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Ausgesetzt im Abel Tasman Nationalpark

Von der wunderschönen Golden Bay fuhren wir wieder etwas südlicher, zum Abel Tasman Nationalpark. Wir waren super gespannt, denn wir hatten vorher schon viel über die tollen Wanderungen und die schöne Landschaft im Nationalpark gehört.  

Es gibt die Möglichkeit den Abel Tasman Great Walk zu laufen. Dieser verläuft durch den kompletten Park und dauert zwischen drei und fünf Tage. Die Hütten müssen allerdings schon weit im voraus gebucht werden und sind relativ teuer. Da wir uns nicht so festlegen und auch nicht die nötige Ausstattung für eine solche Mehrtageswanderung kaufen wollten, kam für uns nur eine Tageswanderung in Frage, um den Nationalpark ein wenig zu erkunden. Aber selbst für diese Option hatten wir einige Möglichkeiten zur Auswahl. 

Speedboats setzen die Wanderlustigen an verschiedenste Stellen im Nationalpark ab und sammeln diese zu einer festen Zeit anderswo wieder ein. So eine Hin- und Rückfahrt kostet dann aber auch mindestens 50€ pro Person. Das war uns zu teuer und so entschieden wir uns nur eine Fahrt mit dem Speedboat zu machen und den anderen Weg zurückzuwandern. 

Wir übernachteten in Marahau, dem letzten Ort vor dem Nationalpark. Das Aquataxi Abel Tasman holte uns direkt von unserer Campsite mit dem Bus ab und verteilte die Leute am Office zügig auf die passenden Boote. 

Dann konnte die wilde Fahrt auch schon losgehen. Das Speedboats bretterten ordentlich über die Wellen und so flogen wir ganz schön übers Wasser. Wir machten einen kleinen Stopp am „Splitt Apple Rock“, der wohl meist fotografierteste Stein in Neuseeland. Warum dieser Stein in zwei Hälften geteilt ist, weiß man nicht so richtig. Es wird vermutet, dass entweder der Blitz eingeschlagen hat oder der Stein bei einem Erdbeben zerbrochen ist. Uns bringt der kaputte Stein nicht so richtig aus der Fassung und daher freuen wir uns, dass der nächste Stopp interessanter ist. Wir steuern Adele Island an und schauen uns nach Seelöwen um. Wir müssen nicht lange suchen, da entdecken wir wieder einige der niedlichen Tierchen. Seelöwen kann sich auch irgendwie immer anschauen. 

Ausgesetzt an der Anchorage Bay

Nach den zwei Stopps und einer abenteuerlichen Fahrt, bringt uns das Aquataxi zu unserer Endhaltestelle. Als Wanderneulinge haben wir unsere Wanderschuhe schon auf dem Campingplatz höchst penibel angezogen und geschnürt. Wir wollen ja schließlich keine Blasen an den Füßen bekommen. Ihr könnt euch also vorstellen, dass wir nur mittelschwer begeistert waren, als der Kapitän uns ein paar Meter vorm Strand rauslässt. Also Schuhe wieder aus, rein ins Wasser und die paar Meter zum Strand laufen. Die erste Challenge des Tages besteht also darin, die Füße wieder einigermaßen Sandfrei und trocken zu bekommen.

Das Aussetzen an der Anchorage Bay ist für uns der einfachste und günstigste Weg, den Abel Tasman Nationalpark zu erkunden. Wir wandern einfach die 12,4km bis nach Marahau entspannt zurück. Wir können uns so viel Zeit lassen, wie wir wollen und müssen uns nicht hetzen, weil ein Aquataxi auf uns wartet. Da wir ja nicht die flottesten Wanderer sind, ist das eine sehr gute Sache. 

Die ersten vier Kilometer gestaltet sich der Wanderweg relativ öde. Wir wandern durch Wald und relativ vertrocknete Landschaft. Allerdings entdecken wir hier das erste Mal den Silver Fern, Neuseelands Nationalpflanze. Der Farn sieht an der Unterseite silbrig aus und hat für die Maoris seit langem eine besondere Bedeutung. Als es noch keine Karten oder Handys gab, haben die Maoris den Farn zur Orientierung genutzt. Sie haben das Blatt umgeknickt und erkannten so, an der silbernen Unterseite, in welche Richtung sie zurück gehen müssen. Funktioniert bei Mondschein sogar noch besser.

Der weitere Wanderweg führt uns an einigen Aussichtspunkten vorbei, von denen wir einen super Blick auf die verschiedenen Buchten haben. Der Strand ist goldgelb, das Wasser türkis und ringsherum grüner, dichtgewachsener Wald. Was für ein Farbkontrast. Hier ist der Farbkasten mal kurz außer Rand und Band geraten. 

Wir stoppen an verschiedenen Buchten, stärken uns und halten unsere qualmende Füße ins herrlich kühle Meer. An der letzten Bucht wollen wir eigentlich schwimmen gehen, werden dann aber von Sandfliegen überrascht. Daher fällt das Bad im kühlen Nass eher kurz aus. Diese Scheiß Biester. 

Nach circa fünf Stunden kommen wir wieder in Marahau an. Mit einigen Extrawegen zu den verschiedenen Buchten, war diese Wanderung mit 13,5km unsere Längste bisher. 

