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Coromandel - Die letzten Tage mit Gandalf

Es war soweit. Die letzten Tage in Neuseeland und mit Gandalf waren angebrochen. Nach unserem Hobbiton Abenteuer blieben uns noch drei Nächte in diesem Wahnsinns Land. Schwermut machte sich breit. In keinem Land der Welt waren wir bisher so lange wie in Neuseeland. Fünf grandiose Wochen lagen hinter uns und Neuseeland hat es wirklich geschafft, uns schwer zu beeindrucken. Diese vielfältige Landschaft auf so engem Raum, ist wirklich einzigartig. Alpen, Bergseen, Fjorde, Regenwald, Gletscher, Traumstrände und Vulkane. Der pure Wahnsinn. Es fiel uns wirklich unheimlich schwer, unsere Freiheit im Camper und Neuseeland zurück zu lassen. 

Wir versuchten trotzdem das Beste aus den letzten Tagen zu machen und entschieden uns der Coromandel Halbinsel einen Besuch abzustatten. Coromandel ist für seine schönen Strände, bestes Wetter und der Nähe zu Auckland bekannt. Das passte uns gut, denn wir mussten eh nach Auckland, um Gandalf abzugeben und den Flieger in ein neues Abenteuer zu nehmen.

Bevor es für uns aber an den Strand gehen sollte, stoppten wir in der Bücherei in Thames. Die Büchereien in Neuseeland bieten kostenloses, meist schnelles WLAN an und sind ein perfekter Spot, wenn man mal ein bisschen mehr Internet braucht. Wir mussten uns unbedingt um unser letztes Reiseziel und die damit verbunden Flüge kümmern. Nach vier Stunden hatten wir alles erledigt und konnten uns wieder auf den Weg machen. 

Regen in der Schön-Wetter-Region

Coromandel empfing uns erstmal mit Regen. Wir fuhren die Westküste Richtung Coromandel Town hoch und wir konnten trotz Regen herrliche Aussichten genießen. Weiter ging es nach Kuaotunu, ein kleines Dorf an der Ostküste. Hier hatten wir uns einen, sagen wir mal rustikalen Campingplatz raus gesucht. Die erste Herausforderung bestand darin den Campingplatz über die steile, nicht asphaltierte Zufahrt zu erreichen. Gandalf und Daniel meisterten diese Aufgabe aber mit Bravour.

Im strömenden Regen lernten wir Robert, den Besitzer der Campsite kennen. Er kommt aus der Schweiz und lebt schon viele Jahre in Kuaotunu. Hier betreibt er eine Farm und nebenbei den kleinen Campingplatz. Robert ist ein echtes Unikat. Mit ordentlicher Alkoholfahne und vielen flotten Sprüchen machte er eine kleine Führung mit uns. Die Einrichtung war ziemlich zusammen gezimmert aber trotzdem irgendwie gemütlich. Die Dusche war in einer kleinen Wellblechhütte. Ein Duschvorhang sorgte für den nötigen Sichtschutz und aus dem Gartenschlauch kam irgendwie warmes Wasser. Die Toilette war halbautomatisch, wie Robert sie nannte. Eigentlich war aber nur eine Kloschüssel und ein Eimer Wasser vorhanden, mit dem man hinterher spülen konnte. Der Weg bis zur Toilette war ebenfalls recht abenteuerlich. Ein schmaler Weg führte zwischen Roberts Haus und einem Abhang her. Trotzdem fühlten wir uns wohl und machten uns bei dem Regenwetter einen gemütlichen Abend im Camper. 

Am nächste Tag ging es an der Ostküste wieder runter. Wir stoppten am völlig überfüllten Parkplatz der Cathedral Cove, ein relativ bekannter Strand mit einem Felsen, der ein Loch hat. Beim Anblick des vollen Parkplatzes, verging uns ganz schön die Lust.  Da wir Beide sowieso müde waren, machten wir erstmal ein gepflegtes Mittagsschläfchen. Danach gab es noch ein Käffchen und es fiel die Entscheidung, die Cathedral Cove sausen zu lassen. Mittlerweile mögen wir diese völlig überfüllten Touristenattraktionen gar nicht mehr. Auch gut, waren wir doch eh etwas unmotiviert unterwegs an diesem Tag.

Fish & Chips in Tairua

Eine kurze Fahrt später kamen wir in Tairua an und ergatterten noch einen der drei Plätze, an denen man kostenlos campen durfte. Tairua ist ein kleines, gemütliches Fischerdörfchen. Der Stellplatz befand sich direkt an einer Bucht und vor dem hiesigen Angelclub. Wir warteten den kurzen Regenschauer ab und schlenderten dann entspannt in das kleine Zentrum der Stadt. Hier gönnten wir uns leckere Fish & Chips. 

Mit vollen Bäuchen genossen wir bei einem Gläschen Wein den wunderbaren Sonnenuntergang. Der Himmel über Neuseeland ist wirklich ganz besonders, egal ob bei Tag oder bei Nacht. Von Sternenklaren Nächten, bei denen man das Gefühl hat, man steht unter vielen kleinen LED Lichtern. Über dramatische Wolkenformationen mit einem Himmel, so weit das Auge reicht. Bis hin zu Sonnenuntergängen die den Himmel in den verschiedensten Farben beleuchten. Eines der vielen Dinge, die ich nie vergessen werden - den Himmel über Neuseeland. 

