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130 Tage auf Reise - Ein Blick in unsere Köpfe

130 Tage auf Reisen. Wer hat denn da an der Uhr gedreht? Wir sind doch grade erst in Berlin in den Flieger gestiegen und in Südafrika ausgestiegen.

Eine unglaublich intensive und fantastische Zeit liegt hinter uns. Wir haben so viel gesehen, erfahren, neue Kulturen und Menschen kennen gelernt, wundervolle Landschaften gesehen und absolute Freiheit genossen. 

Ungefähr 45 Tage werden wir noch unterwegs sein. Ein genaues Rückflugdatum haben wir noch nicht. Was allerdings sicher ist: Es kommen noch mehr neue Eindrücke. Neue Länder warten auf uns. Neue Kulturen. Neue Menschen. Auch wenn das Ende so langsam absehbar ist, sind wir noch nicht reisemüde und freuen uns auf jeden einzelnen, noch kommenden Tag. Auch wenn ziemlich viel Wehmut dabei ist. 

Aber was bleibt, sind die Erinnerungen. Wir werden ewig von so vielen Momenten zehren. Was haben wir für eine Wahninns Route hinter uns: Südafrika, Japan, Vietnam, Thailand, Singapur, Australien, Neuseeland. Grade haben wir eine Wahnsinns Zeit in Neuseeland. Ich sitze in unserem Camper, direkt am Strand der Golden Bay. Es ist windig und recht frisch. Aber in unserem Camper ist es gemütlich. Die Lichterkette ist angeschaltet und eine Kerze brennt. Neuseeland lässt uns völlig runterfahren. Hier leben wir von Tag zu Tag. Wir planen keine Details für die nächsten Länder, was sicherlich auch an dem fehlenden Internet liegt. Daher sind wir voll und ganz in Neuseeland und bei uns. 

In diesem Blogbeitrag möchte ich aber nicht die letzten Wochen Revue passieren lassen. Ich möchte euch teilhaben lassen an unserer momentanen Gedankenwelt, einen Einblick in unsere Köpfe geben. 

Reisen lehrt uns einfach so viel. Wir bekommen Einblicke und Sichtweisen, die wir in Deutschland nie bekommen hätten. Wir machen uns plötzlich über Tatsachen Gedanken und hinterfragen Dinge, die uns sonst nicht sehr interessiert hätten. Wir verändern unsere Einstellungen, Motivationen und somit auch uns. Das Tolle ist, dass diese Dinge sich in unser beiden Köpfe abspielen. Wir diskutieren unheimlich viel, suchen nach Verbesserungen und sind motiviert Dinge zu ändern. 

Wir stehen am Fox Gletscher, lesen die Informationstafeln und sehen die Auswirkungen des Menschen auf unseren Planeten so deutlich, mit eigenen Augen. Vor Jahrzehnten war der Gletscher viel größer. Durch den Klimawandel und die Klimaerwärmung ist er bereits um 3km geschrumpft. Irgendwann wird er ganz verschwunden sein. 

Wir reisen in einer extremen Hitzeperiode durch Australien, sammeln in Thailand mit 35 Menschen in zwei Stunden 310kg Müll oder spüren die Auswirkungen der Dürre in Südafrika. In solchen Momenten merken wir einfach, dass wir viel mehr tun müssten. Mehr für unsere Umwelt, für den Klimaschutz, für den Erhalt unseres Zuhauses. 

Müllvermeidung, CO2 Fußabdruck, Nachhaltigkeit, Fleischkonsum, Klimawandel. Diese Themen beschäftigen uns schon eine ganze Weile. Immer wieder denken wir intensiv darüber nach, wie wir unseren Alltag verändern und verbessern können. Mal werden die Stimmen etwas leiser und wir verdrängen das Problem. „Können wir dann ja anpacken, wenn wir wieder in Deutschland sind.“ 

Aber jetzt grade, in diesem Moment, in Neuseeland, schreien uns all diese Stimmen quasi an. Viellicht, weil wir ohne große Ablenkung unterwegs sind. Vielleicht, weil wir Zeit haben unseren Gedanken freien Lauf zu lassen. Vielleicht, weil wir in Neuseeland quasi eine Alltagsroutine haben. Vielleicht, weil wir jetzt endlich bereit sind diese Themen richtig anzupacken und nicht aufzuschieben. 

Wir informieren uns momentan sehr viel und erfahren unglaubliche Dinge, die wir teilweise vorher nicht wussten. 

Wir sind geschockt, dass 1kg Rindfleisch während seines Werdegangs 17kg Treibhausgas verursacht, 100kg Getreide benötigt und die Verarbeitung 20.000 Liter Wasser verbraucht. 

Der jährliche Ausstoß an Treibhausgas liegt in Deutschland durchschnittlich bei 10,9 Tonnen pro Kopf.

Wenn ein weiterer Temperaturanstieg der globalen Erderwärmung vermieden werden soll, müsste der Ausstoß pro Kopf, jährlich bei nur einer Tonne liegen. Damit wären Flugreisen und Fleischkonsum tabu.

In 35 Jahren könnte dreimal mehr Plastik in den Meeren schwimmen, als Fisch. Schon jetzt befindet sich so viel Mikroplastik in den Weltmeeren, den wir durch den Verzehr von Fisch fröhlich mitfuttern. 

Uns qualmen die Köpfe. Die Informationssammlung zu diesen Themen ist frustrierend und mühsam. Von einer schlechten Nachricht, kommt man zur Nächsten. Von einer Seite mit Tipps für ein besseres, nachhaltigeres Leben, zur Nächsten. Es scheint ein endloser Teufelskreis zu sein. 

Aber das Falscheste ist es einfach den Kopf, völlig hoffnungslos in den Sand zu stecken und auf den Weltuntergang zu warten.

Wir reden über Klimawandel und Nachhaltigkeit und fliegen gleichzeitig um die Welt. Wir sind geschockt von den Auswirkungen der Klimaerwärmung und dem Müllproblem auf der Welt, tragen aber mit unserer Reise direkt dazu bei. Ist das nicht heuchlerisch? Sicherlich, aber wir sind nicht die Moralaposteln, die predigen wie man leben sollte, was in Ordnung ist und was nicht. Wir haben in der letzten Zeit festgestellt, dass es beim Thema Nachhaltigkeit nicht nur Schwarz und Weiß gibt. Es gibt unheimlich viel dazwischen und die Frage ist nicht: Lebst du nachhaltig und umweltbewusst, ja oder nein? 

Jeder muss für sich den richtigen Weg finden. Einen Weg mit dem er glücklich und zufrieden ist. Einen Weg mit dem er ein reines Gewissen hat. 

Unser Gewissen ist aktuell nicht mehr rein. Wir fühlen uns schuldig und verantwortlich, der Natur, der Umwelt, dem Planeten gegenüber. 

Deswegen wollen wir für uns die richtigen Antworten und Lösungen finden. Wir wollen aufgeklärt sein und uns bewusst entscheiden können. Wir wollen bewusst essen, reisen und leben. Nennt uns Ökotanten oder Umweltaktivisten, aber wir wollen etwas ändern. Und zwar genau jetzt. Keiner kann alles richtig machen, schon gar nicht von jetzt auf gleich. Aber wenn alle ein bisschen richtig machen, wäre das ein guter Anfang.