beeindruckt. Die Landschaft schien wie von einem anderen Stern zu sein. Wir sind über uns hinaus gewachsen, sind zwischen aktiven Vulkanen her spaziert, haben Krater erklommen und sahen, wie lebendig die Erde an diesem Ort ist. Ein unglaubliches Feeling. Wir waren uns direkt einig, diesen Track würden wir jeder Zeit wieder machen. 

Das wir allerdings nur 4 Tage später wieder hier stehen, war allerdings nicht geplant. 

Obwohl wir beim ersten Crossing ja den ganzen Tag für die Wanderung Zeit hatten, saß uns trotzdem irgendwie die Zeit im Nacken. Wir wussten ja nicht, was noch kommt. So blieben wir zum Beispiel nicht so lange auf dem Red Crater, weil zu dem Zeitpunkt noch 10km vor uns lagen und wir nicht einschätzen konnten, wie der Streckenverlauf noch wird. Außerdem wussten wir nicht wie es so um unsere Reserven bestellt ist, wenn wir 8 Stunden oder länger unterwegs sein würden. 

Schon auf dem Weg zum Ziel fragte ich mich: Hab ich mir diese Landschaft genügend eingeprägt? Sind die Bilder in meinem Kopf gespeichert? Habe ich den Moment, als wir den höchsten Punkt des Tracks erreicht haben ausreichend genossen? Ich war mir nicht sicher. 

Und was macht man, wenn man sich nicht sicher ist? Man läuft die 19,4km einfach nochmal, bucht das Shuttle diesmal noch 30 Minuten früher und nimmt sich vor, dieses Mal alles aufzusaugen und sich so lange alles anzusehen, wie man will. 

Jetzt wissen wir ja was uns erwartet! 

Tongariro Alpine Crossing 2.0

Freude, was soll ich euch erzählen? Ihr wisst ja schon alles über das Tongariro Alpine Crossing. Als der Wecker uns um 4 Uhr aus dem Bett klingelte, fand ich unsere Idee nicht so prickelnd. Auch in völliger Dunkelheit, bei Nebel die ersten 3km rumzustolpern und der erste anstrengende Aufstieg, ließen mich an unsere Entscheidung zweifeln. 

Aber als wir dann die erste Aussicht genießen konnten und den ersten Blick über diese Wahnsinns Landschaft schweifen ließen, war all die Schinderei, das frühe Aufstehen und die Zweifel vergessen. Es war wunderbar diese lebendige Natur nochmal erleben zu können. 

Wir ließen uns alle Zeit der Welt, genossen den Ausblick vom Red Crater und machten einen kleinen Umweg um einen der schönen Seen. Trotzdem waren wir sogar 30 Minuten schneller, als beim letzten Mal und haben insgesamt 6,5 Stunden gebraucht. 

Es war wieder ein richtig toller Tag und wir sind froh, dass wir unserem Bauchgefühl und verrückten Köpfen gefolgt sind. Wir hatten wieder richtig Glück mit dem Wetter und der anfängliche Nebel verzog sich relativ schnell. 

Für uns ist der Tongariro Nationalpark, mit seinen Vulkanen, seiner weiten Landschaft, den Seen und den Kratern einfach ein magischer Ort. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Hannes u.Doris (Freitag, 22 Februar 2019 08:30)

    Hey , wieder ein toller Bericht mit noch tolleren Fotos.Wieder was dazu gelernt. Gut ,dass ihr wieder aufs Bauchgefühl gehört habt.Danke ,dass ihr uns wieder mitgenommen habt auf eure Wanderung.

  • #2

    Hildegard van Lier (Samstag, 23 Februar 2019 09:49)

    Mein Reden: Manchmal muss man einfach was verrücktes tun und auf seinen Bauch hören. Aber egal was ihr unternehmt, alle Fotos und Berichte hauen uns schon vom Hocker, wie mag es da euch nur gehen. Liebe Grüße aus dem sonnigen Kevelaer.