· 

Cenoten-Hopping in Valladolid

Mit den ADO Bussen sind wir bisher recht komfortabel durch Mexiko gereist. Unser nächstes Ziel hieß Valladolid und sollte ein Ausgangspunkt für einige Unternehmungen in der Umgebung sein. Klar, mit Bussen, Collectivos oder Taxen alles machbar. Aber irgendwie auch nervig. Wir lieben es, einfach flexibel und selbstbestimmt reisen zu können und das geht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ja nur bedingt.

Unseren Vorsatz, in Mexiko keinen Mietwagen zu buchen, warfen wir daher relativ schnell über Bord. Als wir vor Monaten mal nach Angeboten geschaut hatten, waren die Preise ganz schön gesalzen und die Idee wurde beiseite geschoben. Ganz spontan fanden wir aber jetzt einen Mietwagen für 4 Tage für schlappe 50€. Da konnten wir natürlich nicht widerstehen und so holten wir unseren VW Vento in Tulum ab. 

Daniel, der Mann der PKWs, Roller und Fahrräder überall auf der Welt steuert, fuhr völlig entspannt die ersten Meter vom Hof und Richtung Valladolid. Die Straßen sind in einem guten Zustand, nur vor den „Drempels“ muss man sich in Acht nehmen. Was ist denn eigentlich das deutsche Wort für „Drempel“? Tempohemmschwelle? Auf spanisch heißen die Teile „Topes“. Na ja, egal. Diese „Topes“ werden auf jeden Fall nur spärlich angekündigt und sind oftmals nur schlecht zu erkennen. Wer sich nicht den Unterboden schrotten will, sollte daher immer auf einen „Topes“ gefasst sein. Das Fahren auf mexikanischen Straßen war aber sonst auf jeden Fall gut machbar. 

Valladolid - Typisch mexikanisch

Angekommen in Valladolid waren wir sofort schwer begeistert. Valladolid ist eine richtig hübsche mexikanische Bilderbuch-Stadt. Bunte Häuser, ein schöner zentraler Marktplatz, eine tolle Kathedrale und überall Musik. Der Marktplatz ist der zentralen Treffpunkt in Valladolid. Hier trifft sich Sonntags Abends die ganze Stadt zu Tanz und Musik. Niedliche mexikanische Ehepaare im höheren Alter schweben über das Kopfsteinpflaster, während die Band „La Cucaracha“ spielt. In dem Lied geht es übrigens um eine Kakerlake. Die Omis tragen schöne, traditionell bestickte Kleider. Wirklich sehr hübsch. Wir bummelten durch die schönen Straßen, aßen leckere mexikanische Spezialitäten und ließen uns einfach ein bisschen treiben. 

Am Convento de San Bernardino schauten wir uns an einem Abend eine Lichtershow an. Hierbei wird die Geschichte von Valladolid auf die Mauern des Klosters projiziert. Sehr anschaulich und mit viel Mühe dargestellt. 

Cenote Samula & Cenote Xkeken - Ganz schön touristisch

Valladolid zeichnet sich vor allem auch wegen seiner vielen Cenoten in der Umgebung aus. Da wir ja nun völlig flexibel unterwegs waren, konnten wir uns eine kleine Cenotentour natürlich nicht entgehen lassen. Nur wenige Kilometer von Valladolid entfernt, befinden sich die Cenoten Samula und Xkeken. Beide Cenoten liegen direkt nebeneinander und können mit einem Kombiticket besucht werden. Als wir nach kurzer Fahrt ankamen, waren wir erstmal nicht so begeistert. Hier wird alles angeboten, was das Touristenherz höher schlagen lässt - oder auch nicht. Pferde reiten, Quad fahren, lustige Fotos mit Papageien und Leguanen, die dafür aus ihren Käfigen geholt werden. 

Der Weg zu den Cenoten wird gesäumt von Verkaufsständen, an denen einige Mexikaner völlig lustlos und unmotiviert versuchen ihre Ware loszuwerden. Der eigentliche Eingang zu den Cenoten ist gar nicht so einfach zu finden. Der Weg führt irgendwie im Kreis und so läuft man immer wieder an den Verkaufsständen vorbei. Irgendwann entdecken wir dann aber doch die versteckte Abzweigung und können uns endlich die Cenoten anschauen. 

Beiden Cenoten sind deutlich dunkler als die Grand Cenote in Tulum, die wir zuerst besucht hatten. Nur durch eine kleine Deckenöffnung fällt Licht in die Höhlen. Trotzdem sehen beide Cenoten Wahnsinnig beeindruckend aus. Die bizarren Stalaktiten und Stalagmiten erinnern uns irgendwie an eine Tropfsteinhöhle aus Deutschland, nur mit einem natürlichen Pool. 

Wir erfrischen uns ein wenig und schwimmen eine große Runde. Dadurch das die Höhlen nicht so hell sind, können wir den Boden nicht sehen. Irgendwie ganz schön gruselig. Das Wasser teilen wir uns mit wenigen anderen Touristen und einigen Antennenwelsen. Sobald man kurz verweilt, dauert es nicht lange und die blinden Fische knabbern fröhlich an den Füßen rum. Die Cenoten beeindrucken uns schon, trotzdem fühlen wir uns nicht so richtig wohl. Wir fühlen uns eher wie in einem Themenpark. Hier nimmt der Tourismus wohl eine seltsame Form an. 

