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Aloha Hawaii

Als der Flieger zur Landebahn fährt, beschleunigt und abhebt kullern bei mir die Tränen. Jetzt sind wir wirklich weg. Weg aus Neuseeland. Noch nie ist mir ein Abschied von einem Land so schwer gefallen. Die Zeit in Neuseeland war intensiv und entschleunigend.

Obwohl ich mich am liebsten voll und ganz meinem Abschiedsschmerz hingegeben hätte, nagte das schlechte Gewissen an mir. Es ist ja nicht so, dass wir nach Hause fliegen und unser Urlaub vorbei ist. Wir fliegen doch ins nächste Abenteuer. 7300km, 12 Stunden, eine Pazifiküberquerung und Zeitreise später, heißt es "Aloha Hawaii" für uns. Also jetzt freu dich mal! Man, Hawaii!

Zwischen Neuseeland und Hawaii liegen unglaubliche 23 Stunden Zeitverschiebung. Wir sind am Montag um 17 Uhr in Neuseeland los geflogen und am Montag um 9 Uhr auf Hawaii gelandet. Wir haben quasi einen Tag geschenkt bekommen. Da muss man gar nicht Marty McFly sein, um durch die Zeit zu reisen. 

Hawaii ist die entlegenste bevölkerte Inselgruppe der Welt. Die Entfernung zum amerikanischen Festland beträgt 4000km. Insgesamt besteht Hawaii aus 137 Inseln, von denen aber nur 6 Insel bewohnt sind. 

So viel zu den Fakten, aber warum reisen wir nach Hawaii? Wollen wir unsere Weltreiseroute noch dekadenter gestalten? Haben wir zu viel Geld? Wollen wir auf den berühmten Riesenwellen surfen lernen? 

Wir wollten vor allem erstmal von Neuseeland Richtung Mittelamerika fliegen. Nach langem Recherchieren fanden wir eine gute Flugverbindung mit Qantas, mit Zwischenstopp in Honolulu. Und wenn wir doch sowieso schonmal auf Hawaii sind, wäre es ja ganz schön blöd, nicht da zu bleiben, wenn auch nur kurz. 

Wir buchten uns für 5 Tage ein Airbnb und einen Mietwagen auf Oahu. Mit 100.000 Einwohnern ist Oahu die größte Insel . Landschaftlich hätten uns Maui oder Big Island natürlich auch sehr gereizt, aber dafür reicht das Budget definitiv nicht. Wir sind uns sicher, Oahu eignet sich für einen kleinen Einblick in den Aloha State ebenfalls sehr gut. 

Aloha - mehr als nur ein Wort

Wir steigen aus dem Flieger aus und in den Bus ein. Die Busfahrerin trägt ein Hawaiihemd und begrüßt uns mit „Aloha“. Musik in unseren Ohren, was ein schönes Wort. Wir merken relativ schnell, das dieses Wort nicht nur eine Floskel ist, um die Touristen zu verzücken. Aloha ist nicht nur eine Begrüßung oder Verabschiedung. Aloha ist eine Lebensweise, es steht für die Gelassenheit und Leichtigkeit, die die Menschen hier umgibt. Die Einheimischen sind wirklich unglaublich freundlich und interessiert. Selbst am trubeligen Waikiki Beach oder am überfüllten Shrimp-Foodtruck bekommen wir das schönste Lächeln und ein paar nette Worte geschenkt. 

Die Einreise verläuft völlig harmlos. Vor einigen Jahren hatten wir auf der Reise nach Costa Rica einen Transit in den USA. Das war ganz schön nervig. Von der Einreise in die USA hört man immer wieder Horrorgeschichten. Stundenlange Befragungen, Durchsuchen des Laptops oder des Instagram Accounts bis hin zur Verweigerung der Einreise. Aber grade auf Hawaii angekommen, spüren wir schon dieses Aloha Feeling. Obwohl alles sehr professionell und genau gecheckt wird, wird mit uns geplaudert und wir fühlen uns nicht wie potenzielle Schwerverbrecher. 

Unser Mietwagen ist auch schnell geholt und so geht es im Ford Fiesta, im Rechtsverkehr zu unserer Airbnb Wohnung. Da wir mit dem Mietwagen ja wunderbar flexibel sind, haben wir uns einen Unterkunft im Norden Oahus gesucht, in Kaneohe. 

Obwohl Kaneohe nur 12km Luftlinie von Honolulu entfernt liegt, ist das Wetter komplett anders. In Kaneohe regnet es durchschnittlich 236 Tagen im Jahr. In Honolulu hingegen regnet es durchschnittlich nur an 89 Tagen. Diese Information erhalten wir tatsächlich erst nach der Ankunft, als wir nachlesen, warum es denn hier bitte immer nur regnet.

Nun gut, unser Airbnb Gastgeber sagt, dass es auf Oahu bis zu 14 Mikroklimas gibt und irgendwo immer die Sonne scheint. Hoffen wir es mal. 

Waikiki Beach

Bevor es uns an den berühmten Waikiki Beach zieht, steht der erste Einkauf an. Es dauert nicht lange und uns trifft der erste Schock. Hawaii ist wirklich sau teuer. Japan, Singapur, Australien oder Neuseeland sind nix dagegen.