Burger beim Fat Tui

Am Parkeingang befindet sich ein relativ bekannter Food Truck. Eigentlich wird der Fat Tui immer empfohlen, wenn man irgendetwas über den Abel Tasman Nationalpark nachließt. Nach der Wanderungen haben wir uns ein leckeres Abendbrot verdient. Beim Foodtruck angekommen haben wir die Qual der Wahl. Es gibt Burger, Fisch und irgendwas mit Muscheln. 

Wie ihr ja vielleicht in unserem kleinen Reiserückblick lesen konntet, beschäftigen uns die Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit im Moment sehr. Wenn man sich über diese Themen informiert, braucht es nicht lange, bis man über den Verzehr von Fleisch stolpert. Wir wollen daher grade erstmal auf Fleisch verzichten. Wie sich das Ganze entwickelt, werden wir sehen. Die meiste Zeit kochen wir ja selber und da fällt es uns auch gar nicht schwer, kein Fleisch zu essen. 

So ein leckerer Burger mit einem saftigen Rindfleischpattie ist aber natürlich was feines. Wir überlegen kurz und treffen unsere Wahl. Daniel bestellt Fish & Chips und ich einen Veggieburger. Beides schmeckt super und wir sind stolz, dass wir unsere erste richtig bewusste Entscheidung gegen Fleisch getroffen haben. 

Uns dampfen jetzt ganz schön die Füße und wir sind froh, die Wanderschuhen endlich ausziehen zu können.

Ehrlicherweise hat uns diese Wanderung in dem Teil vom Abel Tasman Nationalpark nicht so richtig aus der Hose gehauen. Wir haben uns natürlich auch für die super einfache Standardroute entschieden. Vielleicht sind die Buchten und Wege weiter nördlich noch um einiges schöner. Wir hatten vorher schon total viel vom Abel Tasman gehört und daher waren unsere Erwartungen ziemlich hoch. Vielleicht zu hoch. 

Sicherlich die Landschaft ist wunderschön. Aber für uns gab es schon viel schönere Landschaften und Wanderwege in Neuseeland. Trotzdem sind wir froh, dass wir einen ganz kleinen Teil von dieser Ecke entdecken konnten. 

Die letzten Tage auf der Südinsel

Für uns geht es langsam Richtung Picton. Von hier aus fahren wir in einigen Tagen mit der Autofähre auf die Nordinsel rüber. Mit einem lachenden und einem weinende Auge verlassen wir die Südinsel. Wir hatten drei Wahnsinns Wochen und haben mit unserem Gandalf 2800 wundervolle Kilometer entdecken können. Wir haben an super Campsites gestanden, hatten fantastische Ausblicke und wurden so oft von der Natur geflasht. Zwei Nächte bleiben uns noch auf der Südinsel und unser Ziel für heute Nacht heißt Cloudy Bay. An der Bucht auf der Ostseite der Südinsel liegt direkt eine Campsite, auf der wir für ein paar Euro übernachten. Wir lernen Richard, einen "DOC Volunteer" kennen, der seine Aufgabe sehr ernst nimmt, aber sehr freundlich ist. Er gibt uns Tipps, was wir in der näheren Umgebung so machen können. Wir beherzigen direkt den ersten Tipp und wandern ein paar Minuten zur nächsten Bucht. Von hier aus sehen wir, wie die Sonne langsam verschwindet. Beste Zeit also für Richards nächsten Tipp. Wir trauen uns in zwei Höhlen hinein, in denen es Glühwürmchen gibt. Diesmal treffen wir keine kiffenden Deutsche, aber auch nicht so viele Glühwürmchen. Allerdings können wir aus nächster Nähe beobachten, was so ein Glühwürmchen eigentlich ist. Wir dachten immer und kannten es auch eigentlich aus anderen Ländern so, dass Glühwürmchen Käfer sind. Aber in Neuseeland und Australien gibt es eine andere Art von Glühwürmchen. Hier ist das Glühwürmchen auch wirklich ein Würmchen. 

Diese Würmchen sind Larven, die glühen. Um sich zu ernähren, erschaffen sie völlig abgefahrene, lange Seidenfäden, die von der Decke hängen und als Fangarme dienen. Kleine Insekten verheddern sich in den Fangarmen und werden von den Larven aufgefuttert. Nach einiger Zeit wird aus der Larve eine Mücke. Keine herkömmliche, dämliche Stechmücke, sondern eine Mücke die einzig und allein die Aufgabe hat neue Larven zu legen und dann zu sterben. Verrückt oder? 

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Kommentare: 3
  • #1

    Hildegard van Lier (Mittwoch, 13 Februar 2019 15:26)

    Huhu ihr Lieben, also mich hauen die Fotos und die Beschreibung von eurer Wanderung schon von den Socken. Das ist doch wohl ein Traum. Die Farben, das Wasser und erst diese Landschaft,
    Wahnsinn!!!. Viel Spaß bei der Weiterreise!

  • #2

    Hildegard van Lier (Mittwoch, 13 Februar 2019 15:28)

    ....ach und der Burger...sieht verdammt gut aus, zum vernaschen.

  • #3

    Hannes u.Doris (Mittwoch, 13 Februar 2019 18:17)

    Hallo ihr Lieben, wieder was dazu gelernt.Die Natur ist so traumhaft.Eure Wanderungen sind sicher sehr anstrengend. Und das Weintasting wäre auch unser Geschmack gewesen.Pino noire und Riesling.Hm lecker.Habt eine gute Zeit.