Cenote Zaci - Oase mitten in der Stadt

Das besondere an der Cenote Zaci ist vor allem die Lage mitten in Valladolid. Daher bietet sich diese Cenote für eine schnelle Abkühlung über Tag an. Als wir die Steintreppe hinunter steigen, um uns herum noch der Trubel der Stadt, ahnten wir nicht, welche Oase auf uns wartet. Oft hatten wir gelesen, dass die Cenote Zaci nicht grade die Schönste ist. Uns gefiel diese Cenote aber richtig gut. Es schien viel Licht hinein und das Wasser war sehr klar. Wir konnten zwar nicht bis zum 60m tiefen Boden schauen, konnten aber die viele Fische und die flacheren Ebenen gut erkennen. Wir erfrischten uns im kühlen Wasser und Daniel wagte sogar einen Sprung aus ca. 8m Höhe. Unglaublich, dass sich so ein ruhige Oase mitten in der Stadt befindet. Trotz der zentralen Lage waren hier kaum andere Menschen. 

Cenote Zazil Tunich - Zu Gast in der Unterwelt

Für meinen Geburtstag hatten wir uns eine ganz besonderes Schmankerl aufgehoben. Die Cenote Zazil Tunich gilt als echter Geheimtipp und kann nur nach vorheriger Anmeldung besucht werden. Als wir nach einer 30-minütigen Fahrt aus Valladolid auf dem Parkplatz ankommen, sind wir erstmal etwas geschockt. Da steht doch tatsächlich ein riesiger Tui-Bus. Auch der Eingangsbereich wirkt alles andere als vielversprechend. Hier werden an kleinen Ständen Kokosnüsse mit Tequila, Schnaps, Schokolade und Kaffee verkauft. Wir werden an den Ständen vorbei geführt, dürfen probieren und kommen uns in den ersten Minuten vor wie auf einer Kaffeefahrt, nur ohne Rheumadecken. 

Glücklicherweise ändert sich der erste Eindruck schnell, als wir von unserem Guide Manuel abgeholt werden. Manuel bietet bis 15 Uhr Führungen für Reisegruppen an, die einen Tagesausflug gebucht haben und nur kurz an dieser Cenote stoppen. Ab 15 Uhr werden Führungen mit kleinen Gruppen angeboten und auch nur, wenn man sich vorher angemeldet hat. Wir sind tatsächlich die Einzigen und bekommen so eine coole Exklusivführung. 

Dieses Gelände war für die Maya ein sehr heiliger Ort. In der Maya-Mythologie gliedert sich der Kosmos in drei Ebenen: Himmel, Erde und Unterwelt. Cenoten sind der Eingang zu dieser Unterwelt. Hier lebten die Götter, die es zu verehren und besänftigen galt. Die Unterwelt nannten die Mayas "Xibalba". In ihrem Glauben verweilten die Ahnen so lange in der Unterwelt, bis sie diesen Ort nach bestandenen Prüfungen oder auferlegtem Leid verlassen durften und zu den Göttern aufstiegen. Xibalba durften daher nur Maya-Priester oder Tote betreten. 

Manuel huscht in die Höhle, löscht das Licht und bittet uns hinein. Ein seltsames Gefühl, die Unterwelt der Mayas zu betreten. Trotz der Dunkelheit lässt sich erahnen, wie schön die Umgebung um uns herum ist. Durch ein Loch in der Decke fällt ein wenig Licht in die Höhle und lässt uns einen Blick auf das klare Wasser erhaschen. Nach und nach schaltet Manuel die Lichter ein und wir sehen wie beeindruckend die Höhle wirklich ist. In der Mitte klares, blaues Wasser. Links, Rechts und an der Decke jede Menge Stalaktiten und Stalagmiten. In dieser Höhle befindet sich mit 12,5m sogar der größte Stalaktit Yucatans. In 100 Jahren wächst ein Stalaktit ca. 1cm. Unvorstellbar, wie viele Millionen Jahre diese Cenote schon existiert. 

Stalaktiten entstehen durch Regenwasser, dass durch die Höhlendecke tropft. Auf dem Weg nimmt das Regenwasser viele Mineralien mit und so wächst dieses Gebilde ganz langsam immer weiter, Tropfen für Tropfen. Stalagmiten wachsen von unten nach oben und entstehen genauso. Allerdings brauchen Stalagmiten noch viel länger um zu wachsen. 

Mit jedem Schritt ändert sich die Perspektive. Als wir am tiefsten Punkt ankommen und uns nun 20m unter der Erde befinden, lässt Manuel uns alleine. Wir dürfen schwimmen, in aller Ruhe Bilder machen und die besondere Stimmung genießen. Wann ist man schonmal alleine in einer Cenote und in der Unterwelt der Mayas? Ein wahnsinnig cooles Erlebnis. Nach 20 Minuten holt Manuel uns wieder ab und wir verlassen gemeinsam diesen besonderen Ort. Ein fantastischer Abschluss für unser Cenoten-Hopping. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Hildegard van Lier (Freitag, 15 März 2019 08:03)

    Hallo ihr Lieben, das gleicht ja schon fast einem Traum: Schwimmen in der Unterwelt. Genießt die letzte Woche. Hier stürmt und regnet es immer noch.

  • #2

    Doris und Hannes (Freitag, 15 März 2019 08:24)

    Hola Mexiko, wie schön, dass nach den vielen atemberaubenden Eindrücken, immer wieder neue, noch nicht dagewesene, Erlebnisse auf euch warten. Wie schnell das umschlagen kann, erleben wir leider derzeit in Neuseeland. Wir wünschen euch weiterhin eine gute Reisezeit, mit vielen positiven Eindrücken, passt aufeinander auf.