Als wir wieder an unserem Camper ankamen, bemerkten wir, das beim Angelclub eine Party im Gange war. So wurden wir bis 23 Uhr mit lauter Musik und grölenden Angelfreunden unterhalten. Die Nacht war dann aber glücklicherweise ruhig. 

Letzter Tag in Neuseeland

Von Tairua fuhren wir zum Karangahake Gorge. Hier starteten wir unsere letzte Wanderung in Neuseeland. Das Gebiet war einst bekannt für seine Goldminen. Bis 1939 wurde in den Minen noch Gold abgebaut. Unsere Wanderung führte uns entlang des Flusses, über Hängebrücken und durch alte Eisenbahn- und Minentunnel. Ein schöner Sonntagsspaziergang. Das Wetter meinte es gut mit uns und bis auf einen kurzen Regenschauer, schien die ganze Zeit die Sonne. 

Nach der Wanderung machten wir uns auf dem Weg zu unserem letzten Campingplatz. Im strömenden Regen kamen wir am Hamilton Gap an. Die Fahrt dahin führte uns durch grüne Hügellandschaften, die wir auf der Nordinsel schon so häufig bestaunen konnten. Die ersten Stunden blieben wir erstmal im trockenen Camper und sahen erst am Abend wo wir eigentlich gelandet waren. Diese Campsite hatten wir eigentlich nur ausgesucht, weil es von hier nur noch 1 Stunden bis zum Flughafen in Auckland war. 

Wir parkten auf einer Wiese am Fuße einer riesigen schwarzen Sanddüne. Wir liefen die wenigen Meter zum Meer über schwarzen, funkelnden Sand. Die Wellen tobten und das Meer war ganz schön aufgewühlt. Am Strand zog sich die unendliche Steilküste entlang. Wieder mal eine absolute Farbexplosion. Schwarzer Sand, blauer Himmel, weiße Wolken, grünbewachsene Felsen. Völlig verrückt. Wir spazierten ein wenig am schönen Strand entlang, beobachteten erneut einen wunderschönen Sonnenuntergang und verkrümelten uns dann wieder gemütlich im Camper. Daniel kochte ein letztes Mal leckere Pasta für uns, wir genossen das letzte Schlückchen Wein und ließen die letzten Wochen ein wenig Revue passieren. Den Kopf voll mit Eindrücken schliefen wir die letzte Nacht im Camper. Ach was werden wir diese Art zu Reisen vermissen. So unabhängig, flexibel und autark. 

Am nächsten Morgen hüpften wir unter die eiskalte Stranddusche und packten unsere Rucksäcke. Es fühlte sich an, als wäre ein wunderschöner Urlaub vorbei und wir müssten wieder nach Hause fliegen. Dabei ging es doch noch weiter für uns und unser nächstes Ziel ist nun wirklich nicht von schlechten Eltern. Trotzdem waren wir sehr traurig, dass unsere Neuseelandreise hier endete.

Als wir bei Eurocampers auf den Hof fuhren, wollten wir gar nicht aus dem Camper aussteigen. Gezwungenermaßen räumten wir die übrig gebliebenen Lebensmittel aus, verstauten sie im Regal, wo sich Neuankömmlinge bedienen können und machten die Übergabe. Wir verabschiedeten uns ein letztes Mal von Gandalf, wischten schnell die Tränchen weg und stiegen in den Bus, der uns zum Flughafen nach Auckland bringen sollte. 

 

Danke Gandalf für diese Wahnsinns Zeit. Du bist uns in den 4709km richtig ans Herz gewachsen. Du hast uns stets sicher von A nach B gebracht und auch beim steilsten Berg nicht im Stich gelassen. Machs gut, mein Freund. 

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Kommentare: 5
  • #1

    Horst (Donnerstag, 28 Februar 2019 09:35)

    Tja, Neuseeland ist und bleibt ein fantastisches Land.Die ganze Welt verteilt auf zwei Inseln.Das ist einfach nicht zu toppen.Aber, da ihr ja jetzt Wanderer und Camper seid................Norwegen ist auch nicht schlecht.

  • #2

    Hildegard van Lier (Donnerstag, 28 Februar 2019 09:49)

    Tschüss, Gandalf. Danke, dass du unsere Kinder sicher durch Neuseeland geführt hast. Auch mir bist du irgendwie ans Herz gewachsen und so verdrücke auch ich ein Tränchen. Euch viel Spaß weiterhin.

  • #3

    Hannes u.Doris (Donnerstag, 28 Februar 2019 15:40)

    Ein schwerer Abschied, aber es geht ja noch weiter für euch.Und Campen und Wandern kann man auch an näher gelegenen wunderschönen Orten. Aber Neuseeland hat schon was!!Macht euch noch eine schöne Zeit.

  • #4

    Doris und Hannes (Donnerstag, 28 Februar 2019 16:29)

    Toller Blog mit tollen Bildern, da kann man nur Herbert Grönemeyer recht geben - Auszug aus dem Lied "Sekundenglück" - :
    "Und du denkst, dein Herz schwappt dir über
    Fühlst dich vom Sentiment überschwemmt
    Es sind die einzigartigen tausendstel Momente
    Das ist, was man Sekundenglück nennt":

  • #5

    Jutta (Samstag, 02 März 2019 11:13)

    " Als hät der Himmel die Erde still geküßt" Meine Beschreibung für dieses Fleckchen Erde! Danke für die tollen Bilder und Berichte von dieser so wunderschönen Insel, die so unglaublich viel Natur zu bieten hat. Wer würde das nicht selbst gerne mit eigenen Augen sehen! Euch eine gute Weiterreise, auf bald! LG