Milch ab 3€, Nudeln ab 4€, Pizza ab 7€. Wir freuen uns, dass wir noch 1kg Reis, eine Dose Kokosmilch und Currypulver aus Neuseeland mitgeschleppt haben. So ist unser Abendessen für 2 Tage schonmal gesichert. Trotzdem bezahlen wir für den Minieinkauf 50€. Als wir an einer Tankstelle vorbei kommen, der nächste Schock: 2,80€ für 1 Liter Benzin. Hoppla. Na an das Preisniveau müssen wir uns erstmal gewöhnen.

Aber jetzt gehts erstmal nach Waikiki, dem größten und wahrscheinlich auch bekanntesten Stadtteil Oahus. Hochhäuser säumen die Küste, viele Surfer warten auf die perfekte Welle, teure Geschäfte und Hotels links und rechts und volle Straßen. Vorher haben wir schon gelesen, dass man sich nicht lange in Waikiki aufhalten sollte, wenn man den Trubel nicht so mag. Aber gucken kann man ja trotzdem mal. Wir hatten uns den lebhaften Stadtteil deutlich schlimmer vorgestellt. Voll ist es wirklich, aber trotzdem macht es Spaß, ein wenig über die Einkaufsmeile zu flanieren. Chanel, Dior und das Hyatt Hotel lassen wir links liegen und begeben uns direkt zum Strand. Hier wartet nämlich die kostenlose Hula-Show auf uns. Wir lassen uns einige Zeit von hawaiianischen Klängen bedudeln und schauen den Mädels zu, wie sie sich sanft zur Musik bewegen. Obwohl wir einige gemütliche Ecken in Waikiki entdecken konnten, sind wir trotzdem froh, im ruhigeren Kaneohe zu wohnen. Hier regnet es zwar nur und wir können unseren Gastgeber über uns schnarchen hören, aber sonst ist alles super. 

North Shore

Heute geht es für uns an die Nordseite der Insel. Diese Ecke ist bekannt für seine entspannte Atmosphäre, individuellen Geschäfte und Menschen. Vor der Küste tummeln sich viele Surfer, denn die Wellen sind hier besonders hoch. Wir fahren erstmal in das kleine Städtchen Haleiwa, welches für seine Galerien, kleinen Shops und vielen Foodtrucks bekannt ist. Wir bummeln ein wenig die Hauptstraße entlang und schmunzeln über die vielen Japaner. Japan hat beste Non-Stop Flugverbindungen nach Honolulu und Hawaii scheint die Top Urlaubsdestination für Japaner zu sein. Uns ist es recht. Wir haben die freundlichen, zurückhaltenden und leisen Japaner ins Herz geschlossen. Mit ihren schrillen Outfits, schrägen Frisuren und Gekicher, haben sie uns schon in Japan des öfteren schmunzeln lassen. Das tun sie auf Hawaii jetzt auch, nur das sie dabei Flip Flops tragen.

Gegen Mittag meldet sich der Hunger und wir begeben uns zu einem Platz, auf dem einige Foodtrucks stehen. Eines der Top-Gerichte sind wohl Knoblauch-Shrimps. Die werden nämlich an jedem zweiten Stand angeboten. Wir entscheiden uns für den Truck mit der längsten Schlange und halten nach einiger Wartezeit zwei Teller voll mit Shrimps und Reis in den Händen. Lecker! Die 12€ waren auf jeden Fall bestens investiert. Später erfahren wir, dass der Foodtruck "Giovannis" der älteste Shrimp-Truck auf Oahu ist. 

Das Wetter meint es nicht so gut mit uns. Es regnet immer wieder, es ist windig  und alles ist grau in grau. So fielen unsere zwei geplanten Strandbesuche an der Nordküste eher kurz aus. Am Laniakea Beach konnten wir in den Wellen einige Schildkröten entdecken. Daniel knipst so aufgeregt drauf los, dass er eine dicke Welle übersieht und mit pitschnassen Schuhen weiterfahren muss. Gegen nachmittag machen wir uns wieder auf den Heimweg. Bei Nieselregen macht der Strandbesuch nur halb so viel Spaß. Außerdem merken wir, dass unsere kleine Hawaii-Vorstellungsblase langsam platzt. 

Wenn wir an Hawaii gedacht haben, haben wir nicht so wirklich an dicke graue Wolken, Regen, Stau und Strände direkt an vielbefahrenen Straßen gedacht. Ehrlicherweise muss man aber auch dazu sagen, dass wohl grade Winter ist. Vielleicht bieten sich die anderen Insel auch eher an, um das Hawaii aus den herrschenden Klischees zu finden. Vielleicht gibt es das Klischee-Hawaii aber auch gar nicht. 

Wir sind gespannt was Hawaii noch so für uns bereit hält. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Doris und Hannes (Freitag, 01 März 2019 11:43)

    Was gibt es auf unserer "Mutter Erde" doch tolle Landschaften und Mentalitäten der Bewohner, die wir ohne euch nie kennengelernt hätten, Dankeschön. Aber leider ist Reisen auch immer mit Abschied nehmen verbunden, mal mehr, mal weniger. Ihr habt inzwischen eine "Schatzkiste" voller Erinnerungen der unterschiedlichsten Länder gesammelt, in der ihr künftig immer wieder kramen solltet, damit die Erinnerung an diese tolle Zeit nicht verblasst. In diesem Sinne wünschen wir euch weiterhin eine gute Reisezeit, schöne Eindrücke und nette Begegnungen. Passt aufeinander auf.